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Sand- bzw. Erdbienen: Andrena flavipes 

Artname: Andrena flavipes (Panzer 1799)
Volksmund: deutsch: "Gemeine Erd- bzw. Sandbiene" · englisch: "Yellow-Legged Mining-Bee" · niederländisch: "Grasbij"
Merkmale: W.: 11–13 mm; ähnlich der Honigbiene, aber mit deutlich hell abgesetzten Tergiten. M.: 9–11 mm.
Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa und in ganz Deutschland in niedrigen Lagen.
Lebensraum: viele verschiedene Lebensräume (ubiquitär), z. B. an Waldrändern, in Sand-, Kies- und Lehmgruben, auch in Gärten & Parks.
Fortpflanzung:  Erdnester, oft in Aggregationen: 16–23 cm lange, mehr oder weniger gebogene Gänge in sandigen oder lehmigen Böden. Zwei Generationen im Jahr (bivoltin).
Kuckuck: die Wespenbiene Nomada fucata.
Nahrung,
Nestproviant:
keine Spezialisierung (polylektisch), z. B. auch Obstbäume.
Flugzeit: zwei Generationen im Jahr (bivoltin): Ende März–Ende Mai & Anfang Juli–Anfang September.
Andrena flavipes : häufige Gartenbiene

Die Sandbiene Andrena flavipes ist in vielen Gegenden Deutschlands die häufigste Erd- bzw. Sandbiene – auch und gerade in unseren Gärten. Zwar gibt es keinen bekannten eingebürgerten deutschen Namen, aufgrund ihrer Häufigkeit und großen Verbreitung wird sie aber von vielen Bienenkundlern als "Gemeine Erd- bzw. Sandbiene" bezeichnet. Würde man den deutschen Namen nach dem wissenschaftlichen wählen, müßte man sie "Blondfuß-Sandbiene" nennen, den flavus heißt im Lateinischen 'goldgelb, blond' und pes 'Bein, Fuß'. Die blonde bis orange Behaarung vor allem des Hinterbeinpaares (hier speziell der Beinbürsten, der Scopae) hat diese Erdbienenart u. a. mit ihrer größeren "Schwester" gemeinsam, der Gattungsgenossin Andrena gravida; diese seltenere Erdbiene läßt sich durch die auffällig weiße Behaarung des Gesichts und der Thorax-Seiten sowie die breiten weißen Tergit-Binden von der eher unauffälligen Allerweltsart Andrena flavipes unterscheiden, die von Laien ohnehin eher mit einer Honigbiene vewechselt wird.

Die Häufigkeit dieser Art läßt sich gut erklären: Andrena flavipes gehört zu den Generalisten unter den Solitärbienen, weder an ihren Lebensraum (Nahrungs- und Nistplätze) noch an ihre Trachtpflanzen stellt sie besondere Ansprüche. So nistet sie auch in unmittelbarer Nähe des Menschen, und das gelegentlich in großen sog. Aggregationen von über 1000 Nestern. Solche Ansammlungen stellen keine organisierten 'Kolonien' einer sozial strukturierten Tierart dar, sondern Scheingesellschaften, die durch die natürliche Anziehungskraft eines günstigen Niststandortes zustande kommen. Wie groß und beeindruckend, ja für Laien geradezu beängstigend eine solche Ansammlung nistender Weibchen und entsprechend vieler Männchen sein kann, beweist eine eMail, die Anfang April 2002 eine Dame aus Hamm schrieb:

"Wir haben ein Problem, das von Tag zu Tag größer wird: Wir wohnen in einer Reihenhaussiedlung. Fünf dieser Gärten sind von Wildbienen reineweg bevölkert. Sie kommen aus dem Boden und sind zentimeterdick auf dem Rasen. Es wimmelt überall. Wir können keine Fenster mehr öffnen, den Briefkasten leeren, solange die Sonne scheint. Können Sie uns weiterhelfen?"

