Wildbienen-Glossar
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A
Abdomen (das ~)
′Unterleib′, Hinterleib der Insekten, der aus Segmenten (Tergiten und Sterniten) besteht. Genau bzw. entwicklungsgeschichtlich genommen gehört zum Abdomen auch der hintere Teil des Thorax, nämlich das mit ihm verwachsene Propodeum; was man als ′Hinterleib′ hinter der (Wespen-) Taille erkennt, ist das Metasoma (M).
 
abdominal
zum Unterleib bzw. Hinterleib gehörig; Gegenteil: dorsal (D).
 
abiotisch
'unbelebt': Abiotische Umweltfaktoren sind die Boden-, Wasser-, Luft- und klimatischen Verhältnisse eines Ökosystems, die dessen Organismen beeinflussen; Gegenteil: biotisch (B).
 
Abundanz
vom latein. abundantia = 'Überfluß': in der Ökologie die Populationsdichte, also Anzahl der Individuen einer Art in ihrem Habitat.
 
Aculeata
Stechimmen: die Hautflügler (Hymenoptera) mit Wespentaille, deren Weibchen einen Giftstachel haben.
 
adult
'erwachsen'; Gegenteil: juvenil (J). Adulte Insekten sind die Imagines (I).
 
adventiv
'hinzugekommen': Adventive Tier- oder Pflanzenarten wurden meist eingeschleppt.
 
Aggregation
Scheingesellschaft: eine Ansammlung von Tieren, die nicht sozial bedingt ist, sondern unabhängig voneinander durch die gleichzeitige Nutzung desselben (für einen Zweck geeigneten) Ortes zustande kommt, etwa eines Futter- oder Trinkplatzes, eines Schlaf- oder Überwinterungsplatzes, eines Nistplatzes oder eines Versteckes. In Totholz nistende Insekten z. B. sind meist Einzelgänger, auch wenn sie in großer Zahl dort vorkommen.
    Im Deutschen wird eine Nestansammlung auch als "Kolonie" bezeichnet; im Englischen allerdings meint eine "colony" eine Nestgemeinschaft adulter Weibchen.
 
Ala, Plural: Alae
Flügel; anders als Zweiflügler (Dipteren), also Fliegen und Mücken, besitzen Hautflügler (Hymenopteren), also Bienen und Wespenartige, zwei Flügelpaare, also insgesamt vier Alae. (Flügelzeichnung Flügelzeichnung)
 
allochthon
'andernorts', also 'gebietsfremd': Allochthon sind solche Tier- oder Pflanzenarten, die durch menschliche Eingriffe in Gebiete gelangten, in denen sie zuvor nicht heimisch waren – also dort absichtlich oder versehentlich eingeschleppt wurden oder sich dort verbreiten konnten. Vor 1492 (der Entdeckung Amerikas) eingebürgerte allochtone Arten sind Archäobiota, nach 1492 eingeführte allochtone Organismen sind Neobiota; Gegenteil: autochthon.
 
Allometrie
'Andere Messung'. Die positive Allometrie ist das dem Gesamtorganismus vorauseilende Wachstum einzelner Körperteile.
 
Allopatrie, Adjektiv: allopatrisch
Vorkommen genetisch verschiedener Populationen einer Art oder nahe verwandter Arten in getrennten geographischen Gebieten. Allopatrische Artbildung bezeichnet folglich die (übliche) Entstehung von Arten in räumlichen getrennten Populationen: Wenn z. B. die Gletscher einer Eiszeit Areale voneinander trennen, können aufgrund genetischer Isolation zunächst Unterarten entstehen und später Arten, deren Individuen nach dem Ende der Eiszeit nicht mehr untereinander fortpflanzungsfähig sind. Gegenteile: Parapatrie (P) und Sympatrie (S).
 
Allotypus siehe Typus
inoffizielle Bezeichnung eines Belegexemplars des anderen Geschlechts des Holotpyus.
 
Alula
läppchenförmiger Anhang am körpernahen Innenrand eines Fliegenflügels
 
ambophil, Substantiv: Ambophilie
'beides liebend' bzw. wind- & tier- bzw. insektenblütig: Dieser selten verwendete Begriff beschreibt Blütenpflanzen, die sowohl vom Wind (Anemophilie) als auch von Insekten (Entomophilie, E) bzw. allgemein von Tieren (pflanzliche Zoophilie, Z) bestäubt werden.
 
anemophil, Substantiv: Anemophilie
'windliebend' bzw. windblütig: Anemophile Blütenpflanzen werden vom Wind bestäubt, was in der Evolution die ursprüngliche Form der Bestäubung war. Sekundär hat sich später die Entomophilie (Insektenblütigkeit, E) bzw. die pflanzliche Zoophilie (Z) entwickelt.
 
Antennen
Kopfextremitäten des Insektenkopfes, die Mechano- und Chemorezeptoren tragen. Man unterscheidet die ursprünglichere Gliederantenne und die moderne Geißelantenne. Die Glieder der Gliederantenne sind alle einzeln beweglich. Die Geißelantenne hingegen ist dreiteilig: Auf einem basalen Schaft (Scapus) sitzt der zweite Antennenteil (Pedicellus), der die mehrgliedrige Geißel (Flagellum) trägt; diese ist nur als ganze über ihr erstes (basales) Glied beweglich, da nur an diesem Muskeln ansetzen.
 
Anthere
Staubbeutel des Staubgefäßes bzw. Stamens (S) einer Blüte
 
Anthese
der Vorgang des Blühens (Blütenöffnung – Bestäubung – Befruchtung – Seneszenz)
 
anthrophob, Substantiv: Anthrophobie
′menschenängstlich′: vor Menschen oder deren Siedlungen fliehend.
 
Apex; Adjektiv: apical bzw. apikal
Scheitel, Spitze, oberes Ende einer Tierkörpers oder Organs.
 
Apidozönose
′Lebensgemeinschaft der Bienenarten′, die sich ein Biotop bzw. Habitat teilen (vom lateinischen apis = 'Biene' und altgriechischen koinos = 'gemeinsam'). Die Apidozönose ist ein Teil der Zoozönose ('Tiergemeinschaft, Z) bzw. Biozönose ('Lebensgemeinschaft, Z).
 
apter
flügellos
 
Archäobiota bzw. Archaeobiota
'Altlebewesen' (H.: altgr): vor 1492 (der Entdeckung Amerikas) eingebürgerte gebietsfremde bzw. allochthone Arten
 
arid, Substantiv: Aridität
'trocken, heiß, dürr': Arides Klima herrscht, wenn im 30jährigen Mittel der Niederschlag geringer ist als die Verdunstung. Gegenteil: humid (H).
 
Art bzw. Spezies
′Fortpflanzungsgemeinschaft′. Die Angehörigen einer Art pflanzen sich untereinander uneingeschränkt fort, mit nahe verwandten Arten ist die Fortpflanzung aufgrund geographischer, genetischer oder Verhaltensbarrieren nicht möglich oder führt zu Bastarden bzw. Hybriden. Geographisch getrennte erkennbare Variationen einer Art bezeichnet die biologische Systematisk bzw. Taxonomie als Unterart, nahe verwandte Arten faßt sie zu einer Gattung zusammengefaßt, verwandte Gattungen zu einer Familie und verwandte Familien zu einer Ordnung.
 
Atrium
′Vorhof′, leere Zelle zwischen der letzten von mehreren linear angeordneten Brutzellen und dem von außen sichtbaren Nestverschluß einer Solitärbiene bzw. -wespe.
 
autochthon
alteingesessen, einheimisch, bodenständig (H: altgr.): autochthone Arten sind im aktuellen Verbreitungsgebiet entstanden oder dorthin ohne menschliches Zutun eingewandert; Gegenteil: allochthon.
 
Autökologie (englisch: autecology)
Biologische Disziplin, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen einer Art und ihrer Umwelt befaßt. Untersucht werden einzelne sowie kombinierte Wirkungen abiotischer und biotischer Faktoren (Nahrung, Licht, Feuchtigkeit, Druck, Salzgehalt, Sauerstoff etc.) auf einzelne Individuen dieser Art; deren Anpassungen an ihre Umwelt läßt sich dann ebenso beschreiben wie ihre Wirkungen auf ihre Umwelt.
 
Autökologisches Optimum
der bevorzugte Lebensbereich einer Art unter dem Einfluß eines bestimmten Umweltfaktors (Temperatur, Feuchte, Lichtintensität etc.) ohne Konkurrenz durch Individuen anderer Arten (Interspezifische Konkurrenz, I). Das Optimum unter dem Einfluß auch konkurrierender Arten ist das synökologische Optimum (S).
 
B
Basitarsus
auch Metatarsus (M): das sogenannte Fersenglied, also das erste der fünf Glieder des Insektenfußes (Tarsus, T). Der Metatarsus bzw. Basitarsus ist deutlich größer und breiter als die folgenden Glieder. (Beinzeichnung Beinzeichnung)
 
Bastard bzw. Hybride
'Mischling', Ergebnis der Kreuzung zweier Arten, in der Regel nicht fortpflanzungsfähig. (Bastard kommt aus dem Altfranzösischen, Hybride aus dem Lateinischen.)
 
Bein
Das Insektenbein besteht aus fünf Hauptgliedern: 1. Coxa (C, Hüfte), 2. Trochanter (S, Schenkelring), 3. Femur (F, Schenkel), 4. Tibia, (T Schiene) und 5. Tarsus, (T, Fuß, wiederum unterteilbar in fünf Teile, die sog. Tarsomeren).
 
Beute
Mit Bezug auf Honigbienen bezeichnet eine Beute kein Diebes- bzw. "Raubgut" eines Prädators (P), sondern eine vom Imker geschaffene Behausung für seine domestizierten Nutztiere. In der Geschichte der Imkerei entstanden mehrere Beuteformen:
  • Die Klotzbeute war ein ausgehöhltes Stück Baumstamm: eine Imitation hohler bzw. ausgehöhlter Baumstämme, aus denen die Zeidler (Z) den Honig ernteten.
  • Der Honigbienenkorb wurde aus Stroh geflochten, er ist in seiner traditionellen halbkugelförmigen Variante bis heute ein beliebtes Logo von Imkereien.
  • Die Holzbeute ist in ihrer ursprünglichen Variante ein Holzkasten, der sich durch eine Tür auf der Rückseite wie ein Schrank öffnen läßt, um Zugriff auf die Rähmchen bzw. Waben zu erlangen. Diese "Hinterbehandlungsbeute" wurde von der modernen "Magazin-Beute" abgelöst, die aus übereinander gestapelten Zargen besteht.
 
bienengefährlich
Die Risikobewertung zur "Bienengefährlichkeit" sogenannter Pflanzenschutzmittel wird auf Basis von Daten aus Labor-, Zelt- und Freilandstudien durchgeführt. Entscheidend sind die Mortalität adulter Honigbienen und die Entwicklung von Versuchsvölkern im Vergleich zu Kontrollvölkern. Die Studien berücksichtigen Wildbienen überhaupt nicht und stellen einen Kompromiß mit den Belangen der Landwirtschaft dar, der mit einer Risikobewertung für die menschliche Gesundheit nicht vereinbar wäre. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stuft Pflanzenschutzmittel in 4 Kategorien ein:
B1bienengefährlich
B2bienengefährlich, außer bei der Anwendung nach dem Ende des täglichen Bienenfluges in dem zu behandelnden Bestand bis 23.00 Uhr
B3aufgrund der durch die Zulassung festgelegten Anwendung des Mittels werden Bienen nicht gefährdet
B4nicht bienengefährlich
 
Bienenkorb, besser: Honigbienenkorb
traditionelle, aus Stroh geflochtene Nisthöhle für ein Honigbienenvolk. Ein Honigbienenkorb sieht aus wie ein runder Strohkorb, der aber mit seiner Öffnung nach unten unter einem Schutzdach steht und oben ein seitliches Flugloch aufweist. Der Honigbienenkorb ist kaum noch in Gebrauch, aber immer noch das allgemeinverständliche Ikon für die Imkerei.
    Eine weniger bekannte Variante ist der Kanitzkorb: eine Strohbeute in Magazinform mit beweglichen Rähmchen in unterschiedlichen Größen.
 
Bienensachverständiger (BSV)
Was nach einem Entomologen mit Schwerpunkt Bienen klingt, ist tatsächlich ein vom Amtsveterinär bestellter Imker, der sich mit den Krankheiten der Honigbienen und dem Tiergesundheitsgesetz, dem Arzneimittel- und Pflanzenschutzrecht etc. auskennen sollte. Tiefgreifenden Sachverstand zu (wildlebenden) Bienen besitzt ein BSV in der Regel nicht. Der Begriff ist eines von vielen Beispielen für die Praxis der Imkerschaft, die Bezeichnung Bienen für ihre Nutztiere zu monopolisieren; Honigbienen-Sachverständiger wäre ehrlicher.
 
