Wildbienen: Artenportraits (Einführung)
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  Solitär- bzw. Sandbiene Andrena fulva
  Die erdnistende "Goldbiene" (Andrena fulva )

561 Wildbienenarten sind in Deutschland beschrieben worden, und die meisten leben – wenn sie nicht zu den 39 bereits ausgerotteten Arten gehören – alleine (solitär). Die winzigsten unter ihnen macht eine Körperlänge von gerade einmal 2 mm ganz unauffällig oder läßt sie uns mit Fliegen verwechseln. Andere Arten sehen der Honigbiene des Imkers so ähnlich, daß wir an andere Arten gar nicht erst denken. Wieder andere haben mit ihrer Schwarz-Gelb- oder auch Schwarz-Rot-Zeichnung das für Laien typische Erscheinungsbild einer Wespe.
    Höchst unterschiedlich sind die Nester der Bienen: Manche solitär lebende Art baut sie im flachen Boden, in Böschungen oder in Steilwänden, andere mörteln Lehmnester ("Freinester") ungeschützt an Steine, wieder andere nutzen für ihren Nachwuchs Käferfraßgänge in Totholz oder graben bzw. beißen die viele Zentimeter langen Niströhren selbst. Manche Nester sind isoliert, andere finden sich zu Hunderten oder gar Tausenden am selben Ort (in sogenannten Aggregationen), wenn diese zum Nisten besonders günstig ist. Der Laie glaubt dann, es handele sich um einen Schwarm bzw. ein Volk.

Die Männchen der Einsiedlerbienen spielen eine ebenso eingeschränkte Rolle wie bei den Honigbienen und Hummeln: Sie erscheinen meist etwas früher als die Weibchen (man nennt das Proterandrie), sie kümmern sich ausschließlich um die Begattung der Weibchen, und sie sterben Wochen vor ihnen, haben also oft nur eine recht kurze Lebensdauer.
    Die Weibchen einer typischen Solitärbienenart sind hingegen jede ihre eigene Königin: Als Universaltalente suchen sie einen Niststandort, graben, erweitern oder bauen eine Nisthöhle und eine Anzahl Brutzellen, sammeln für jede Zelle in vielen Flügen unermüdlich Pollen und oft auch etwas Nektar, legen in jede Zelle ein einziges Ei und verschließen dann die Zelle und schließlich das ganze Nest. Vor diesem Hintergrund könnte man durchaus die Frage stellen, wem das (vermenschlichende und deshalb unwissenschaftliche) Attribut des "Bienenfleißes" mehr gebührt: der Honigbiene oder ihrer einsiedelnden Verwandtschaft?

Sandbienen der Art Andrena flavipes
Sandbienen der Art Andrena flavipes  vor einer Niströhre

Aber es gibt auch "faule" Weibchen in der Bienenwelt – eine große Rolle spielt unter den Einsiedlerbienen nämlich der Parasitismus: Rund ein Viertel von ihnen sind "Brutparasiten" bzw. "Schmarotzer" oder einfach "Kuckucksbienen", die keine eigenen Nester und Nestzellen bauen und auch nichts zur Versorgung ihrer Nachkommen eintragen; vielmehr legen sie ihre Eier im günstigen Moment in die Brutzellen anderer Solitärbienen, wo ihre Larven sich von der Wirtslarve und deren Proviant ernähren. Dieses Verhalten erinnert zu Recht an den Kuckucksvogel, es wird auch als "Futter-" oder "Nestparasitismus" bezeichnet und kommt auch bei den Hummeln vor.
    Als ob dieses ausgeprägte Phänomen noch nicht Belastung genug wäre, werden unsere Einsiedler auch noch von anderen Parasiten aus dem Insektenreich heimgesucht: Naturfreunde können an ihren Nistblöcken immer wieder kleine Fliegen (Cacoxenus indagator), Schmalbauchwespen (Gasteruption), Keulenwespen (Sapyga spec. und Sapygina decemguttata) und Schlupfwespen (Ephialtes spec.) beobachten, wie sie geduldig auf einen geeigneten Moment für die eigene Eiablage warten bzw. ihre lange Legeröhre in ein Nest bohren ...

