Maskenbienen · Hylaeus
Artenportraits:  Hylaeus  annularis ·  communis ·  confusus ·  hyalinatus ·  nigritus ·  punctulatissimus ·  rinki ·  signatus ·  variegatus

Maskenbienen verdanken ihren Namen ihrer charakteristischen gelben oder weißen Gesichtsmaske, die auf dem Vorderkopf der Männchen ein großes geschlossenes Feld einnimmt, welches an einen Blütenkelch im Querschnitt erinnert. Bei den Weibchen allerdings ist die Maske auf einige seitliche Punkte oder schmale senkrechte Streifen an den vorderen Augenrändern reduziert oder fehlt bei einigen Arten ganz. Obwohl die Maske, wie gesagt, auch weiß sein kann, heißen diese kleinen Bienen im Englischen "Yellow-Faced Bees".
    Von dieser Maske und einigen hellen Flecken an Brust und Beinen abgesehen sind Maskenbienen kleine unauffällige fast durchweg schwarze und unbehaarte Bienen, die sich im Feld kaum voneinander unterscheiden lassen; nur die arttypische Form der Maske, die rote Hinterleibsbasis dreier Arten, spezielle Formmerkmale oder die Blütenpflanze können gelegentlich eine schnelle Artbestimmung ermöglichen.

Hylaeus communis, Kopula   Hylaeus punctulatissimus, W
Hylaeus communis, Kopula (jac)   Hylaeus punctulatissimus (jac)

Im deutschsprachigen Raum sind 45 Arten bekannt: 37 in Deutschland, 39 in Österreich, 35 in der Schweiz. Bevorzugte Lebensräume sind offenbar Waldränder, Hecken, Sand- und Lehmgruben, Parks und Gärten. Nach Westrich zeigt H. pectoralis eine starke Bindung an Schilfröhrichte und H. rinki an Wälder. Die Bienen erscheinen erst ab Mai und fliegen immerhin bis Mitte September. In der Regel bringen sie nur eine Generation hervor (univoltin), einige Arten aber teilweise auch eine zweite (bivoltin). Früher stellten einige Autoren die Maskenbienen in die Gattung Prosopis.

Nahrungssuche: Die meisten Arten sind hinsichtlich der Trachtpflanzen mehr oder weniger unspezialisiert, also polylektisch, sie sammeln an vielen verschiedenen Blüten; nur drei Arten sind nach aktuellem Kenntnisstand spezialisiert, also oligolektisch: Hylaeus punctulatissimus auf Lauch (Allium), H. signatus auf Resede (Reseda) und H. nigritus auf Korbblütler (Asteraceae, vor allem Ateroideae).
    Da Maskenbienen keine äußere Transportvorrichtung (Bauchbürsten, Höschen bzw. Corbiculae) besitzen, nehmen sie den Pollen mit einem Borstenkamm (auf der Galea) der Unterkiefer von den Vorderbeinen auf, verschlucken ihn und transportieren ihn im Kropf ins Nest, wo sie ihn zusammen mit dem aufgesaugten Nektar wieder auswürgen. Der Pollen-Nektar-Proviant ist dementsprechend sehr feucht bzw. naß.