Bienensauna
Die sogenannte Bienensauna ist eine Erfindung zur Bekämpfung der Varroamilbe (V) durch Hyperthermie. Das elektrisch betriebene Heizgerät wird wie eine Schublade unter die Brutzarge geschoben und erwärmt eine Honigbienenbeute bis auf max. 42° C. Varroa destructor reagiert empfindlich auf Temperaturen über 39°C und ist spätesten nach zwei Stunden irreversibel geschädigt; Honigbienen hingegen vertragen Temperaturen bis 45°C.
 
Bienenschutzverordnung
Die "Verordnung über die Anwendung bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel (Bienenschutzverordnung)" ist eine Verordnung des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 22.07.1992, zuletzt geändert am 27.06.2013. Die Verordnung bestimmt in § 2 u. a.:
(1) Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen nicht an
1. blühenden Pflanzen,
2. anderen Pflanzen, wenn sie von Bienen beflogen werden,
angewandt werden.

Die Verordnung zielt nicht auf den Natur- und Artenschutz, wie der 3. Absatz zeigt:
(3) Innerhalb eines Umkreises von 60 Metern um einen Bienenstand dürfen bienengefährliche Pflanzenschutzmittel innerhalb der Zeit des täglichen Bienenflugs nur mit Zustimmung des Imkers angewandt werden.
Es geht also ausschließlich um die Nutztiere und Interessen des Imkers. Der Schutz der über 500 Wildbienen-Arten in Deutschland ist gar nicht vorgesehen und findet vor Ort allenfalls indirekt statt, wenn domestizierte Honigbienen geschützt werden sollen. Selbst dieser Schutz läßt jedoch durch eine Ausnahmeregelung nach § 3 aushebeln: 1. "für Forschungs-, Untersuchungs- und Versuchszwecke" und 2. "soweit es zur Verhütung schwerer Schäden oder Verluste an Pflanzen durch Schadorganismen erforderlich ist."
 
bienn, auch Substantiv: Bienne
'zweijährig': Bienne Pflanzen (auch nur: Bienne) haben einen Lebenszyklus von zwei Jahren: Nach der Keimung leben sie eine Vegetationsperiode vor dem Winter (in anderen Erdteilen vor der Trockenzeit) und eine danach, bevor sie Samen bilden und sterben.
 
Binomen
'zweiteiliger Name': Tier- und Pflanzenarten benennt man mit einem Binomen, das aus dem Namen der Gattung (beginnend mit einem Großbuchstaben) und dem Beiwort (Art-Epitheton, E, beginnend mit einem Kleinbuchstaben) besteht. Beispiel: Apis mellifera, die Honigbiene.
 
Binominale Nomenklatur
Eine binominale, also aus zwei Namen bestehende Nomenklatur (= 'Namensverzeichnis') wird in der Biosystematik für die Benennung der Pflanzen und Tiere verwendet. Eingeführt wurde sie bereits durch Carl von Linné in seinen Werken Species Plantarum (ab 1753) und Systema Naturae (ab 1758). Die Regeln für die Zoologische Nomenklatur wurden Ende des 19. Jahrhunderts in einer internationalen Konvention vereinheitlicht, den "Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur" (englisch: "International Code of Zoological Nomenclature", kurz: "ICZN"). Diese wurden in den ersten Jahrzehnten durch international besetzte Kongresse entschieden, seit den 1970er Jahren aber von der International Commission on Zoological Nomenclature (Abkürzung ebenfalls: "ICZN"), einem demokratisch nicht legitimierten Gremium.
 
biotisch
'belebt': Biotische Umweltfaktoren sind die Einflüsse, die andere Lebewesen auf eine Art ausüben und somit die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Arten eines Ökosystems; Gegenteil: abiotisch (A).
 
Biotop
'Lebensort': Lebensraum einer Lebensgemeinschaft (Biozönose). Die abiotischen (A) Umweltfaktoren eines Biotops bestimmen die Überlebensfähigkeit (das autökologische Optimum, A) einer Pflanzen- oder Tierart.
 
Biozönose
'Lebensgemeinschaft': Gemeinschaft verschiedener Tier- und Pflanzenarten, die ähnliche Umweltbedingungen (dasselbe Biotop bzw. Habitat) benötigen und einseitig oder gegenseitig voneinander abhängen – vor allem ernährungsbiologisch (vom altgriechischen bios = 'Leben' und koinos = 'gemeinsam'). Manche Biologen verwenden die Bezeichnung Zönose (Z). Die Wechselbeziehungen der Lebewesen untereinander und mit den abiotischen Umweltfaktoren werden in der Biozönologie bzw. Biozönotik untersucht.
 
bivoltin
Bivoltine Bienen bringen in einem Jahr eine zweite Generation hervor. Gegenteil: univoltin (U). Siehe auch Voltinismus (V).
 
boreo-alpin (auch: boreoalpin)
in nördlichen oder alpinen Regionen vorkommend (boreas = 'Nordwind')
 
boreo-montan (auch: boreomontan)
im nördlichen Nadelwaldgürtel vorkommend mit verinselten Restvorkommen in Gebirgen und in Mooren des Norddeutschen Tieflandes
 
Blütenstetigkeit, Adjektiv: blütenstet(ig)
Ausschließlicher Besuch der Blüten einer Trachpflanzenart während eines Sammelfluges oder mehrerer für die Verproviantierung einer Nestzelle oder eines Nestkomplexes nötiger Sammelflüge. Eine grundsätzliche Fixierung auf eine Pflanzenart oder -gattung (Oligolektie) ist damit nicht gemeint!
 
brachypter
mit stark reduzierten Flügeln, kurzflügelig
 
Braunfäule
Holzfäule durch den Befall durch Braunfäulepilze, vor allem Eichenwirrling (Daedalea quercina), Balkenblättling (Gloeophyllum trabeum), Tannenblättling (G. abientinum), Zaunblättling (G. sepiarium) und Wilder Hausschwamm (Serpula himantioides). Sie bauen vor allem die Cellulose im Holz ab, so daß das braune Lignin übrigbleibt. Braunfäule ist an der (teils sibrig schimmernden) Braunfärbung des weichen Holzes und seiner durch Trocknung verursachten Auflösung in kurze oder lange Quader ("Würfelbruch") erkennbar, zwischen den Fingern läßt es sich zu Pulver zerreiben. Bienen, die ihre Nistgänge in Totholz selbst graben, bevorzugen von Weißfäule (W) befallenes Holz.
 
Brutparasitismus
Häufige, für Kuckucke kennzeichnende Form des Parasitismus, bei der eine Art die Brutfürsorge oder -pflege einer anderen Art (der "Wirtsart") für sich ausnutzt. Man unterscheidet Futterparasitismus (die Nutzung eingetragener Nahrungsvorräte) und Raubparasitismus (das Befallen der Wirtslarve).
 
C
Callus, Plural: Calli
'Schwiele': Verdickung, Höcker, seitliche Ausbuchtung am Thorax (T), genauer: am Pronotum (P). (In der Medizin bezeichnet man als Callus den verstärkten Knochenwuchs um eine Bruchstelle herum oder eine Hautschwiele am Fuß.)
 
Calypter
Flügelschuppe: bei Fliegen ein Läppchen am hinteren (bzw. inneren) Rand der Vorderflügel zwischen der hinteren Flügelbasis und der Alula.
 
Caput
'Kopf'; von caput bzw. capitalis abgeleitet sind z. B. Kapitale, Kapitalverbrechen und Kapitell. (Kopfzeichnung: Antenne Kopfzeichnung)
 
Cardo
"Angelstück" im oberen Teil des Rüssels (Proboscis) bzw. Unterkiefers (Maxille): Der "Cardo" bildet die schalenförmige Gelenkverbindung mit der Kopfkapsel. Auf ihm sitzt der "Stamm" (Stipes) (S), der sich in die Galeae (G) fortzsetzt.
 
Cercus, Plural: Cerci
Altgriechisch: 'Schwanz': Die Cerci sind paarige Hinterleibanhänge am letzten Tergit (T, Hinterleibsegment), nicht am Telson (T) bzw. Pygidium (P). Lange, gut sichtbatre Cerci haben z. B. Ohrwürmer und Eintagsfliegen.
 
Chorologie
Arealkunde, ein Teilgebiet der Zoogeographie, das sich mit der Verbreitung und dem Vergleich der Areale (= Verbreitungsgebiete) der verschiedenen Taxa (T) befaßt und die Zusammenhänge zwischen der Evolution und der Ausbreitung der Taxa in zeitlicher und räumlicher Hinsicht untersucht.
 
Clypeus
Kopfschild oberhalb der Oberlippe (Labrum) und unterhalb des Stirnschildchens eines Insektenkopfes (Kopfzeichnung: Antenne Kopfzeichnung)
 
COI-Gen
Das COI-Gen (Cytochrome c Oxidase 1) wird für die für die Gen-Identifikation in sogenannten Sequenzierrobotern benutzt. Es ist in allen Tierarten vorhanden, unterscheidet sich aber von Art zu Art. Mit 650 Basen-Bausteinen ist es sehr kurz und kann deshalb leicht und schnell entziffert werden.
 
Collare
'Halsband': die gelbe Binde auf dem vorderen Rückenteil des Thorax (T) = Brustsegments.
 
conspezifisch
'eine Art bildend': Wenn eine Pflanzen- oder Tierform conspezifisch mit einer anderen ist, stellen beide ein und dieselbe Art dar.
 
Corbicula, Plural: Corbiculae
'Körbchen': ein Fleck auf der Tibia (Schiene) eines Hinterbeins, der von einem Kranz langer Haare bzw. Borsten umgeben ist. Diese Haarstruktur ermöglicht das Aufnehmen und Transportieren eines kompakten Pollenpakets, das durch Belecken und Vermischung mit Nektar entsteht, während der Sammelflüge nicht verlorengeht und sich anschließend leichter auslösen läßt als die gleiche Pollenmenge aus einer Haarbürste. Corbicula ist auch der Gattungtsname für die Körbchenmuschel-Arten.
 
Costalzelle
eine extrem schmale und lange Zelle am vorderen Flügelrand vom Flügelansatz bis zum Pterostigma ('Flügelmal', P) und zwischen der (äußeren) Costalader und der (inneren) Subcostalader. Diese beiden langen parallelen Adern verstärken den Flügelrand, da hier beim Fliegen die größten Kräfte einwirken. (Flügelzeichnung Flügelzeichnung)
 
Coxa
Hüfte, erstes von fünf Gliedern des Insektenbeines (Beinzeichnung Beinzeichnung)
 
Cubitalzellen 1–3
drei von Adern begrenzte kleine Bereiche bzw. Zellen eines Flügels hinter dem Pterostigma ('Flügelmal', P) und der Radialzelle (R). Die Cubitalzellen werden auch (und im angelsächsischen Sprachraum immer) als Submarginalzellen (bzw. submarginal cells) bezeichnet. (Flügelzeichnung Flügelzeichnung)
 
Cuticula
die Körperdecke (der "Panzer") der Gliederfüßer (Arthropoda) (eine Abscheidung der Epidermis)
 
D
Demökologie
(demos = 'Volk' + Ökologie) ein veraltetes Synonym für 'Populationsökologie' (P), die sich mit den Wechselwirkungen einer Population mit anderen Populationen derselben oder einer anderen Art sowie mit ihrer Umwelt befaßt.
 
Detritivoren
Detritusfresser, also Organismen, die sich von zerkleinerter organischer Substanz (= Detritus) ernähren. Da diese in der Regel von toten Resten anderer Arten stammt, sind Detritivoren in der Regel Saprophagen bzw. Saprobionten (S).
 
Diapause
Latenzperiode bzw. Entwicklungsruhe mit herabgesetztem Stoffwechsel, vor allem während der Metamorphose. Die Diapause kann auch als endogen (von innen, nämlich genetisch und hormonell) gesteuerte Dormanz bezeichnet werden. Einer obligatorischen Diapause sind unabhängig von Umweltbedingungen alle Individuen einer Art unterworfen; eine fakultative Diapause hingegen betrifft nur Populationen, die ungünstigen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind. In Mitteleuropa ist die Diapause eine Winterpause. Insekten diapausieren als Ei, als Larve, als Puppe oder als fertiges Insekt (Imago), Bienen überwintern als inaktive Larve bzw. "Ruhelarve" (Praepupa), Puppe oder (Imago). Die Imaginal-Diapause hat den Vorteil, daß das Insekt bereits die ersten warmen Frühlingstage als Imago zur Fortplanzung nutzen kann. Die möglichen auslösenden Faktoren einer Diapause sind:
  • eine spürbare Änderung der Tageszeitlänge (Photoperiode);
  • niedrige Temperaturen (etwa in Mitteleuropa);
  • Verknappung der Nahrungsressourcen;
  • anhaltende Trockenheit;
  • mehrere dieser Faktoren kombiniert.
 