Manche Bienengattungen sind ausgesprochen artenreich (etwa Andrena und Halictus & Lasioglossum), andere eher artenarm (z. B. Melitturga oder Systropha); einige haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in Europa und kommen auf anderen Kontinenten kaum oder gar nicht vor, andere sind umgekehrt bei uns mit nur wenigen Arten vertreten; einige Gattungen oder Arten schließlich kommen als Generalisten bzw. Ubiquisten bei uns fast überall vor, andere sind als Spezialisten (stenöke bzw. oligolektische Bienen) von bestimmten Klimaten, Niststrukturen und/oder Trachtpflanzen abhängig und daher extrem selten.
    Im folgenden werden die Gattungen der mitteleuropäischen Solitärbienen vorgestellt und auch viele ihrer Arten. Der Besucher hat die Wahl, sich in der Navigationsleiste am linken Bildschirmrand die Bienengattungen wahlweise nach drei Ordnungsprinzipien anzeigen zu lassen, nämlich entweder die

deutschen Gattungsnamen in alphabetischer Reihenfolge   oder die
wissenschaftlichen Gattungsnamen in alphabetischer Folge   oder die
wissenschaftlichen Gattungsnamen in systematischer bzw. taxonomischer Folge, d. h. gemäß der konventionellen Klassifikation der Gattungen in der Familie Apidae (siehe Tabelle unten).

Die Artenportraits sind jeweils durch waagerechte grüne Pfeile () am oberen Bildschirmrand erreichbar. Der Verweis auf die "nächste Gattung" am unteren Bildschirmrand führt zur nächsten Gattung nicht in alphabetischer, sondern taxonomischer Folge. Die Arten einer Gattung sind jeweils alphabetisch aufgeführt und untereinander ebenfalls durch grüne Pfeile ( bzw. ) zugänglich. Wer eine gesuchte Art unter den Portraits nicht findet, der könnte im Artenlexikon der Website  wildbiene.com des Kollegen Fockenberg fündig werden oder auf der Website  wildbienen.info des wohl bekanntesten deutschen Wildbienenexperten, Dr. Paul Westrich, dessen Forschungen diese Website sehr viel verdankt.

Das Portrait bzw. Profil jeder Bienenart beginnt mit ihrem wissenschaftlichen Namen, da nur dieser einen bekannten Organismuis eindeutig benennt. Demselben Zweck dient die Angabe vorhandener wissenschaftliche Synonyme, die meist frühere taxonomische Kenntnisstände dokumentieren. In der Zeile "Volksmund" werden, falls vorhanden, auch noch mundartliche bzw. umgangssprachliche Namen der deutschen, englischen und/oder niederländischen Sprache angegeben; die englischen Namen stammen von den flickr-Seiten des britischen Entomologen Steven Falk ( Apoidea), die niederländischen Namen von der Wesite  wildebijen.nl.
    Die Beschreibungen der Gattungen und Arten verwenden immer wieder auch Fachtermini. Wer diese nicht kennt, kann sie jeweils in der Biologie- bzw. allgemeinen Sektion im "Glossar" nachschauen. Auch die wissenschaftlichen Pflanzennamen lassen sich dort in einem eigenen Pflanzen-Glossar entschlüsseln. Die Großbuchstaben D, A und CH stehen für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Für Bienenarten mit Gefährdungsstatus ist jeweils auch die Kategorie der bundesweiten Roten Liste der Bienen angegeben, die das Bundesamt für Naturschutz als Teil der Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands herausgibt; zweierlei ist dabei zu beachten: Im Falle einer Neufassung der Roten Liste sind die Angaben dieser Website zu einigen der beschriebenen Bienenarten evtl. einige Zeit lang veraltet, und die bundesweiten Roten Listen sind nicht identisch mit denen der Bundesländer.
    Die Bedingungen für die Nutzung von Bildmaterial und/oder Texten sind auf der Impressum- & Copyright-Seite nachzulesen. Die Bildautoren sind in den Bildunterschriften durch ein dreistelliges und kursiv gesetztes Kürzel in Klammern gekennzeichnet; fehlt das Kürzel, so ist der Autor dieser Website auch der Bildautor.

