Osmia  adunca ·  aurulenta ·  bicolor ·  bicornis/rufa ·  brevicornis ·  caerulescens ·  cornuta ·  leaiana ·  leucomelana ·  spinulosa


Mauerbienen: Osmia bicolor 

Artname: Osmia bicolor (Schrank 1781)
Volksmund: deutsch: "Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene" · "Red-Tailed Mason-Bee" · niederländisch: "Tweekleurige slakkenhuisbij"
Merkmale: 10–11 mm. W.: mit schwarzem Kopf und Thorax und rotem Abdomen einschließlich der Bauchbürste ähnlich der häufigen "Gehörnten Mauerbiene" (Osmia cornuta), aber ohne gehörntes Kopfschildchen (Clypeus); mattes Mittelfeld (= am Ende des Thorax bzw. Mesosoma das schräg abfallende Feld des Propodeum oberhalb des steil abfallenden Stutzes). M.: ohne den Schwarz-Rot-Kontrast der W., aber ähnlich Drohnen anderer Mauerbienen; Kopf, Thorax und 1. & 2. Tergit gelbbräunlich, 3.–7. Tergit gelbrötlich behaart, mattes Mittelfeld (siehe W.), 7. Tergit mit 2 Dornen, 3. Sternit gekerbt & mit kurzer Endbinde, 4. Sternit mittig mit Haarbüschel.
Verbreitung: nördliches Südeuropa bis südliches Nordeuropa (61° n. Br.) und bis Mittelasien; ganz Deutschland einschlie▀lich Alpen (in der Schweiz bis 2200 m ü. NHN), im Norden aber nur vereinzelt; Kalkgebiete.
Lebensraum: strukturreiche Waldränder, Hecken, Brachen, auch Böschungen und Parks.
Fortpflanzung:  leere Schneckenhäuser, dort meist nur eine Brutzelle; Überwinterung als Imago im Kokon im Schneckenhaus.
Kuckuck: keine Kuckucksbiene
Nahrung,
Nestproviant:
unspezialisiert (polylektisch), 13 Pflanzenfamilien: Doldengewächse (Apiaceae), Korbblütler (Asteraceae), Rauhblattgewächse (Boraginaceae), Kreuzblütler (Brassicaceae), Zistrosengew. (Cistaceae), Schmetterlingsbl. (Fabaceae), Lippenbl. (Lamiaceae), Liliengew. (Liliaceae), Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae), Rosengew. (Rosaceae), Weidengew. (Salicaceae), Steinbrechgew. (Saxifragaceae), Veilchengew. (Violaceae); selten blütenstet.
Flugzeit: eine Generation im Jahr (univoltin): Anfang/Mitte März bis Juni (M.) bzw. Anfang Juli (W.), ca. zweiwöchige Proterandrie; Nestbau ab April.
Mauerbiene: Osmia bicolor, W
Osmia bicolor  ähnelt O. cornuta (gam)

Zu den interessantesten Bienen überhaupt zählen jene Mauerbienen, die in Schneckenhäusern nisten. Osmia bicolor, die 'zweifarbige Mauerbiene', wurde deshalb 2013 zur "Wildbiene des Jahres" gekürt, sie ist jedoch keineswegs die einzige Mauerbiene, die sich in Schneckenhäusern fortpflanzt, aber in Deutschland die häufigste und bekannteste: Sie baut in mittelgroßen leeren Gehäusen der häufigen Hainschnecken, also Cepaea nemoralis ("Hainbänderschnecke"), Cepaea hortensis ("Gartenschnecke") und Cepaea vindobonensis ("Sarmatenhainschnecke"), sowie von Arianta arbustorum ("Gefleckte Schnirkelschnecke") und Bradybaena fructicum ("Buschschnecke"), selten auch Helix pomatia, der bekannten Weinbergschnecke. Auch zum Übernachten und Überdauern schlechten Wetters werden die Gehäuse genutzt, übrigens von beiden Geschlechtern.

Die Drohnen schlüpfen im Frühjahr einige Zeit vor den Weibchen und patrouillieren zwischen den in ihrem Revier herumliegenden Schneckenhäusern auf der Suche nach einem frischgeschlüpften, paarungsfähigen Weibchen. Hat ein Weibchen ein geeignetes Schneckenhaus gefunden, kontrolliert es sein Inneres und seine Ausrichtung und dreht es notfalls, bis die Mündung schräg nach unten zeigt. Dann beklebt es das Gehäuse fleckenweise mit einem grünen Pflanzenmörtel, der aus abgebissenen Blattstücken und Speichel besteht.
    Nun sammelt Osmia bicolor vier bis sechs Stunden lang Pollen und Nektar. Sobald genug Proviant eingetragen ist, deponiert die Biene weiteren Pflanzenmörtel an der Spindel des Gehäuses und heftet dann ein Ei an den Futterbrei. Mit dem deponierten Pflanzenmörtel baut sie nun die erste Querwand. In der Regel beherbergt ein Schneckenhaus nur eine Brutzelle bzw. ein Ei, manchmal zwei, sehr selten bis zu vier. Vor der ersten (im Falle mehrerer Zellen letzten) Zwischenwand häuft sie dann Steinchen, Holzstückchen und Erdbröckchen an, bis eine Schneckenhauswindung aufgefüllt ist; dann folgt mindestens eine weitere Querwand aus Pflanzenmörtel. Meist baut sie noch weitere solcher gefüllter Kammern, die letzte ist ein 1–2 cm dicker Pfropfen.
    Das verschlossene Gehäuse dreht die Schneckenhaus-Biene so, daß die Mündung flach dem Boden aufliegt; dazu unterminiert sie es notfalls sogar und fliegt die ausgegrabenen Erdbrocken weg. Schließlich fliegt sie stundenlang Hunderte trockener Grashalme oder Kiefernnadeln (1–15, meist 2–10 cm) ein und stellt sie schräg an das Gehäuse, bis ein etwa faustgroßer Gras- bzw. Nadelhaufen das Schneckenhaus völlig bedeckt.