Diözie, Adjektiv: diözisch
'Zweihäusigkeit', Getrenntgeschlechtigkeit: weibliche Blüten auf weiblichen Individuen, männliche Blüten auf männlichen Pflanzenindividuen. Gegenteil: Monözie (M).
 
diplodiploid
Die meisten Tierarten sind diploid, denn sie besitzen in ihren Zellen einen doppelten Chromosomensatz. Wenn das für beide Geschlechter zutrifft, ist die Art diplodiploid. Gegensatz: haploid (H).
 
diploid
In den Zellen ist in der Regel jedes Chromosom doppelt = diploid vorhanden, nämlich jeweils eines von der Mutter und eines vom Vater. Außer den Gameten (Geschlechtszellen), die immer hapoid sind, haben die Zellen der meisten Tiere (auch des Menschen) einen diploiden Chromosomensatz. Gegensatz: haploid (H).
 
distal
von der Mittellinie des Körpers 'entfernt'; Gegenteil: proximal (P).
 
DNA
englische Abkürzung für deoxyribonucleic acid, deutsch: Desoxyribonukleinsäure (DNS). Die DNA bzw. DNS ist ein Biomolekül, das in Form einer Doppelhelix organisiert ist und als Träger der Erbinformation (also der Gene) über die Herstellung der Ribonukleinsäuren (RNA, deutsch auch RNS) den Bau der Proteine (Eiweiße) steuert, die Struktur und Funktionen der Zellen und somit die Entwicklung eines Lebewesens bestimmen.
 
DNA-Barcoding
eine taxonomische Methode zur Artenbestimmung anhand der DNA-Sequenz eines Markergens. Ein Markergen (auch: Marker) ist ein eindeutig identifizierbarer kurzer DNA-Abschnitt, dessen Ort im Genom (Erbgut) bekannt ist. Die Abfolge der Nukleinbasen-Paare (Bestandteile der Nukleotide bzw. DNA-Bausteine) ist charakteristisch für eine bestimmte Art – so wie der Strichcode auf Verpackungen eine bestimmte Ware kennzeichnet.
 
Dormanz
'Schlaf, Ruhe': Entwicklungsruhe des gesamten Organismus oder nur der Gonaden (Keimdrüsen). Die auch endogen (von innen, nämlich genetisch und hormonell) gesteuerte Dormanz wird auch als Diapause (siehe oben) bezeichnet. Eine exogen (von außen) gesteuerte Dormanz wird als Quieszenz (Q) bezeichnet; diese wird etwa durch ungünstige Temperaturen oder allzu kurze Tageslängen sofort ausgelöst und durch den Wegfall der ungünstigen Bedingungen sofort wieder aufgehoben.
 
dorsal
Zum Rücken gehörig, rückenseitig; Gegenteil: ventral (V) bzw. abdominal (A).
 
Dufour-Drüse
Drüse im hinteren Abdomen (A) einer Biene, die ein für den Bau der Brutzellen wichtiges Sekret absondert; benannt nach Dufour, der die Existenz dieser Drüse schon 1835 annahm.
 
Dunkle Honigbiene (Apis mellifera mellifera)
Die Dunkle Europäische Biene ist die Nominatform der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) (H). Weitere Bezeichnungen für diese ursprünglich in Mitteleuropa natürlich vorkommende Honigbiene sind: "Nordbiene, Dunkle Biene, Schwarze Biene, Nigra, Landbiene, Heidebiene, Nordrasse, Braune Deutsche Biene". Sie ist groß, breit mit auffällig rundem Hinterleib, schmalen Filzbinden und langen Überhaaren. Einige Eigenschaften, mit denen sich die Naturform von den domestizierten Honigbienenrassen unterscheidet, sind ihre Winterhärte und größere Verteidigungsbereitschaft gegenüber Eindringlingen, ihr starker Pollensammeltrieb und ihre Flugstärke. Zugunsten von Hochzuchtrassen aus dem Süden und Osten Europas wurde die wilde Honigbiene Mitteleuropas fast vollständig ausgerottet.
 
E
Ektoparasit
'Außenparasit': Parasit, der an bzw. auf seinem Wirt lebt. Ektoparasiten dringen nur mit ihren der Nahrungsaufnahme dienenden Organen in ihren Wirt ein und ernähren sich von Hautteilen, Blut oder Gewebsflüssigkeit; Beispiele sind Läuse, Stechmücken oder Zecken. Gegenteil: Endoparasit.
 
Endemit, Adjektiv: endemisch
Einheimische Tier- oder Pflanzenart, die nur in einem definierten Gebiet vorkommt.
 
endogäisch
'unterirdisch': endogäisch nistende Arten legen ihre Nester in der Erde an, etwa in selbstgegrabenen Gängen oder in Mäuseburgen; Gegenteil: hypergäisch (H)
 
Endoparasit, auch: Entoparasit
'Innenparasit': Parasit, der im Inneren seines Wirtes lebt; Beispiele sind Bandwürmer oder Dasselfliegenmaden. Gegenteil: Ektoparasit.
 
Endosymbiose
Eine Symbiose (S), bei der eine Art in einer anderen lebt, z. B. eine Algenzelle der Art Nephroselmis in dem Geißeltierchen (Flagellanten) Hatena, das die Alge verschluckt und ihren Photosensor zur Photosythese nutzt. Während der Freßaparat des Flagellanten verkümmert, wächst die Alge auf ihre zehnfache Größe und verändert ihre Zellstruktur.
 
Entomologie
Die Wissenschaft von den Gliedertieren (Articulata), bes. den Insekten bzw. Kerbtieren. Ein anderes Wort, das aber nur auf Insekten verweist, ist "Insektologie"; (Die erste Hälfte dieses Wortes ist lateinisch, die zweite altgriechisch). Ein Insektenkundler ist ein "Entomologe" oder auch "Insektologe".
 
entomophil, Substantiv: Entomophilie
'insektenliebend' bzw. insektenblütig: Enthomophile Blütenpflanzen werden von Insekten bestäubt, nicht vom Wind (Anemophilie, A) oder z. B. von Vögeln oder Fledermäusen (Zoophilie, Z).
 
Epinotum
alternative Bezeichnung für das Propodeum (P). Dieser hintere Teil des Mesosoma (M) ist mit dem Thorax (genauer: mit dem Metanotum, also dem "Hinterschildchen") verwachsen, gehört entwicklungsgeschichtlich aber zum Abdomen (A).
 
Epitheton
'Zusatz, Beiwort': der mit einem Kleinbuchstaben beginnende zweite Teil eines Tier- oder Pflanzennamens (= Binomen); der erste, mit einem Großbuchstaben beginnende Teil bezeichnet die Gattung. Beispiel: Apis mellifera, die Honigbiene.
 
Ethologie
'Verhaltenskunde', 'Verhaltensbiologie', aus der "vergleichenden Verhaltensforschung" hervorgegangenes Studiengebiet der Biologie.
 
euryök, auch: eurytop; Substantiv: Euryökie
'breit, weit' bezüglich der 'Umwelt' bzw. des 'Ortes': hinsichtlich eines oder mehrerer Umweltfaktoren unspezialisiert, Umwelt-tolerant bzw. Umwelt-Generalist. Gegenteil: stenök bzw. Stenökie (S).
 
eusozial
'auf breiter Basis sozial', 'hochorganisiert', also in weiten Bereichen 'gesellig' im neutralen bzw. wertfreien Sinne. Wichtige Merkmale sind die Arbeitsteilung und zwei Generationen in einem Volk. Honigbienen gelten als hoch eusoziale, Hummeln als primitiv eusoziale Wildbienen.
 
eutroph bzw. Eutrophie
'nährstoffreich', Trophiestufe (T) 3: Manche Pflanzen gedeihen nur oder vorzugsweise auf eutrophen Böden, andere nur auf oligotrophen, also nährstoffarmen.
 
Evolution
'Entwicklung', die stammesgeschichtliche Weiterentwicklung von Tier- und Pflanzenarten. Evolution erfolgt durch Mutation und Selektion.
 
F
Facettenauge
Das Komplexauge vieler Insekten, das bei Bienen aus 5000–6000 Einzelaugen (Ommatidien) (O) besteht.
 
Familie
Gruppe mehrere miteinander verwandte Gattungen, Begriff der Taxonomie direkt über der Gattung. Es gibt auch Familien, die nur durch eine Gattung vertreten sind.
 
Fauna
'Tierwelt', 'Tierreich' (H: lat.).
 
Faunistik
Als Teilgebiet der Zoologie die Lehre vom Vorkommen und der Verbreitung von Tierarten in einem größeren Gebiet
 
Femur, Plural: Femora
Schenkel, drittes von fünf Gliedern des Insektenbeines (Beinzeichnung Beinzeichnung)
 
Filament
Staubfaden des Staubgefäßes bzw. Stamens (S) einer Blüte; das Filament trägt die Staubbeutel bzw. Antheren (A), und in diesen befindet sich der Pollen (P).
 
Flagellum
Geißel eines Insektenfühlers (Antenne) (A). Das Flagellum sitzt auf dem Pedicellus und dieses auf dem Scapus (Schaft). Es besteht aus mehreren Gliedern, die nur als ganzes beweglich sind.
 
Flocculus
Haarlocke am Schenkelring (Trochanter) (T), dem zweiten von fünf Gliedern des Bienenbeines
 
Fovea facialis, Plural: Foveae facialis
rundliche oder längliche flache samtartig behaarte Grube jeweils innen neben dem Facettenauge einer Sandbiene (Gattung Andrena)
 
Frons
Stirn des Insektenkopfes, Bereich oberhalb des Stirnschildchens
 
G
Galea
paariger, also doppelt vorhandener Teil des Rüssels auf beiden Seiten der Zunge und der Unterlippentaster (Labialpalpi). Die Galea sitzt auf dem paarigen Stipes (S).
 
Gameten
Geschlechtszellen, Keimzellen; Gegenteil: Körperzellen.
 
Gaster
'Magen'; bei Insekten ein Synonym für Metasoma (M): bei den Taillenwespen (Apocrita), also auch Bienen und Wespen, der bauchige Hinterleib nach der Taille, also vom zweiten Teil des Abdomens (A) bis zu seinem Ende. (Der erste Teil ist vor der Einschnürung mit dem Thorax (T) verwachsen.)
 
Gattung bzw. Genus, Plural: Genera
Begriff und Rang (Hierarche-Stufe) der Taxonomie (T) direkt über der Art (A). Eine Gattung ist meist durch mehrere miteinander verwandter Arten vertreten; wenn sie nur eine Art enthält, bezeichnet man sie als monotypisch (M).
    Zwischen Gattung und Art lassen sich bei Bedarf weitere Hierarche-Stufen einfügen: Untergattung (U), Sektion (und zusätzlich: Untersektion) und Serie (zusätzlich: Unterserie).
 
Geißel bzw. Flagellum
Der dritte, mehrgliedrige Teil der Geißelantenne (A) moderner Insekten.
 
Genae, Singular: Gena
'Wangen': der schmale Streifen hinter den Komplexaugen.
 
Generalist
(Pflanzen- oder) Tierart, die sich nicht auf bestimmte Klimate, Nahrung, Nahrungs- und/oder Fortpflanzungshabitate spezialisiert hat, sondern ein mehr oder weniger breites Nahrungs- und Habitatspektrum nutzen kann. Gegenteil: Spezialist.
 
Generation
in der Biologie (bzw. Genealogie) die gleichzeitig lebenden Angehörigen einer Art oder Population, die zu Lebewesen derselben Art durch Abstammung verbunden sind. Da die meisten Bienen nur wenige Wochen leben, ist die aktuelle Generation die diesjährige, die Elterngeneration die vorjährige und Tochtergeneration die dies kommenden Jahres; diese Arten sind univoltin. Manche Bienen sind allerdings bivoltin, sie produzieren im Spätsommer eine zweite Generation.
    Die Bezeichnung Generation wird häufig falsch für die 'Bruten', also die gleichzeitig produzierten Arbeiterinnen sozialer Bienenarten (z. B. Hummeln) verwendet. Alle Nachkommen einer Königin gehören jedoch zur selben Generation.
 
Genus, Plural: Genera
'Geschlecht', in der Biologie bzw. Taxonomie: 'Gattung'; siehe Gattung (oben).
 
Glossa
Zunge der Bienen, zentraler unpaariger Teil des Rüssels bzw. seiner Unterlippe (Labium).
 