Als ich mir diesen Vorgarten ein knappes Jahr später bei herrlichem Sonnenschein ansah, schwebten über einem schütter bewachsenem Rasen von kaum 20 m² wie ein Teppich vielleicht 1000 Wildbienen. Durch das ungewöhnlich warme und trockene Wetter angeregt, landeten die Insekten immer wieder, krabbelten zu und wieder aus ihren Nistöhren oder sonnten sich kurze Zeit auf dem Erdboden, auf Steinen oder Pflanzen. Einige flogen zwecks Nahrungserwerb weg, andere umkreisten eine Blumenschale (Foto), die auf dem Rasen stand, wieder andere stießen mehrmals auf die schwarzen runden Augen eines Gartenzwerges, die diese Erdbienen wohl an ihre Nesteingänge erinnern. Sogar eine Paarung konnte beobachtet und fotografiert werden; allerdings mußte ich anschließend feststellen, die Biene, die neben einem Nesteingang unbeweglich auf dem Bauch lag, schon tot war. Interessanterweise war trotz der großen Individuen- und Nesterzahl keine einzige Kuckucksbiene zu sehen!
    Das Fotografieren und Beobachten unter all den schwirrenden Bienen bewies mir erneut, wie vollkommen harmlos Erdbienen sind: Manche ließen sich kurzzeitig auf Hand, Hemd und Kamera nieder, offensichtlich ohne den Eindringling als Gefahr wahrzunehmen. Ich habe mich durch behutsames Vorgehen revanchiert, um keine Nesteingänge zu beschädigen oder Bienen zu verletzen ...

Andrena-flavipes-M über Rasen   Andrena flavipes: Niströhren (Foto: M. Wulf)
  Die Nesteingänge der Sandbiene A. falvipes im Rasen einer Reihenhaussiedlung · 28.03.2003.
Die Bienen über dem Rasen (links) stellen keinen herkömmlichen Bienen-"Schwarm" dar, sondern eine Aggregation einzeln lebender Individuen. (wul)

Andrena flavipes: Komfortverhalten   Andrena flavipes: Sonnenbad
Auch Andrena flavipes schätzt Komfortverhalten:   Sonnenbad mit abgestellten Flügeln ...

Andrena flavipes: Scheinpaarung   Andrena-flavipes-W an seiner Niströhre (1)
Andrena flavipes: Paarung im Gras? Die untere Biene war jedenfalls schon tot ...   Mit der Kamera lauert man diesen Erdbienen am besten an ihren Niströhren auf!

Brutgeschäft: Andrena flavipes hat zwei Generationen im Jahr, sie ist also, wie der Fachmann sagt, "bivoltin". Die erste schlüpft Ende März, also in manchen Jahren unter noch kühlen, feuchten Wetterbedingungen, und fliegt bis Ende Mai. Zuerst schlüpfen die Männchen, die bei warmen Wetter unermüdlich dicht über der Brut-"Kolonie" schwirren und auf die Weibchen warten – und dabei auch uns Menschen auf den Niststandort aufmerksam machen. Sie sterben schon ca. 3 Wochen nach der Paarung; die Weibchen gehen aber noch bis Ende Mai dem Brutgeschäft nach und dann ebenfalls zugrunde. Anfang Juli schlüpft die zweite Generation und fliegt bis in den September hinein. Die Nachkommen der zweiten Generation überwintern im Boden und schlüpfen Ende März des folgenden Jahres.
    Jedes Sandbienen-Weibchen gräbt ganz alleine ein Nest ins Erdreich. Bevorzugt werden nur schütter bewachsene Stellen, wegen der geringeren Bodenfeuchte gerne auch Böschungen. In die Brutzellen trägt A. flavipes Nektar und Blütenstaub von vielen verschiedenen Pflanzenarten.

Filmrand oben
Andrena flavipes vor ihrer Niströhre (2-4)
Filmrand unten
Irrtum bei Andrena flavipes : Die Biene macht nicht wegen des aufdringlichen Fotografen kehrt, sondern weil diese Niströhre offenbar schon besetzt ist! Die Eigentümerin verläßt kurz darauf das Nest.
Filmrand oben
Andrena flavipes vor ihrer Niströhre (5-7)
Filmrand unten