Fortpflanzung: Die Brutzellen werden meist in vorhandenen Höhräumen in Totholz, vor allem in Käferfraßgängen und alten Nestgängen anderer Stechimmen angelegt. Die Weibchen anderer Arten (z. B. H. gracilicornis, H. rinki) entfernen selbst das Mark aus Stengeln und Bromberranken. H. pectoralis nistet in verlassenen Schilfgallen von Fliegen der Gattung Lipara, H. moricei und H. pfankuchi wahrscheinlich nur in Schilfhalmen, H. variegatus in Erdnestern anderer Bienen, H. hyalinatus in Löß- und Lehmwänden, H. nigritus in Mauerritzen oder zwischen aufgeschichteten Steinen.
    Die genannten Nistplätze haben überwiegend lineare Formen, so daß die Nistzellen dort gleichmäßig zylindische Formen aufweisen. Maskenbienen sind aber flexibel genug, um auch in anders, also unregelmäßig geformten Hohlräumen zu nisten. Ihre Brutzellen bauen sie aus Sekreten der Labial- und wahrscheinlich auch der Dufourdrüse ( "Glossar"). Das elastische Gewebe ermöglicht es einigen Arten, zum Schutz des Nestes während der Sammelflüge einen vorläufigen Nestverschluß zu konstruieren, der aus zahlreichen radial, also von außen nach innen verlaufenden Fasern besteht, die sich weder an ihren Seiten noch an ihren Enden in der Mitte der Nestöffnung verbinden und um die Biene schmiegen, wenn sie hinein- oder herausschüpft. Der endgültige Nestverschluß besteht ebenfalls auch Drüsensekreten.
    Die Larven überwintern und spinnen im folgenden Jahr keinen Kokon zum Schutz der Puppe.

Brutparasiten: Maskenbienen werden von Schmalbauchwespen (Gasteruptionidae) parasitiert.

Die Gattung ist in Deutschland nach Westrich & Dathe (1997) mit 37 Arten vertreten; die folgende Liste umfaßt auch die Arten der Schweiz (CH) und Österreichs (A): Hylaeus bifasciatus, H. crassanus, H. euryscapus, H. glacialis, H. imparilis, H. meridionalis, H. trinotatus und H. tyrolensis.

Hylaeus Fabricius 1793 nach Schwarz et al. (1996), Müller (1997) sowie Westrich & Dathe (1997 & 1998)
H. alpinus (Morawitz 1867)
H. angustatus (Schenck 1861)
H. annularis (Kirby 1802)
H. annulatus (Linnaeus 1758)
H. bifasciatus (Jurine 1807)
H. brevicornis Nylander 1852
H. cardioscapus Cockerell 1924
H. clypearis (Schenck 1853)
H. communis Nylander 1852
H. confusus Nylander 1852
H. cornutus Curtis 1831
H. crassanus (Warncke 1972)
H. difformis (Eversmann 1852)
H. duckei (Alfken 1904)
H. euryscapus Förster 1871
H. gibbus Saunders 1850
H. glacialis Morawitz 1872
H. gracilicornis* (Morawitz 1867)
H. gredleri Förster 1871
H. hyalinatus Smith 1842
H. imparilis Förster 1871
H. kahri Förster 1871
H. lepidulus* Cockerell 1924
H. leptocephalus (Morawitz 1870)
H. lineolatus (Schenck 1861)
H. meridionalis Förster 1871
H. moricei (Friese 1898)
H. nigritus (Fabricius 1798)
H. nivaliformis Dathe 1977
H. nivalis (Morawitz 1867)
H. pectoralis Förster 1871
H. pfankuchi (Alfken 1919)
H. pictipes Nylander 1852
H. pilosulus* (Pérez 1903)
H. punctatus (Brullé 1832)
H. punctulatissimus Smith 1842
H. rinki (Gorski 1852)
H. signatus (Panzer 1798)
H. sinuatus (Schenck 1853)
H. spilotus Förster 1871
H. styriacus Förster 1871
H. taeniolatus Förster 1871
H. trinotatus (Pérez 1895)
H. tyrolensis Förster 1871
H. variegatus (Fabricius 1798)
*Synonyma: nach Müller et al. (1997), Westrich (1990) sowie Westrich & Dathe (1997 & 1998):
  • Hylaeus cervicornis (Costa 1858) → Hylaeus annularis Kirby 1802
  • Hylaeus conformis Förster 1871 → Hylaeus pilosulus (Pérez 1903)
  • Hyleus dilatatus (Kirby 1802) → Hylaeus annularis Kirby 1802
  • Hylaeus gracilicornis (Morawitz 1867) → Hylaeus gracilicornis (Morawitz 1867)
        + Hylaeus lepidulus Cockerell 1924

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      Portrait: H. annularis nächste Gattung