Gonostylus, Plural: Gonostyli
Die beiden Gonostyli bilden die Enden des männlichen Kopulationsapparates; sie sind die beiden spitzen Stiele an den Enden der äußeren pinzettenförmigen "Klammer" (der Gomocoxiten) der Kopulationsorgane. (Dazwischen befinden sich die Valven.)
 
Greening
'Begrünung': Umwelt- und Naturschutz-Komponente der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der Europäischen Union und seit 2015 Voraussetzung für den Erhalt von Direktzahlungen. Das Greening umfaßt drei Bausteine: 1. Anbaudiversifizierung (Vielfalt der Fruchtfolgen), 2. Erhalt von Dauergrünland, 3. Vorhaltung von mindestens 5 % ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) durch Betriebe ab 15 ha Ackerfläche.
 
gregär
'gemeinschaftlich, herdenhaft': gregäres Verhalten bezeichnet die Versammlung von Organismen einer Art in einer Aggregation (A), also an einer Nahrungsquelle oder Niststätte. Der Gregarismus bezeichnet den Grad der Aggregation.
 
H
Habitat
der Lebensraum (Biotop) einer Art
 
Habitus
die äußere Erscheinung eines Organismus, also die Gesamtheit aller ihrer wesentlichen und typischen sichtbaren Merkmale einschließlich ihrer Relationen und Proportionen. Der meist auf einen Blick erfaßbare Habitus ermöglicht oft eine Bestimmung der Familien-, Gattungs- oder sogar Artzugehörigkeit ohne detaillierten Bestimmungsschlüssel.
 
halophil
'salzliebend'
 
Hämolymphe bzw. Haemolymphe
die Blut- bzw. Körperflüssigkeit in der Leibeshöhle der Gliederfüßer (Arthropoda). In flüssiger Haemolymphe, dem sogenannten Plasma, befinden sich die Hämocyten ('Blutkörperchen'). Das Plasma der (Arthropoda) entspricht dem Blutplasma der Wirbeltiere zusammen mit deren Lymphe.
 
Hamuli
Häkchen an den Flügelrändern, die Vorder- und Hinterflügel im Flug miteinander verbinden.
 
haploid
Eine haploide Zelle besitzt im Gegensatz zur diploiden von jedem Chromosom nur ein Exemplar anstatt zwei. Ein normalerweise doppelter Chromosomensatz wird in der Meiose bei der Bildung der Gameten (Geschlechtszellen) auf einen einfachen Chromosomensatz reduziert. Gegensatz: diploid (D).
 
haplodiploid
Die Bienen gehören zu den 20% terrestrischer Organismen mit dem genetischen System der Haplodiploidie: Die Männchen sind haploid, sie entstehen aus unbefruchteten Eiern und besitzen nur einen einfachen Chromosomensatz; die Weibchen sind hingegen diploid, sie entwickeln sich aus befruchteten Eiern und besitzen (wie der Mensch) einen doppelten Chromosomensatz. Da schädliche Mutationen durch die haploiden Männchen nicht weitergegeben werden, sind Bienen genetisch stabiler als diplodiploide Arten und weniger von Inzuchtdepression betroffen, was kleine Populationen und die Kolonisierung neuer Standorte durch einzelne Weibchen ermöglicht. Umgekehrt bedeutet eine geringere Variabilität auch eine geringere genetische Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen. Gegensatz: diplodiploid (D).
 
hemimetabol, Substantiv: Hemimetabolie
'(mit) halbe(r) Verwandlung' bzw. (mit) unvollständige(r) Entwicklung, Metamorphose (M) ohne Puppenstadium; hemimetabole Insekten sind z. B. die Heuschrecken und Libellen, deren Vollinsekten (Imagines, I) direkt aus den Larven schlüpfen.
 
herbivor, siehe auch phytophag (Ph)
'krautessend': herbivore Tiere (bzw. Herbivoren oder Phytophagen) sind Pflanzenfresser. (Von ihnen ernähren sich die Fleischfresser bzw. Beutegreifer = Predatoren). Unter den Hautflüglern sind die Bienen zwar Vegetarier, aber als Pollen-, Nektar- und Öl-Konsumenten nicht im wörtlichen Sinne herbivor; man bezeichnet sie daher aher als phytophag. Wespen sind hingenen karnivor bzw. zoophag.
 
Hermaphroditismus
Zwittrigkeit, Zwittertum, das (regelhafte) Vorkommen doppeltgeschlechtlicher Individuen in einer Tier- oder Pflanzenart: Jeder Artgenosse hat beide Geschlechter und bildet sowohl männliche als auch weibliche Keimzellen. Im Pflanzenreich ist Hermaphroditismus weit verbreitet, bei den Samenpflanzen unterscheidet man zwei Typen: Einhäusige (monözische, M) Pflanzen haben auf einer Pflanze männliche wie auch weibliche Blüten; "echt zwittrige" Pflanzen hingegen haben nur eine Art von Blüten, in denen sich gleichzeitig männliche und weibliche Geschlechtsorgane befinden.
Hinweis: Die Bezeichnung ist abgeleitet von Hermaphroditos, einer Figur der griechischen Mythologie, und verbindet Hermes, den Schutzgott des Verkehrs, der Kaufleute und der Hirten, mit Aphrodite, der Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde.
 
Holarktis
das eurasische und nordamerikanische Faunengebiet zusammengefaßt
 
holometabol, Substantiv: Holometabolie
'(mit) vollständige(r) Verwandlung bzw. Metamorphose' (M) von der Larve bis zum Vollinsekt (Imago, I) einschließlich des Puppenstadiums
 
Holotypus siehe Typus
Exemplar, das der Erstbeschreibung einer biologischen Art oder eines übergeordneten Taxons zugrundelag; auch: Typusexemplar oder kurz Typus.
 
Homologie
In der Biologie bzw. Taxonomie und vergleichenden Anatomie bezeichnet die Homologie die grundsätzliche Übereinstimmung von Körperteilen, physiologischen Prozessen oder Verhaltensweisen zweier Taxa (z. B. Arten) aufgrund gemeinsamer Abstammung. Ein bekanntes Beispiel ist die Struktur der Hand, die sich außer beim Menschen auch bei Hunden, Rindern, Walen und Fledermäusen etc. findet.
 
Honig
Der Rohstoff für Honig ist entweder Nektar (N) oder "Honigtau". Nektar wird aus Nektarien (N) abgesondert, die sich meist in Blüten befinden, aber auch auf Blättern oder an Blattstielen sitzen können; "Honigtau" ist ein Ausscheidungsprodukt von Blattläusen. Honig entsteht, indem Honigbienen ihn mit körpereigenen Stoffen (Enzymen) anreichern und seinen Wassergehalt teilweise (bis auf ca. 18%) verdunsten lassen. Honig besteht aus Fruchtzucker und Traubenzucker, Wasser, weiteren Zuckerarten sowie sehr geringen Mengen von Pollen, Mineralstoffen, Proteinen, Enzymen, Aminosäuren, Vitaminen, Farb- und Aromastoffen; er ist sehr lange haltbar, weil der hohe Zuckergehalt und bestimmte Wirkstoffe das Wachstum von Hefen und Bakterien hemmen.
 
Honigbiene
Die "Honigbiene" erreicht von allen sozialen Bienenarten die größten Volksstärken; unter den über 500 in Deutschland vorkommenden Bienenarten ist sie die einzige, die aus Nektar Honig produziert. Um an diesen zu gelangen, hält der Mensch sie seit Hunderten (in manchen Kulturen Tausenden) von Jahren auch als Nutztier. Die Nominatform ist in Europa die sog. Dunkle Honigbiene (Apis mellifera mellifera)). Die Domestikation bzw. (zielgerichtete) Zucht nutzt süd- und südosteuropäische Unterarten und hat in jüngster Zeit zu Hochzuchtrassen geführt, die in unnatürlich großen Völkern mehr Honig produzieren als die Wildform, aber ohne Pflege durch den Imker kaum noch überlebensfähig sind. Die in Deutschland häufigsten Zuchtrassen sind die "Italienerbiene" (Apis mellifera ligustica), die "Kärntner Biene" bzw. "Krainerbiene" (Apis mellifera carnica) und die "Buckfastbiene", eine Kreuzung aus der Italienerbiene und der einst in Großbritannien heimischen Dunklen Honigbiene.
 
Honigtau
zuckerhaltige und ballaststoffreiche Ausscheidung von Schild- und Rindenläusen auf Douglasien, Fichten, Kiefern und Tannen. Honigbienen verarbeiten Honigtau zu Waldhonig (W), eine hell- bis dunkelbraune Honigsorte, die aufgrund ihres kräftigen Geschmacks geschätzt wird – oft in Unkenntnis ihrer Entstehung.
 
Humerus
das Schulterstück des Brustabschnitts (Thorax)
 
humid, Substantiv: Humidität
Lat. umidus = 'feucht, naß': Humides Klima herrscht, wenn der jährliche Niederschlag größer ist als die Verdunstung. Gegenteil: arid (A).
 
Hybride bzw. Bastard
'Mischling', Ergebnis der Kreuzung zweier Arten, weiteres unter Bastard (B).
 
hydrophil, Substantiv: Hydrophilie
'wasserliebend': Der botanische Begriff der Hydrophilie beschreibt die geschlechtliche Vermehrung solcher Blütenpflanzen, deren Pollen durch Wasser transportiert werden. Erfolgt die Bestäubung unterhalb der Wasseroberfläche, spricht die Botanik von Hyphydrophilie, die Bestäubung an oder über der Wasseroberfläche nennent sie Ephydrophilie.
 
hygrophil, Substantiv: Hygrophilie
'feuchtigkeitliebend', die Vorliebe mancher Pflanzen und Tiere für feuchte Biotope, etwa Sümpfe oder Flußufer. Hygrophilie ist nicht mit Hydrophilie (siehe oben) zu verwechseln.
 
hypergäisch
'oberirdisch': hypergäisch nistende Arten legen ihre Nester über der Erdoberfläche an, etwa unter Moospolstern, in Baum- oder Mauerlöchern etc.; Gegenteil: endogäisch (E)
 
Hypermetamophose
mehrfache Metamorphose, also eine Metamophose (M), bei der sich die morphologischen Merkmale eines Tieres im Verlauf seiner Individualentwicklung mehrfach deutlich ändern. Ein Beispiel sind die Triungulinen und weiteren Stadien der Ölkäfer; diese parasitieren Bienen.
 
Hyperparasitoid
sekundärer Parasitoid (PA), also ein Parasitoid, der einen anderen Parasitoid befällt.
 
hypertroph bzw. Hypertrophie
'extrem nährstoffreich', auch: polytroph, Trophiestufe (T) 4: extreme Form der Eutrophie. Hypertrophe Gewässer weisen einen so hohen Nährstoff- bzw. Phosphorgehalt auf, daß der Sauerstoff im Sommer in den bodennahen Schichten weitgehend aufgebraucht wird.
 
I
ICZN
International Commission of Zoological Nomenclature; diese Organisation bestimmt den internationalen Code für Zoologische Nomenklatur.
 
Imago, die; Plural: Imagines
'Vollinsekt', also das fertigentwickelte, meist aus einer Puppe (P) geschlüpfte Insekt. Die Larvenphase (Larvalphase) vieler Insekten dauert sehr viel länger als ihre jeweilige Imaginalphase, die ausschließlich der Fortpflanzung dient.
 
Inquiline
'Insasse, Mitbewohner'; Larve eines Parasitoiden, die nach dem Schlüpfen das Wirtsei bzw. die Wirtslarve tötet (teilweise auch frißt) und sich dann vom Proviant in der Brutzelle ernährt.
 
Incertae sedis
'von unsicherer Stellung' eines Taxons (T) innerhalb der biologischen Systematik; abgekürzt: inc. sed.
 
indigen
'eingeboren, einheimisch': autochton (A), also ohne menschlichen Einfluß in einem Gebiet dauerhaft vorkommend; indigene bzw. autochton Arten sind also das Gegenteil von Archäobiota (A), Neobiota (N) und gezüchteten bzw. Kulturarten.
 
