Löcherbienen · Heriades bzw. Osmia
Artenportrait:  Heriades Heriades truncorum truncorum

Löcherbienen sind Nachzügler im Bienenjahr: Erst im Juni/Juli erscheinen sie, fliegen dafür aber bis Ende September. Mit 6–8 mm recht klein, schwarz und schwach behaart, erinnern sie etwas an zu klein geratene Mauerbienen (Osmia), doch gibt es weitere deutliche Unterschiede:

In neueren Werken – etwa im Verzeichnisses von Westrich & Dathe (1997) – findet man Heriades dennoch mit der Großgattung der Mauerbienen (Osmia) vereinigt. Diese Website behandelt sie nur deshalb weiterhin getrennt von Osmia, weil viele Bienenfreunde mit der eingebürgerten deutschen Gattungsbezeichnung die Vorstellung kleiner schwarzer Bienen an ihren Nisthilfen verbinden.

Heriades truncorum   Heriades truncorum
Heriades truncorum Weibchen beim Pollensammeln mit typisch klopfenden Bewegungen des Abdomens. Kennzeichnend für die Art ist der schmale Kopf mit den schnabelartigen Mandibeln · Solingen, 12.07.05   Kurzes Sonnenbad: Löcherbienen sind ebenso winzige wie unruhige Gesellen, die es nicht lange ruhig bleiben können · Solingen, 09.07.2005

Nur drei Heriades-Arten gibt es in Mitteleuropa, zwei in Deutschland und der Schweiz – Heriades crenulatus und die häufige Heriades truncorum – und eine dritte in Österreich: H. rubicola. Ihre Unterscheidung ist nur mit Lupe bzw. Mikroskop möglich. Ihr Lebensraum ist dort, wo ihnen Totholz Nistplätze in der Nähe von Korbblütlern bietet: z. B. an Waldinnen- und außenrändern und im Siedlungsbereich dort, wo alte Zaunpfähle, alte Holzbalken und auch Pflanzenstengel Hohlräume zur Verfügung stellen, etwa Käferfraßgänge.

Fortpflanzung: 3–3,5 mm große Gänge in Totholz werden bevorzugt, am liebsten die Nisthöhlungen des Vorjahrs, die vor der erneuten Nutzung gereinigt werden. Die linearen Nester bestehen aus durchschnittlich vier (1–10) Brutzellen, die jeweils ca. 10 mm lang sind. Die 0,5–1,5 mm starken Trennwände bestehen aus Harz, manchmal sind die Zellen mit Harz ausgekleidet. Der Nestverschluß ist ein Propf aus verklebten Harzstücken und bis zu 11 mm dick, da er durch Steinchen, Sandkörner, Faserstücke, Spelzen etc. verstärkt wird. Zwischen diesem Propf und der letzten Zelle befindet sich oft noch eine (manchmal recht lange) ungenutzte Leerzelle (Atrium).
    Ihr Ei befestigen Löcherbienen in der Mitte der Vorderwand des leicht feuchten Pollenpakets. Die Larve verzehrt den gesamten Vorrat in gut drei Wochen nach dem Schlüpfen. Nach der dritten Häutung, d. h. nach knapp einer Woche, beginnt die Larve, orangebraune Kotbällchen austzuscheiden. Kurz bevor sie sich nach ca. 1½ Monaten Lebenszeit in einen Kokon einspinnt, scheidet sie deutlich dunkleren, auch grauen Kot aus und überwintert.

Parasiten: Das Überleben der wenigen Löcherbienenarten wird zusätzlich durch eine Kuckucksbiene, nämlich die Düsterbiene Stelis breviuscula, und Futterparasiten, nämlich die Keulenwespe Sapygina decemguttata und die Fruchtfliege Cacoxenus indagator, erschwert.

Heriades Spinola 1808 bzw. Osmia Panzer 1806 nach Schwarz et al. (1996), Müller (1997), Westrich & Dathe (1997 & 1998)
Alte Gattung: Heriades
H. crenulatus Nylander 1856
H. rubicola Pérez 1890
H. truncorum (Linnaeus 1758)
Neue Gattung: Osmia
O. crenulata (Nylander 1856)
O. rubicola (Pérez 1890)
O. truncorum (Linnaeus 1758)
Die Gattung Heriades wird heute überwiegend der Großgattung Osmia zugeordnet.
8 Arten
*Synonyma: nach Müller et al. (1997), Westrich (1990) sowie Westrich & Dathe (1997 & 1998):
  • die vom Gattungswechsel (HeriadesOsmia) betroffenen Arten


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