Apidae [alternativ: Apiformes [Apoidea]]  ("Bienen") 
Die folgenden Familien [alternativ: Unterfamilien] und ihre Gattungen sind in taxonomischer Reihenfolge aufgeführt:
Colletinae [alternativ: Colletidae]
Hylaeus Fabricius 1793   ("Maskenbienen")
Colletes Latreuille 1802   ("Seidenbienen")
 
Andreninae [alternativ: Andrenidae]
Andrena Fabricius 1775   ("Sandbienen")
Panurgus Panzer 1806   ("Zottelbienen")
Panurginus Nylander 1848   ("Scheinlappenb.")
Camptopoeum Spinola 1843   ("Buntbienen")
Melitturga Latreille 1809   ("Schwebebienen")
 
Halictinae [alternativ: Halictidae]
Halictus Latreille 1804   ("Furchenbienen")
Lasioglossum Curtis 1833   ("Furchenbienen")
Sphecodes Latreille 1805   ("Blut-" bzw. "Buckelb.")
Nomioides Schenk 1867   ("Steppenbienen")
Rophites Spinola 1808   ("Schlürfbienen")
Rhophitoides Schenk 1859   ("Graubienen")
Dufourea Lepeletier 1841   ("Glanzbienen")
Pseudapis W. F. Kirby 1900   ("Schienenbienen")
Systropha Illiger 1805   ("Spiralhornbienen")
 
Melittinae [alternativ: Melittidae]
Melitta Kirby 1802   ("Sägehornbienen")
Macropis Panzer 1809   ("Schenkelbienen")
Dasypoda Latreille 1802   ("Hosenbienen")
Megachilinae [alternativ: Megachilidae]
[Trachusa Panzer 1804   ("Bastardbienen")]
Anthidium Fabricius 1804   ("Woll- und Harzbienen")
Stelis Panzer 1806   ("Düsterbienen")
Dioxys Lepeletier & Serville 1825   ("Zweizahnbienen")
Megachile Latreille 1802   ("Blattschneider- und Mörtelb.")
Coelioxys Latreille 1809   ("Kegelbienen")
[Heriades Spinola 1808   ("Löcherbienen")]
[Chelostoma Latreille 1809   ("Scherenbienen")]
Osmia Panzer 1806     ("Mauerbienen")
Lithurgus Latreille 1825     ("Steinbienen")
 
Apinae [alternativ: Anthophoridae und Apidae]
Anthophora Latreille 1803     ("Pelzbienen")
Melecta Latreille 1802     ("Trauerbienen")
Thyreus Panzer 1806   ("Fleckenbienen")
Eucera Scopoli 1770   ("Langhornbienen")
[Tetralonia Spinola 1838   ("Langhornbienen")]
Ceratina Latreille 1802   ("Keulhornbienen")
Xylocopa Latreille 1802   ("Holzbienen")
Nomada Scopoli 1770   ("Wespenbienen")
Epeolus Latreille 1802   ("Filzbienen")
Biastes Panzer 1806   ("Kraftbienen")
Ammobates Latreille 1809   ("Sandgängerbienen")
Pasites Jurine 1807   ("Kurzhornbienen")
Parammobatodes Popov 1932   ("Kurzhornbienen")
Ammobatoides Radoszkowski 1867   ("Steppenglanzb.")
Epeoloides Giraud 1863   ("Schmuckbienen")
Bombus Latreille 1802   ("Hummeln")
[Psithyrus Lepeletier 1832   ("Kuckuckshummeln")]
Apis Linnaeus 1758   ("Honigbienen")

Alternative und ehemalige Familien bzw. Gattungen stehen in eckigen Klammern. In runden Klammern und Anführungszeichen werden deutsche Gattungsnamen genannt, die dem Laien das Ansprechen der Bienengattungen erleichtern sollen.

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    Bienenkalender