Intersegmentalhaut
weicher Chitinstreifen (Cuticula) zwischen den Segmenten bzw. Tergiten des Chitinpanzers. Durch Intersegmentalhäute gewinnt ein Gliedertierpanzer die nötige Beweglichkeit.
 
interspezifisch
'zwischenartlich': Interspezifische Konkurrenz ist der Wettbewerb um Ressourcen zwischen (Individuen mehrerer) Arten.
 
intraspezifisch
'innerartlich': Intraspezifische Konkurrenz ist der Wettbewerb um Ressourcen zwischen Individuen derselben Art; indem sie deren Fortpflanzungserfolg steuert, fördert sie die optimale Anpassung der Art an die Umwelt, also ihre Evolution.
 
invasiv
'eindringend': Invasive Organismen sind gebietsfremde Arten (engl. alien species), die – durch oder auch ohne menschlichen Einfluß – eine Ausbreitungsbarriere zwischen ihrem bisherigen Areal und einem für sie neuen Gebiet überwunden haben und sich dort ausbreiten. Als invasiv gelten vor allem die Neobiota (Neomyceten, Neophyten, Neozoen), also Arten, die seit der Entdeckung Amerikas in für sie neue Lebensräume verschleppt wurden und werden.
    Problematisch sind Invasoren, weil sie heimische Arten verdrängen können. Möglich ist dies durch mehr Nachwuchs, also eine größere Population und somit stärkere Konkurrenz um dieselben Ressourcen, durch bessere Anpassung an den Lebensraum (eine breitere ökologische Nische, N bzw. Euryökie, E), durch Prädation (P), wenn die Beute dem Druck mangels Ko-Evolution (K) nicht gewachsen ist, oder durch zusammen mit den Invasoren eingeschleppte Krankheiten. Beispiele für populationsgefährdende Krankheiten sind die Krebspest, die mit amerikanischen Flußkrebsarten eingeschleppt wurde und den Europäischen Edelkrebs vernichtet, oder die Varroamilbe, die mit der "Östlichen" bzw. "Asiatischen Honigbiene" (Apis cerana) eingeschleppt wurde und nicht nur domestizierte Honigbienen-Völker gefährdet (die selbst Invasoren sind), sondern auch die Wiederansiedlung der heimischen Dunklen Honigbiene (Apis m. mellifera).
 
Isolat
'Isoliertes'; isoliertes, von der Verbreitung der Hauptpopulation getrenntes Vorkommen einer Art.
 
Isotherme
'Gleiche Wärme'; Linie gleicher Temperatur in der Landschaft. Eine 10-Grad-Isotherme z. B. ist also eine Grenzlinie, an der im Jahresdurchschnitt 10° Celsius erreicht werden. Die Klimaerwärmung führt zur Verschiebung der Isothermen (und damit von Habitaten vieler Spezies) nach Norden.
 
J
juvenil
'jugendlich', noch nicht geschlchtsreif; Gegenteil: adult (A). Das Juvenilhormon ist das Larvalhormon von Insekten.
 
K
karnivor, carnivor
'fleischfressend': karnivore Tiere (bzw. Karnivoren oder Zoophagen) sind Fleischfresser (Predatoren) oder Aasfresser. Unter den Hautflüglern sind die Wespen karnivor bzw. zoophag, Bienen aber herbivor (H) bzw. phytophag (Ph).
 
kaudal
von lateinisch cauda = 'Schwanz': 'zum Schwanz hin', bei Tieren also hinten. Weitere anatomische Lage- und Richtungsbezeichnungen (Nach außerhalb) sind vor allem cranial, dorsal (D) und ventral (V), distal (D) und proximal (P), medial (M) und lateral (L).
 
Kladistik
Methode der biologischen Systematik, die Lebewesen nach der zeitlichen Reihenfolge ihrer Entstehung klassifiziert und daher auch "phylogenetische Systematik" genannt wird. Sie wurde von dem Zoologen Willi Hennig in den 1950er Jahren entwickelt und 1966 in seinem Lehrbuch Phylogenetic Systematics beschrieben, ohne die Bezeichnung Kladistik zu verwenden, die vom altgriechischen klados für 'Ast, Zweig' abgeleitet ist.
    Die Kladistik interessiert sich nicht für äußere Änlichkeiten zwischen Arten, sondern für ihre Evolution. Sie arbeitet mit "Kladogrammen", also Diagrammen, die den Stammbaum des Lebens darstellen. (Eine Darstellung dieses Tree of Life ist die einzige Illustration in Darwins On the Origin of Species by Natural Selection von 1859.) Die Knoten des Baums stellen Taxa (T) bzw. Vorfahren dar und verzweigen sich in jeweils zwei Äste, die jeweils ein neues (abgeleitetes) Merkmal aufweisen.
 
Kladus
Begriff der Kladistik (siehe oben): Ein Kladus wird meist definiert als
  • entweder der letzte gemeinsame Vorfahre zweier Arten und aller weiteren seiner Nachkommen
  • oder alle Nachkommen des ältestens Vorfahren zweier Arten, der auch der Vorfahr einer dritten, früher abgespaltenen Art ist.
 
Klassifikation
'Zuordnung zu einer Klasse': Einordnen von Lebewesen in Gruppen (Arten, Gattungen, Familien etc.) aufgrund ihrer Verwandschaftsbeziehungen; Taxonomie (T).
 
Kleptoparasiten
'Diebesparasiten': Futterparasiten (P) bzw. Kuckucke, die vom Nestproviant ihrerer Wirtsarten leben.
 
Klotzbeute, auch: Klotzstülper
Honigbienen-Beute (vom Menschen hergestellte Behausung) in einem ausgehöhlten Baumstamm. Klotzbeuten sind die ältesten menschengemachten und transportablen Bienenwohnungen und typisch für den Übergang von der Zeidlerei (Z) zur Imkerei.
 
Ko-Evolution, Koevolution, Coevolution, Co-Evolution
'Mit- bzw. gleichzeitige Entwicklung': Entwicklung durch wechselseitige Anpassungen zweier interagierender Arten während ihrer Stammesgeschichte. Der gegenseitige Selektionsdruck führt zu Ko-Adaptationen (gegenseitigen Anpassungen), etwa beim Sehvermögen und der Reaktionsschnelligkeit und Laufgeschwindigkeit von Gepard und Antilope.
 
Kolonie
Im Deutschen bezeichnet dieses Wort in der Regel eine durch günstige Nistbedingungen hervorgerufene Ansammlung (AggregationA) von Nestern solitärer Bienen im Boden oder in pflanzlichem Material; bei sozialen Bienen (vor allem Hummeln) aber wird es manchmal auch synonym zu 'Staat' bzw. 'Volk' verwendet – vielleicht als Lehnübersetzung des englischen Wortes colony, das eine Nestgemeinschaft adulter Weibchen meint.
 
Kommensale bzw. Kommensalismus
'Tischgenosse, Mitesser' bzw. 'Mitessen': Kommensalismus ist 'Nahrungsnutznießertum', also das Teilhaben an der Nahrung einer anderen Art, ohne daß diese darunter leidet; ein Kommensale ist eine Tierart, die einseitig von der Nahrung einer anderen Art profitiert.
 
kommunal
'gemeinsam': Die Weibchen kommunaler Bienen leben in einem gemeinsamen Nest, bauen aber jeweils eigene Brutzellen (meist in eigenen Bezirken). Es gib keine Arbeiterinnen.
 
Komplexauge
Das Facettenauge vieler Insekten, das bei Bienen aus 5000–6000 Einzelaugen (Ommatidien) (O) besteht.
 
kongenerisch, auch: congenerisch; Substantiv: Kongenerität, auch: Congenerität
Pflanzen- oder Tierarten sind kongenerisch, wenn sie zur selben biologischen Gattung (Genus) gehören, also Gattungsgenossen sind.
 
konspezifisch, auch: conspezifisch; Substantiv: Konspezifität, auch: Conspezifität
'mitartlich': Individuen bzw. Populationen einer Pflanzen- oder Tierart sind konspezifisch, wenn sie zur selben biologischen Art (Spezies) gehören, also Artgenossen sind.
 
Konvergenz
'Gegenseitige Annäherung': Bei verschiedenen Arten die getrennte Entwicklung gleicher Eigenschaften in Anpassung an gleiche Umweltfaktoren. Beispiel: Viele Beuteltiere ähneln den "Höheren" Säugetieren aus ähnlichen Biotopen in ihren Formen und Fähigkeiten, ohne mit ihnen verwandt zu sein.
 
Körbchen
bei den Weibchen nestbauender Bienen ein von Haaren umgebener Raum zum Ansammeln und Transport von Pollen. Körbchen gibt es auf der Außenseite der Hinterschienen (Tibiae) von Hummeln und Honigbienen (Bombus, Apis mellifera), auf der Innenseite der Hinterschenkel (Femur) bei vielen Colletinae, Andrenidae und Halictinae und an den Seiten des Mittelsegments (des Propodeums zwischen Thorax und Abdomen) bei Andrena, Colletes und Dufourea.
 
Kuckuck
Gemeint ist nicht speziell der (zumindest dem Namen nach bekannte) Vogel, sondern ganz allgemein ein Brut- oder Sozialparasit, also eine Insektenart (vor allem Bienenart), die sich wie der erwähnte Vogel nicht selbst um den eigenen Nachwuchs kümmert, sondern eine andere (Bienen-)Art für die Aufzucht ihrer Nachkommen instrumentalisiert. Kuckucke profitieren also vom Nestbau und der Brutfürsorge anderer Arten: Ein Brutparasit legt seine Eier heimlich in die Brutzellen anderer Bienenarten, seine Larve saugt das Wirtsei aus oder tötet die schon geschlüpfte Wirtslarve und verzehrt anschließend ihren Proviant; ist es ein Parasitoid P), tötet er die Wirtslarve erst am Ende. Ein Sozialparasit ist harmloser, er läßt seine Brut von den Arbeiterinnen einer anderen Bienenart aufziehen und schädigt diese nur indirekt.
 
L
Labialpalpi
Unterlippentaster
 
Labium
Unterlippe eines Insektenkopfes
 
Labrum
Oberlippe eines Insektenkopfes
 
Larvalphase
In der Entwicklung eines Insekts die Phase zwischen Ei und Puppe. Die Larvenphase vieler Insekten dauert sehr viel länger als ihre jeweilige Imaginalphase, die ausschließlich der Fortpflanzung dient.
 
Lectotypus siehe Typus
Oberbegriff für den Hololectotypus (erst nach der Erstveröffentlichung festgelegter Holotypus einer Art) und Paralectotypen (weitere Exemplare einer Typusserie).
 
Lehm
Durch Eisenverbindungen gelblich bis bräunlich gefärbter kalkarmer Ton
 
lithophil
'steinliebend'; die Weibchen einer lithophilen Bienenart leben bevorzugt auf steinigem Gelände und bauen sogenannte Freinester an Gestein (zum Vergleich: Lithographie = 'Steindruck').
 
Lumper
'Klumper'; das englische Wort bezeichnet einen Taxonomen (T), der in der Klassifikation der Lebewesen tendentiell die Ähnlichkeiten zwischen Arten (A) betont und sie derselben Gattung (G) zuordnet. (A lumper tends to emphasise the similarities between species and to group them together in the same genus.) Gegenteil: Splitter (S).
 
M
macropter
groß- bzw. langflügelig.
 
Mandibeln
Oberkiefer eines Insektenkopfes
 
matrifilial
'aus Mutter und Tochter'; ein matrifilialer Bienenstaat besteht aus der Mutter- und Tochtergeneration, also aus Königin(nen) und Arbeiterinnen.
 
Maxillen
Unterkiefer eines Insektenkopfes
 
Medialzelle
großer Bereich des Vorderflügels hinter der Subcostalader vom Flügelansatz bis zum Pterostigma ('Flügelmal', P). (Flügelzeichnung Flügelzeichnung)
 
Meiose
Reduktionsteilung, Reifeteilung; Teilung der diploiden Zellen der Keimdrüsen zur Erzeugung haploider Geschlechtszellen: Bei der Befruchtung verschmelzen die Kerne zweier Geschlechtszellen, was wiederum einen doppelten Chromosomensatz in den Körperzellen des Nachwuchses ergibt. Spätestens bei der erneuten Bildung von Geschlechtszellen eines geschlechtsreifen Individuums muß dieser Chromosomenbestand durch die Meiose wieder halbiert werden.
    (Die Meiose dient auch der ungesteuerten Neuverteilung von Chromosomen, da eine Art nur durch viele verschiedene Kombinationen mütterlicher und väterlicher Chromosomen variable genug wird, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.)
 
Melissopalynologie
Die Untersuchung von Honig und den darin enthaltenen Pollen (siehe Palynologie P), im weiteren Sinne auch die Untersuchung der Herkunft der Pollen: Durch die Bestimmung der Pollen in einer Honigprobe erfährt man die Pflanzen, die die eine Biene besucht hat, und indirekt auch ihr Sammelgebiet.
 
Mesocoxa, Mesotrochanter, Mesofemur, Mesotibia bzw. Mesotarsus
Coxa, Trochanter, Femur, Tibia bzw. Tarsus des Mittelbeins.
 