Schmarotzer: An Nestern von A. flavipes kann man meist eine Kuckucksbiene aus der Gattung Nomada beobachten. Sie ist leicht von ihrem Wirt zu unterscheiden: wenig behaart und gelb-schwarz gefärbt, weshalb alle Bienen dieser Gattung als "Wespenbienen" bezeichnet werden.
    Nomada fucata hat sich auf unsere Sandbiene A. flavipes spezialisiert. Wie alle Kuckucksbienen baut sie keine eigenen Zellen für ihre Brut und sammelt auch keine Vorräte für ihre Larven, vielmehr "schmuggelt" sie ihre Eier in die Nester von A. flavipes – so wie der Kuckucksvogel seine Eier in fremde Vogelnester legt. Statt Sandbienenlarven entwickeln und verpuppen sich die Larven der Wespenbiene, deren Bestand so immer mehr zunimmt. Große Sandbienen-"Kolonien" können so stark parasitiert werden, daß sie nach und nach zusammenbrechen. An anderer Stelle entstehen aber neue, wenn der Mensch ihnen den Raum dafür läßt.

Andrena flavipes, W   Andrena flavipes, altes M
Andrena flavipes auf Cichorium intybus · Orsoy (Duisburg), 30.07.2006 ·  groß   Andrena flavipes (alt) auf Tanacetum vulgare · Solingen, 29.07.2006 (Beide Fotos: Bienen der 2. Generation ·  groß)

Andrena flavipes, W, an Trifolium arvense   Andrena flavipes, W, an Taraxacum (1)
Andrena flavipes  auf Hasenklee (Trifolium arvense) · Bonn, 29.06.2008 ·  groß   Andrena flavipes  auf Löwenzahn (Taraxacum officinale) · Oberhausen, 26.04.2008

Andrena flavipes, W, an Taraxacum (2)   Andrena flavipes, W, an Taraxacum (3)
Andrena flavipes  auf Löwenzahn · 26.04.2008   Andrena flavipes  · Oberhausen, 26.04.2008

Andrena flavipes, W, an Centaurea (1)   Andrena flavipes, W, an Centaurea (2)
Andrena flavipes, abgeflogenes  an Kornblume (Centaurea cyanus) · 13.08.2015   Andrena flavipes  · Solingen, Deponie Bärenloch (Saatgutmischung), 13.08.2015

Andrena flavipes, W, an Centaurea (3)   Andrena flavipes, W, an Centaurea (4)
Andrena flavipes  an Centaurea cyanus · 13.8.15   Andrena flavipes  · Solingen, 13.08.2015

Gefahren: Die häufige Sandbiene Andrena flavipes ist – wie ihr Kuckuck – absolut friedlich! Bienen-Männchen (Drohnen) besitzen bekanntlich keinen Stachel, und der Stachel der Weibchen hat keine Wiederhaken und ist klein und dünn und kann die menschliche Haut in der Regel nicht durchdringen. Sandbienen greifen nicht einmal an – selbst wenn Ihre Nester bedroht sind – und sie werden auch nicht am Kaffeetisch auf der Gartenterrasse lästig. Ein Rasen, in dem Sandbienen während ihrer Flugzeit Gänge graben und Nester anlegen, kann weiter genutzt werden – obwohl der Bienenfreund sicher darauf achten wird, die Tiere neben den Bodenlöchern nicht totzutreten. Bienen, die sich ins Haus verirrt haben, sollte man an der Fensterscheibe mit einem Glas und z. B. Bierdeckel (oder einem speziellen Insekten-Fanggerät) einfangen und im Garten wieder fliegen lassen.

Andrena flavipes, abgeflogenens W (1)   Andrena flavipes, abgeflogenens W (2)
A. flavipes: altes , die Binden sind abgewetzt   groß: · Mechtenberg (Gelsenkirchen), 03.05.2009

Andrena flavipes, abgeflogenens W (3)   Andrena flavipes, abgeflogenens W (4)
Andrena flavipes: abgeflogenes · groß:   · Mechtenberg in Gelsenkirchen, 03.05.2009

Filmrand oben
Andrena flavipes, abgeflogenens W (5-6)
Filmrand unten
Andrena flavipes, sich putzendes altes · Mechtenberg in Essen, 03.05.2009

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Erd- bzw. Sandbienen · Andrena florea nächste Gattung