Vorkommen / Schutz: Osmia bicolor ist eigentlich eine relativ häufige Art, aber dennoch mittlerweile selten geworden, da ihre oberirdische Nistweise in Schneckenhäusern störungsanfällig ist und sich nicht mit der intensiven "Pflege" von Gärten und Grünanlagen (und erst recht nicht intensiver Landwirtschaft) verträgt. Gartenbesitzern, die dieser Biene eine Chance geben möchten, sei also eine naturnahe Gartenpflege ohne ständiges Harken und Kehren empfohlen.
    Die Chance für aufregende Beobachtungen des Nestbaus läßt sich durch ausgelegte Schneckenhäuser erhöhen: Das große Haus der Weinbergschnecke (Helix pomatia) wird nur selten angenommen, mittelgroße Gehäuse – einer Hainschnirkelschnecke (Cepaea spec.) z. B. – dagegen gerne. Schneckenhäuser sollten im Garten dort liegen, wo sie nicht zertreten werden und der Boden nicht allzu verfestigt ist, damit die Biene ein Schneckenhaus untergraben kann, um es umzudrehen.

Osmia bicolor, W im Anflug auf ihr Schneckenhaus-Nest
Osmia bicolor  im Anflug auf ihr Schneckenhaus-Nest in sonniger Südlage am Rasenrand unter einem Ahornbaum · Hain-Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) · 71287 Weissach, 13.04.2009 (wac)

Getarntes Schneckenhaus-Nest von Osmia bicolor
Getarntes Schneckenhaus-Nest von Osmia bicolor am Fu▀ einer Trockenmauer, Südlage, nach 1,5 Tagen Bauzeit; oben rechts: Sandbienennest · Hondingen bei Donaueschingen, 23.05.2010 (dru)

Osmia bicolor, M   Osmia bicolor, M
Osmia bicolor , sonnenbadend · 25.03.2015 (nix)   Osmia bicolor : Dillenburg, 01.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, W
Osmia bicolor  an der Großen Sternmiere (Stellaria holostea) · Dillenburg 10.05.2015 (nix)   Osmia bicolor  am Natterkopf (Echium vulgare) · Dillenburg, 10.06.2015 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, W
Osmia bicolor  auf Nestsuche · 17.05.2015 (nix)   Osmia bicolor : Dillenburg, 17.05.2015 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, M auf Schneckenhaus
Nestzelt von Osmia bicolor  · 18.05.2015 (nix)   O. bicolor  auf Schneckenhaus, 09.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, M: Rast   Osmia bicolor, W: Rast
Osmia bicolor   · Dillenburg, 02.04.2016 (nix)   Osmia bicolor   · Dillenburg, 10.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, M vor Schneckenhaus   Osmia bicolor, WM: Kopula
Osmia bicolor  vor einem ausgewählten Schneckenhaus · Dillenburg, 12.04.2016 (nix)   Osmia bicolor : Kopula · Garten in Dillenburg, 14.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, W auf Wald-Erdbeere   Osmia bicolor, W am Hohlen Lerchensporn
Osmia bicolor  auf der Wald-Erdbeere (Fragaria vesca) · Garten in Dillenburg, 21.04.2016 (nix)   Osmia bicolor  am Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava) · Dillenburg, 12.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, W
Osmia bicolor  verläßt ihr Schneckenhaus · Garten in Dillenburg, 15.04.2016 (nix)   Osmia bicolor  trägt Material für den Verschlußpfropf ein · 21.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, W
Osmia bicolor   baut den Verschlußpfropf · (nix)   Osmia bicolor   · Dillenburg, 21.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, W
O. bicolor  · Garten in Dillenburg, 21.04.2016 (nix)   Osmia bicolor  Verproviantierung · 21.4.2016 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, W
O. bicolor  im Eingang des Schneckenhauses · Garten in Dillenburg, 21.04.2016 (nix)   Osmia bicolor  beklebt ihr Schneckenhaus mit Pflanzenzement · Dillenburg, 21.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, W
Osmia bicolor : Bekleben des Schneckenhauses · Garten in Dillenburg, 21.04.2016 (nix)   Osmia bicolor  schlüpft mit gefüllter Bauchbürste ins Schneckenhaus · Dillenburg, 21.04.2016 (nix)

Osmia bicolor, W   Osmia bicolor, W
Osmia bicolor  verläßt ihr Schneckenhaus · (nix)   Osmia bicolor  · Dillenburg, 21.04.2016 (nix)

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