Mesolektie, mesolektisch
Mesolektische Wildbienenarten sammeln Pollen an Blütenpflanzen aus nur wenigen Pflanzenfamilien. Der von einigen Autoren verwendete Begriff der Mesolektie ist eine Zwischenform der Sammelpräferenz zwischen Monolektie bzw. Oligolektie (extreme Spezialisierung) und Polylektie (fehlende Spezialisierung) und als solche noch unschärfer als die beiden Extreme.
 
Mesonotum
auch: Scutum; die große, zentrale Hauptplatte, der "Buckel" des Thorax. Vor dem Scutum bzw. Mesonotum (kopfnah) befindet sich das schmale Pronotum (P), hinter dem Scutum (Richtung Hinterleib) erst das Scutellum (Schildchen) und dann das schmalere Metanotum bzw. (mit alternativem Terminus) Postscutellum (Hinterschildchen). (Thorax-Zeichnung Thorax-Zeichnung)
 
mesophil
Mesophile Lebewesen kommen vorzugsweise in mittelfeuchten Klimaten bzw. Biotopen vor.
 
Mesopleuron, Plural: Mesopleuren
Teil des Insekten- bzw. Bienen-Thorax, große Seitenplatte(n) unterhalb des Mesonotum (= Scutum) bzw. der Tegula(e).
 
Mesosoma
das große mittlere Körperteil zwischen Kopf und Hinterleib (Metasoma). Bei Bienen genauer: Der Thorax (Brustkorb, T) ohne das Propodeum (P), da dieses bei den Taillenwespen (Apocrita) – also den Hautflüglern (Hymenoptera) ohne Pflanzenwespen (Symphyta) – bereits zum Abdomen gehört (Thorax-Zeichnung Thorax-Zeichnung).
 
Mesothorax
das mittlere Segment des Thorax zwischen dem Prothorax und dem Metathorax. (Thorax-Zeichnung Thorax-Zeichnung)
 
mesotroph bzw. Mesotrophie
'mittelmäßig nährstoffreich', Trophiestufe (T) 2 zwischen oligotroph bzw. Oligotrophie und eutroph bzw. Eutrophie.
 
Metacoxa, Metatrochanter, Metafemur, Metatibia bzw. Metatarsus
Coxa, Trochanter, Femur, Tibia bzw. Tarsus des Hinterbeins.
 
Metamorphose
'Verformung' bzw. 'Formänderung': Verwandlung einer Larve in das Geschlechtstier bzw. fertige Insekt, das auch Imago (I) genannt wird. Es gibt zwei Metamorphose-Typen: Bienen, Wespen, Fliegen, Käfer und Schmetterlinge etc. sind holometabole (H) Insekten, d. h. sie machen eine vollständige Metamorphose einschließlich einer Verpuppung durch; hemimetabole (H) Insekten wie etwa die Heuschrecken oder Libellen haben kein Puppenstadium.
    Der Begriff Metamorphose wird umgangssprachlich auch im übertragenen Sinne (als Metapher) als Synonym für 'Verwandlung' verwendet.
 
Metanotum
alternative Bezeichnung für das Postscutellum (P), also das 'Hinterschildchen' (das dritte und letzte kleine Rückenschild auf dem Thorax) nach dem Mesonotum.
 
Metapleuron, Plural: Metapleuren
Teil des Thorax, kleine Seitenplatte(n) weit unterhalb des Scutellum und hinter dem Mesopleuron.
 
Metasoma
der frei bewegliche Hauptteil des Adomens (A), also das, was landläufig als der "Hinterleib" eines Hautflüglers bezeichnet wird; der kleinere, vordere Teil des Abdomens, das Propodeum (P), ist mit dem Thorax verwachsen. Die sog. Wespentaille ist folglich eine Einschnürung innerhalb des Abdomens und trennt das (große) Metasoma vom (kleinen) Propodeum.
 
Metatarsus
auch Basitarsus (B): das erste von insgesamt fünf Gliedern (also das "Fersenglied") des Insektenfußes (Tarsus, T). Im Vergleich mit den übrigen vier Gliedern ist das Fersenglied auffällig länger und breiter. (Beinzeichnung Beinzeichnung)
 
Metathorax
das letzte Segment des Thorax nach dem Prothorax und dem Mesothorax.
 
Mimese
Imitation unauffälliger Einzelheiten der Umgebung, um verborgen zu bleiben. Beispiel: die Nachahmung von Rinde oder Blättern bei manchen Insektenarten.
 
Mimikry
'Signalimitation': Nachahmung eines anderen Lebewesens oder eines Teils davon, um aufzufallen und so einen Vorteil zu erlangen. Beispiel: Die auffällige schwarz-gelbe Streifung einer Schwebfliege ahmt eine Wespe nach und schützt sie so vor Freßfeinden. Die Nachahmung des Verhaltens eines anderes Tieres bezeichnet man als Verhaltensmimikry. Siehe auch: Mimese.
 
Mittelfeld
Oberhalb des senkrechten Stutzes (St) ist das Mittelfeld Teil des Mittelsegments bzw. Propodeums (s. u.) am Ende des Thorax (eigentlich am Anfang des Abdomens).
 
Mittelsegment = Propodeum (P)
der hinterste Teil des Thorax, der diesen mit dem Abdomen verbindet und entwicklungsgeschichtlich zum Abdomen gehört.
 
Monoandrie, auch: Monandrie
'mit nur einem Männchen': Das (zeitweilige oder dauerhafte) Zusammenleben mehrerer Weibchen mit nur einem Männchen; Gegenteil: Monogynie ('nur ein Weibchen').
 
monogam, Substantiv: Monogamie
Das (zeitweilige oder dauerhafte) Zusammenleben je eines Indviduums beider Geschlechter, in der Regel zum Zwecke gemeinsamer Brutpflege. Man unterscheidet Monogynie ('nur ein Weibchen') und Monoandrie ('nur ein Männchen'). Gegenteil: Polygamie (P).
 
monogyn
'mit nur einem Weibchen': Staatenbildende Insekten (etwa Hummeln oder Honigbienen) sind monogyn, wenn nur ein Weibchen, nämlich die Königin, im Nest ist. Gegenteil: oligogyn (O)
 
Monolektie, monolektisch
Monolektische Wildbienenarten sammeln Pollen ausschließlich an einer Pflanzenart, von deren Vorkommen sie völlig abhängig sind. Die Sammelspezialisierung der Monolektie ist eine Extremform der Oligolektie; Gegenteil: Mesolektie und Polylektie.
 
monophag, Substantiv: Monophagie
'eines essend': nur von einer Pflanzen- oder Tierart bzw. -gattung lebend. Monophagie kommt vor allem bei Pflanzenfressern sowie parasitischen und parasitoiden Insekten vor. Man kann drei Stufen bzw. Grade unterscheiden:
  1. Ernährung von nur einer Art
  2. Ernährung von einigen Arten einer Gattung
  3. Ernährung von allen Arten einer Gattung
Ein ähnlicher Begriff ist die Oligophagie (O), das Gegenteil ist die Polyphagie (P).
 
monophyletisch
'einstämmig': Alle Untergruppen eines monophyletischen Taxons (T) haben eine gemeinsame Stammform.
 
monotypisch
'alleintypisch': Eine monotypische Hierarchiestufe der Taxonomie enthält nur einen Typus, also z. B. eine Familie nur eine Gattung oder eine Gattung nur eine Art.
 
Monözie, Adjektiv: monözisch
'Einhäusigkeit': die gleichzeitige Existenz weiblicher und männlicher Blüten auf demselben Pflanzenindividuum. Gegenteil: Diözie (D).
 
montan
'bergig': Die monatane Höhenstufe ist die sog. Bergwaldstufe (300–1600 m).
 
Morphologie
Formbildung
 
Myiasis
"Fliegenkankheit": Befall der Haut mit Fliegenlarven, wie er bei Hauskaninchen gelegentlich zu beobachten ist.
 
N
Nearktis
das nordamerikanische Faunengebiet
 
Nebengesicht
Gesichtsteile zwischen dem Clypeus (C) & Stirnschildchen in der Mitte und den beiden Komplexaugen außen
 
Nektar
ein Drüsensekret, das aus den Nektarien (in den Blüten oder an den Blattstielen) vieler Pflanzen ausgeschieden wird und neben Wasser verschiedene Zucker (Saccharose, Glucose und Fructose etc.) sowie Mineralstoffe und Duftstoffe enthält. Nektar hat meist die Funktion, Tiere (Insekten, Vögel, Fledermäuse) anzulocken und mit einem Energieträger fürs Fliegen zu belohnen. Die Tiere transportieren im Gegenzug den Pollen dieser Pflanzen zu Blüten derselben Art. Aus Nektar (und auch aus Honigtau, dem Ausscheidungsprodukt etwa von Blattläusen) erzeugen Honigbienen Honig (H), indem sie durch körpereigene Enzyme den Saccharose-Anteil weiter in die Grundbausteine Glucose und Fructose aufspalten und den Wasseranteil verringern.
 
Nektarium, Plural: Nektarien
ein Drüsengewebe, aus dem Pflanzen Nektar absondern. Je nach Position unterscheidet man zwei Typen: Florale Nektarien befinden sich innerhalb einer Blüte und dienen in der Regel der Anlockung blütenbestäubender Tiere; extraflorale Nektarien sind außerhalb von Blüten, etwa an Blattstielen oder auf Blättern, zu finden und haben mit der Bestäubung in der Regel nichts zu tun. Hinsichtlich ihrer Fortpflanzungsfunktion unterscheidet man nuptiale Nektarien, die der Anlockung und Bestäubung dienen, von extranuptialen Nektarien (ohne diese Funktion).
 
Nektarlose Pflanzen
Pflanzen, die zwar Pollen, aber keinen Nektar produzieren. Dies trifft zwar auch auf die drei in Mitteleuropa bekannten Ölblumen (O) zu, meist sind aber nur Pflanzen gemeint, die weder Öldrüsen (Elaiophoren) noch Nektarien besitzen, um Bestäuber anzulocken. Bekannt sind dem Autor Birke, Buche, Eibe, Eiche, Erle, Esche, Hainbuche, Hasel, Holunder, Kiefer, Pappel, Rose, Fichte/Tanne, Ulme, Wacholder, Brennnessel, Buschwindröschen, Dornige Hauhechel, Hahnenfuß, Hopfen, Johanniskraut, Mohn, Sonnenröschen, Waldrebe, Wegerich.
 
Nektarraub, Nektardiebstahl
eine von der Pflanze nicht "beabsichtigte" Strategie des Nektarsammelns kurzrüsseliger Bienen (und daher natürlich nicht im juristischen oder moralischen Sinne zu verstehen). Langkronige Blüten bieten ihren Nektar eigentlich nur langrüsseligen Bienen an; Bienen mit kurzem Rüssel können dort den Nektar nicht erreichen, kennen aber oft eine Abkürzung: Wenn sie kräftig genug sind, beißen sie die Blüten von außen über den Nektarien auf und eröffnen damit auch späteren Besuchern die Möglichkeit, direkt an den Nektar zu gelangen, also ohne mit den Antheren (A) bzw. dem Pollen in Kontakt zu kommen.
 
Neobiota, Singular: Neobiont
'neue Lebewesen': Oberbegriff zu den Neozoen ('neue Tierarten', Singular: Neozoon), Neophyten ('neue Pflanzenarten', Singular: Neophyt) und Neomyceten ('neue Pilzarten', Singular: Neomycet) – also jenen invasiven Arten von Lebewesen, die seit der Entdeckung Amerikas (1492) eingeführt oder versehentlich eingeschleppt sind.
 
Neotenie
Eintritt der Geschlechtsreife im Larvenzustand ohne Metamorphose; neotene Arten unter den Schwanzlurchen sind die Olme (Proteidae).
 
Neotypus siehe Typus
Holotpyus in dem Fall, daß ursprünglich gar kein Holotpyus festgelegt wurde oder der ursprüngliche Holotpyus verlorenging.
 
Neozoon, Plural: Neozoen
Etablierte Neozoen sind Tierarten, die nach dem Jahre 1492, also der Wiederentdeckung Amerikas durch Christoph Columbus, unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein bestimmtes Gebiet gelangt sind, in das sie durch ihr eigenes Ausbreitungspotential in rezenter Zeit nicht hätten gelangen können und wo sie seit langem, d. h. seit mehr als 25 Jahren oder mindestens 3 Generationen leben. (Pflanzliche Neubürger sind Neophyten, neue Pilzarten sind Neomyceten, der Oberbegriff zu den drei Gruppen ist Neobiota.)
 
Nische bzw. ökologische Nische
Gesamtheit der biotischen (B) und abiotischen (A) Umweltfaktoren, die das Überleben einer Art beeinflussen. In Anlehnung an die Ökonomie wird die ökologische Nische auch als der "Beruf" bzw. die "Planstelle" einer Art bezeichnet. Nicht gemeint ist also ein bestimmter geographischer Ort (und erst recht kein kleiner Ort), sondern die Eigenschaft einer Tier- oder Pflanzenart, sich unter bestimmten Umweltfaktoren erfolgreich fortzupflanzen. Nutzen zwei oder mehrere Arten dieselben Umweltfaktoren, spricht man von "Nischenüberlappung". Das ist z. B. der Fall, wenn mehrere Insektenarten den Pollen derselben Pflanzenart sammeln.
    Anmerkung: Laien verstehen und verwenden den Begriff der "ökologischen Nische" oft falsch. Auf einer Imker-Webseite z. B. ist zu lesen: "Honigbienen und solitär lebende Wildbienen haben ganz unterschiedliche Ernährungsstrategien. Biologisch gesprochen heißt das, dass soziale Bienen und solitär lebende Bienen unterschiedliche ökologische Nischen besetzen." Das trifft zwar in einigen speziellen Fällen zu, ist aber überwiegend falsch: Ein Pollenkorn, das von einer Honigbiene gesammelt wurde, kann von einer (polylektischen oder oligolektischen) Solitärbiene oder sozialen Biene nicht ein zweites Mal gesammelt werden.
 
nitrophil
'stickstoffliebend': Nitrophile Pflanzen bevorzugen nitrat- bzw. stickstoffreiche Biotope.
 
Nominatrasse bzw. Nominatunterart
Die Unterart einer Tier- oder Pflanzenart, die als erste, d. h. vor weiteren Unterarten, beschrieben wurde. Im wissenschaftlichen Namen einer Nominatunterart sind das zweite und dritte Wort identisch. Die Bezeichnung "Nominatrasse" ist strenggenommen falsch, da eine "Rasse" keine Unterart, sondern das Ergebnis einer künstlichen (menschlichen) Zucht ist.
 
Nosema, Nosemose
Die Nosemose (auch Nosemosis, Nosematose oder Nosema) ist die durch den einzelligen Erreger Nosema sp. verursachte ansteckend Erkrankung bzw. Darmseuche der Honigbiene. Deren westliche Unterart (Apis mellifera) wurde bislang von dem westlichen Parasiten (Nosema apis Zander, 1909) heimgesucht und die östliche Honigbiene (Apis ceranae) vom östlichen (Nosema ceranae Fries et al., 1996). Seit 2005 wird die westliche Honigbiene auch von Nosema ceranae befallen, der offenbar virulenter als die westliche Variante ist und ganzjährig zu massivem Sterben vor allem solcher Völker führt, die durch andere Faktoren bereits geschwächt sind. Die Bienen infizieren sich durch die Aufnahme der Nosema-Sporen.
 
Notum, Plural: Nota
Das Notum (von altgriechisch noton = 'Rücken') ist der vordere, sklerotisierte (verhärtete) Teil des Tergum. Die Nota der drei Segmente des Thorax (T) heißen von vorn nach hinten: Pronotum ('Vorderbrust'), Mesonotum ('Mittelbrust') und Metanotum ('Hinterbrust').
 
O
Ocelle, Plural: Ocellen (bzw. Ocellus, Plural: Ocelli)
Ocellen sind die Punktaugen eines Insekts: kleine einfach gebaute Augen, die sich deutlich von den auffällig großen Facetten- bzw. Komplexaugen unterscheiden. (Bienenkörper-Zeichnung Zeichnung)
 
Ökologie
'Umweltlehre', die Lehre von den Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und ihrer belebten und unbelebten Umwelt; ein Fachmann für Umweltlehre ist ein "Ökologe".
 
ökologische Amplitude
In der Physik und Technik wird eine Amplitude definiert als die maximale Abweichung einer Schwingung bzw. Welle von einem arithmetischen Mittelwert. Der (manchmal verwendete) Begriff der ökologischen Amplitude bezeichnet ein Ausmaß, in dem eine Pflanzen- oder Tiertart entsprechend ihrer ökologischen Potenz (s. u.) unter dem Einfluß eines bestimmten Umweltfaktors (Temperatur, Feuchte, Lichtintensität etc.) existieren kann.
 
ökologische Nische
siehe Nische (N).
 
ökologische Potenz, ökologische Toleranz
die Fähigkeit einer Art, unter dem Einfluß eines bestimmten Umweltfaktors (Temperatur, Feuchte, Lichtintensität etc.) zu existieren. Die ökologische Potenz wird kaum jemals ausgeschöpft, da konkurrierende Arten das synökologische Optimum (S) begrenzen – sie ist also nicht identisch mit der ökologischen Nische (N).
 
Ökosystem
System aus einer Biozönose (B), also interagierenden Individuen mehrerer Pflanzen- und Tierarten, und den abiotischen (A) Umweltfaktoren eines Biotops (B).
 
Ökosystemdienstleistung, auch: Ökosystemleistung
Dieser etwas sperrige Terminus ist kein ökologischer Fachbegriff, er bezeichnet vielmehr den Nutzen bzw. die Vorteile ökologischer Systeme (der Natur) für den Menschen. Die englische (bzw. internationale) Bezeichnung, ecosystem service (ESS), wird definiert als 'the benefits people obtain from ecosystems' bzw. 'the conditions and processes through which natural ecosystems, and the species that make them up, sustain and fulfil human life'. Ein Beispiel einer Ökosystemdienstleistung ist das Bestäuben von (Nahrungs-) Pflanzen durch Insekten, also Fliegen, Käfer, Schmetterlinge, Wespen und Wildbienen. Nicht gemeint (wiewohl so manchmal mißverstanden) sind Hilfen bzw. Leistungen des Menschen für das Ökosystem.
 
Ökoton
'Saumbiotop' bzw. 'Randbiotop', z. B. Waldrand
 
Ölblume
Pflanze, deren Blüten aus speziellen Geweben (sog. Elaiophoren) fette Öle statt Nektar absondern. In Mitteleuropa zählen zu den Ölblumen nur drei Gilbweiderich-Arten (Familie Primulaceae): Lysimachia vulgaris, deren Öl von der Schenkelbiene Macropis europaea gesammelt wird, und Lysimachia punctata sowie Lysimachia nummularia ("Pfennig-Gilbweiderich"), deren Öl Macropis fulvipes sammelt.
 
oligogyn
Staatenbildende Insekten sind oligogyn, wenn nur wenige Weibchen, nämlich Königinnen, im Nest ist. Gegenteil: monogyn (M).
    Etymologischer Hinweis: Der Begriff geht zurück auf die altgriechischen Wörter oligoi = 'wenige' und gyné = 'Frau'; das erste Wort ist aus Oligarchie ('Herrschaft der wenigen') bekannt und der zweite aus Gynäkologie ('Frauenheilkunde').
 
Oligolektie, oligolektisch
'Auswahl weniger, Sammelspezialisierung auf wenige (Pflanzen)': Oligolektische Bienenarten sammeln Pollen ausschließlich an Blütenpflanzen einer Pflanzenfamililie, im Extremfall einer Pflanzenart (auch: Monolektie, M) (Buchstabe S: Symbiose Symbiose). Da sie nicht auf andere Futterpflanzen ausweichen können, sterben sie ohne ihre Trachtpflanze(n) lokal selbst dann aus, wenn ideale Nistplätze vorhanden sind. In Deutschland sind 30 % der nestsuchenden Wildbienen oligolektisch. Zwei Gegenteile: Mesolektie bzw. mesolektisch (M) (selten) und Polylektie bzw. polylektisch (P).
 
oligophag, Substantiv: Oligophagie
'wenig(e) essend': nur von wenigen Pflanzen- oder Tierarten bzw. -gattungen lebend. Der Begriff der Oligophagie ist etwas unscharf: Er kann sich auf die Nutzung einiger Pflanzen- oder Tierarten einer Gattung beziehen (was der Monophagie 2. Grades entspricht), aber auch auf Arten mehrerer Gattungen. Gegenteil: polyphag bzw. Polyphagie (P).
 
oligotroph bzw. Oligotrophie
'nährstoffarm' bzw. humusarm, Trophiestufe (T) 1: Manche Pflanzen gedeihen nur oder vorzugsweise auf oligotrophen Böden, andere nur auf eutrophen, also nährstoffreichen.
 
Ommatidium, Plural: Ommatidien
Einzelauge ("Facette") eines Komplex- bzw. Facettenauges eines Insekts
 
omnivor, siehe auch pantophag (P)
'allesfressend': omnivore Tiere (bzw. Omnivoren oder Pantohagen) sind Allesfresser, zu denen neben Ratten und Schweinen auch der Mensch zählt.
 
Oophagie
'Eierfraß': Vernichtung der Eier konkurrierender Weibchen etwa bei Keulhornbienen (Ceratina) und vor allem bei Hummeln (Bombus), wenn eine Königin ihre letzten Eier gelegt hat und die ehemaligen Arbeiterinnen versuchen, möglichst viele Eier ihrer Konkurentinnen zu verzehren und selbst möglichst viel männliche Nachkommen in die Welt zu setzen.
 
Orientalis
das südostasiatische Faunengebiet, das den indischen Subkontinent, Südostasien und Südchina umfaßt.
 
Ovarium, Plural: Ovarien
das Ovar ist der Eierstock weiblicher Tiere bzw. des Menschen.
 
Ovipositor
'Eiableger' bzw. Legebohrer, aus dem sich bei den Stechimmen (Aculeata: Bienen und Wespen) der Wehrstachel entwickelt hat.
 
P
Paedogenese
Fortpflanzung in einem Jugendstadium
 
Paläarktis, Palaearktis
das eurasische Faunengebiet einschließlich Afrika nördlich der Sahara
 
Palynologie
Die 'Lehre vom ausgestreuten (Blüten-)Staub'; da Blütenstaub vor allem aus Pollen besteht, im engeren Sinne 'Pollenanalyse'.
 
pantophag, siehe auch omnivor (O)
'allesfressend': pantophage Tiere (bzw. Pantophagen oder Omnivoren) sind Allesfresser, zu denen neben Ratten und Schweinen auch der Mensch zählt.
 
paraphyletisch
'gleichstämmig': Ein paraphyletisches Taxon (T) hat – wie ein monophyletisches (M) Taxon – eine gemeinsame Stammform, umfaßt aber nicht alle Abkömmlinge der Stammform.
 
Parapatrie, Adjektiv: parapatrisch
'Neben-Vaterland': Vorkommen von Arten oder Unterarten in Verbreitungsgebieten, die aneinandergrenzen; vereinzelter Genaustausch ist also möglich, aber so selten, daß reproduktive Isolation schließlich zur Artbildung führt. Gegenteile: Allopatrie (A) und Sympatrie (S).
 
Parasit bzw. Parasitismus
'Schmarotzer' bzw. 'Schmarotzertum': ein Parasit lebt als Ektoparasit auf bzw. an seinem Wirt (= 'Opfer') oder als Endoparasit (auch: Entoparasit) in seinem Wirt und schädigt diesen, um sich zu ernähren oder/und fortzupflanzen. Für Entomologen besonders interessant sind die Kuckucke (z. B. Kuckucksbienen), die vom Nachwuchs ihrer Wirtsart(en) oder deren Nahrungsvorräten leben oder ihre Nachkommen von einer Wirtsart großziehen lassen:
  • Ein Brutparasit (auch: Futterparasit oder Kleptoparasit) legt seine Eier heimlich in die Brutzellen anderer Bienenarten, seine Larve saugt zunächst das Wirtsei aus oder tötet die schon geschlüpfte Wirtslarve und verzehrt anschließend ihren Proviant.
  • Ein Parasitoid (auch: Raubparasit) nutzt zunächst die lebende Wirtslarve, ohne ihre Entwicklung zu verhindern; später aber tötet und frißt er sie. Beispiel: Schlupfwespen.
  • Ein Sozialparasit ist harmloser, er baut keine Nester und läßt seine Brut von anderen Bienen aufziehen und schädigt diese nur indirekt.

Parasitoid
Schmarotzer, der sein Opfer zunächst parasitisch nutzt, schließlich aber doch tötet.
 
Paratypus siehe Typus
In einer Typusserie zum 'Haupttypus' (Holotypus) ein 'Nebentypus', der Variationen von Merkmalen sichtbar macht.
 
Parthenogenese
'Jungfernzeugung': die Entstehung eines Lebewesens aus einem unbefruchteten Ei. Bei den Bienen entstehen in der Regel die Männchen (Drohnen) ungeschlechtlich.
    Etymologischer Hinweis: Der Begriff geht zurück auf die altgriechischen Wörter parthenos = 'Jungfrau' und genesis = 'Geburt, Ursprung'; die 'Jungfrau' ist der Beiname der griechischen Göttin Athena Parthenos und namengebend für ihren Tempel, den berühmten Parthenon.
 
Pedicellus
Der kurze Mittelteil bzw. das Wendeglied eines Insektenfühlers (Antenne, A): Das mehrgliedrige Flagellum (Geißel) sitzt auf dem Pedicellus und dieses auf dem Scapus (Schaft). (Kopfzeichnung: Antenne Kopfzeichnung)
 
Petiolus
'Stiel': das oft lange, dünne und bewegliche erste Segment des Abdomens einer Wespe.
 
Ph
Phänologie
Die Lehre der im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur. Diese werden in einem phänologischen Kalender beschrieben, der sich vor allem an der Entwicklung der Pflanzen (Blüte, Reifung der Früchte etc.) orientiert.
 
Phänotyp(us); Adjektiv: phänotypisch
Erscheinungsbild eines Lebewesens, im Unterschied zu seinem Genotyp(us), also seinen Erbanlagen.
 
Pheromon
nach außen abgegebener Duftstoff, der der innerartlichen (intraspezifischen) Kommunikation dient, vor allem der Geschlechterfindung.
 
Phobotaxis
'ängstliche Ortsveränderung': Angstreaktion und Flucht aus dem Quellbereich eines furchtauslösenden Faktors.
 
Phonotaxis
'tongeleitete Ortsveränderung': an Tönen orientierte Fortbewegung, insbesondere: Hinlaufen zu einem Geschlechtspartner aufgrund des Gesangs.
 
Phoresie
Die Nutzung eines anderen Lebewesens als Transportmittel. Manche Milben z. B. nutzen Bienen nur für einen Ortswechsel, andere hingegen parasitieren sie, indem sie an ihnen saugen oder ihren Pollenvorrat fressen.
 
Phylogenese, Phylogenie
Stammesentwicklung der Lebewesen (Von altgr. phyle = 'Volksstamm' und genesis = 'Schöpfung'). "Die Phylogenese ist in der Ontogenese enthalten" besagt, daß die Entwicklungsstadien eines Fötus (auch des Menschen) die Millionen Jahre lange Entwicklung bis zu dieser Art wiederspiegelt, etwa durch die zeitweilige Entwicklung von Kiemen, die dann wieder zurückgebildet werden.
 
Physogastrie, Adjektiv: physogastrisch
Physogastrie bezeichnet ein Anschwellen des Hinterleibs, wie es insbesondere bei Ameisen, aber auch Erzwespen beobachtet wird. Eine Königin wird physogastrisch, wenn die Ovarien (O) stark wachsen und dadurch den Hinterleib gewaltig anschwellen lassen. Bei Arbeiterinen kann eine große Menge gespeicherten Futters das Anschwellen bewirken. Die Bezeichnung Physogastrie erinnert nicht zufällig an Gastritis und Gastronomie.
 
phytophag, siehe auch herbivor (H)
'pflanzenfressend': Phytophage Tiere ernähren sich von lebender Pflanzensubstanz, Bienen z. B. von Pollen und Nektar, einige Arten auch von Blütenöl.
 
Phytozönose, siehe auch Biozönose (B)
'Pflanzengemeinschaft': die für einen Standort spezifische Kombination von Pflanzenarten mit ähnlichen oder gleichen Ansprüchen an ihren Standort.
 
Pleura & Pleurae (Plural) bzw. Pleure & Pleuren
Die beiden Pleurae bzw. Pleuren an den Körperseiten verbinden jeweils das Tergum (Oberseite) mit dem Sternum (Unterseite) eines Körpersegments und umfassen bei den Thorax-Segmenten auch die Beingelenke. Die Pleuren des mittleren Brustteils (Mesothorax) sind die Mesopleuren, die Pleuren des hinteren Brustteils (Metathorax) sind die Metapleuren.
 
Pocketmaker
'Taschenhersteller': vorwiegend langrüsselige Hummelarten, die zur Aufbewahrung des gesammelten Pollens spezielle Taschen (pockets) um ihre Brutwaben herum anfertigen, aus denen sie dann das Futter für ihre Larven entnehmen. Der Nektar hingegen wird in ausgedienten Brutzellen gespeichert.
 
poikilotherm
'mit veränderlicher Wärme', also wechselwarm (H: altgr.). Amphibien und Reptilien sind poikolotherm, d. h. ihre Körpertemperatur ist von der Umgebungstemperatur abhängig – im Gegensatz zu den warmblütigen Vögeln und Säugern. Synonym: heterotherm; Antonyme: homoiotherm, idiotherm.
 
Pollen
Blütenstaub, eine mehlige Substanz in den Antheren (A); er besteht aus einer riesigen Menge von Pollenkörner, deren unterschiedliche Formen, Größen und Oberflächen die Identifizierung der (von einer Bienenart bevorzugten) Pflanzen ermöglichen. Pollenkörner besitzen nur einen einfachen Chromosomensatz und transportieren die männlichen Sporen (Gametophyten) geschützt zu den weiblichen Blütenorganen (Ovarium = Fruchtknoten, Stylus = Griffel, Stigma = Narbe). Pollen enthält u. a. Proteine, die z. B. Bienen als Larvennahrung dienen.
 
Pollenstorer
'Blütenstaub-Aufbewahrer': vorwiegend kurzrüsselige Hummelarten, die den gesammelten Pollen – ebenso wie den Nektar – in alten Brutzellen speichern, um daraus die Larven in den Brutwaben in unmittelbarer Nähe zu füttern.
 
Polygamie
Geschlechtliche Beziehungen zwischen einem Indviduum des einen und mehreren Individuen des anderen Geschlechts. Man unterscheidet Polygynie ('Vielweiberei') und Polyandrie ('Vielmännerei'). Das Gegenteil ist Monogamie (M).
 
Polygynie
Geschlechtsbeziehungen eines Männchens innerhalb einer Fortpflanzungsperiode mit mehreren Weibchen, wobei sich die Weibchen nur mit diesem einen Männchen paaren. Ein bekanntes Beispiel für Polygynie ist das Haushuhn. Unter Hautflüglern ist Polygynie etwa bei Feldwespen und Furchenbienen zu beobachten, wo ein Volk von mehreren Weibchen ("Königinnen") betreut werden kann. Das Gegenteil von Polygynie ist Polyandrie.
 
Polylektie, polylektisch
'viel sammelnd' bzw. 'viele (Trachtarten) wählend': Polylektische Wildbienenarten sind nicht auf Blütenpflanzen einer Pflanzenfamilie oder -art spezialisiert, sie sammeln an Trachtpflanzen sehr vieler, wenn auch nicht unbedingt aller Familien (Näheres auf der Seite "Ernährung" unter Ernährung -> Pollenquellen "Pollenquellen"). Siehe auch: Mesolektie (M); Gegenteil: Oligolektie (O) bzw. Monolektie (M).
 
polyphag, Substantiv: Polyphagie
'viel essend': von vielen Pflanzen- oder Tierarten bzw. -gattungen lebend. Gegenteil: oligiphag bzw. Oligophagie (O) und monophag bzw. Monophagie (M).
 
polyphyletisch
'vielstämmig': Die Mitglieder eines polyphyletischen Taxons (T) haben keine gemeinsame Stammform.
 
Populationsökologie
(lat. populus = 'Volk' + gr. oikos = 'Haushalt' + gr. logos = 'Lehre') Die Populationsökologie befaßt sich mit den Wechselwirkungen einer Population mit anderen Populationen derselben oder einer anderen Art sowie mit ihrer Umwelt.
 
postorbital
hinter dem Auge liegend
 
Postscutellum
'Hinterschildchen': der dritte und letzte kleine Rückenschild auf dem Thorax nach dem Scutum (= Mesonotum) und Scutellum (Bienenkörper-Zeichnung Zeichnung). Eine alternative Bezeichnung ist Metanotum (M).
 
Prädator, Predator
Beutegreifer bzw. Freßfeind. Das Erbeuten zwecks Nahrungsaufnahme nennt man auch Prädation.
 
Praepupa, Präpupa
'Vorpuppe' bzw. Ruhelarve: Stadium der Diapause (D) bzw. Überwinterung, bevor sich die Larve im Frühjahr bzw. Frühsommer verpuppt und schließlich in die Imago (I) umwandelt.
 
Primärhabitat
ursprünglicher, von Menschen ungestörter Lebensraum einer Art.
 
primitiv-eusozial
auf einfacherem Niveau eusozial (E). Honigbienen gelten als hocheusoziale, Hummeln und einige Furchenbienen als primitiv eusoziale Wildbienen.
 
Proboscis
Rüssel der Insekten, bestehend aus Unterkiefer (Maxille) und Unterlippe (Labium).
 
Procoxa, Protrochanter, Profemur, Protibia bzw. Protarsus
Coxa, Trochanter, Femur, Tibia bzw. Tarsus des Vorderbeinsbeins.
 
Pronotum
schmaler Ring auf dem Thorax vor dem großen Mesonotum (M) (kopfnah).
 
Propodeum = Mittelsegment
der letzte, nicht mehr zum dem Thorax (T) gehörende Teil des Mesosoma (M), bestehend aus Mittelfeld und Stutz (S). Das Propodeum gehört entwicklungsgeschichtlich zum Abdomen (A), ist aber mit dem Thorax (Brustkorb) – genauer: mit dem Metanotum bzw. Postscutellum ('Hinterschildchen') – verwachsen; die "Wespentaille" ist also eine Einschnürung zwischen dem Propodeum und dem großen Rest des Abdomens. Eine alternative Bezeichnung des Propodeums ist Epinotum (E).
 
Prosternum
der Bauchschild des ersten (kopfnahen) Brustsegments
 
Protandrie bzw. Proterandrie
'Vormännlichkeit': das Phänomen, daß Bienen-Männchen nach der Diapause vor den Weibchen erscheinen und auf diese zwecks Begattung warten. Adjektiv: proterandrisch; Gegenteil: Proterogynie.
    Ergänzung: Proterandrie bezeichnet auch das Auftreten des männlichen Geschlechts vor dem weiblichen Geschlecht innerhalb eines Individuums; solche Zwitter (Hermaphroditen, H) sind unter den Landlungenschnecken (Stylommatophora) die Regel, aber auch unter Fisch- und Lurcharten zu finden.
    Etymologischer Hinweis: Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus dem altgriechischen protos = 'erster, frühester' und andros = 'Mann'; das erste Wort ist aus Prototyp ('erster Typ, erstes Vorbild') bekannt und das zweite aus Androide ('menschenähnliche Maschine') oder Anthropologie ('Menschenkunde').
 
Proterogynie bzw. Protogynie
'Vorweiblichkeit': das seltene Phänomen, daß die Weibchen einiger Bienenarten am Ende der Diapause vor den Männchen erscheinen. Unter den in Europa vorkommenden Bienen sind nur die Wollbienen (Anthidium) und Zottelbienen (Panurgus) als proterogyn bekannt. Gegenteil: Proterandrie.
    Ergänzung: Proterogynie bezeichnet auch das Auftreten des weiblichen Geschlechts vor dem männlichen innerhalb eines Individuums.
 
Prothorax
Das erste Segment des Thorax. Es folgen der Mesothorax und der Metathorax.
 
proximal
('an nächster Stelle') zur Körpermitte hin gelegen; Gegenteil: distal (D).
 
psammophil
'sandliebend': angepaßt an sandige Lebensräume (auch in Gewässern).
 
Pseudopupille
'Scheinpupille': Wenn Licht (auch das Blitzlicht einer Kamera) senkrecht auf Einzelaugen (Ommatidien, O) eines Facetten- bzw. Komplexauges (K) trifft, wird es absorbiert, so daß diese Ommatidien schwarz erscheinen. Parallel liegende schwarze Ommatidien erzeugen dann den optischen Eindruck einer Pseudopupille.
 
Pterostigma
Flügelmal: kleine schmale dunkle Zelle am vorderen Flügelrand, bei Bienen am Rand des ersten bzw. Vorderflügels. (Flügelzeichnung Flügelzeichnung)
 
Ptilinum
Stirnblase: Das Ptilinum ist ein umstülpbarer Beutel oberhalb der Antennen-Basis auf dem Kopf von Arten der großen Gruppe der "Deckelschlüpfer" (Cyclorrhapha) innerhalb der Fliegen (Diptera > Brachycera). Durch Einpressen von Hämolymphe kann die Fliegen-Imago den Deckel ihrer Tönnchenpuppe aufsprengen, um zu schlüpfen. Anschließend kollabiert das Ptilinum und verschwindet wieder im Kopf, auf dem eine Naht die Öffnung markiert. Die "Taufliege" Cacoxenus indagator kann mit ihrem Ptilinum auch Zwischenwände und Nestverschlüsse in Nestern der "Rostroten Mauerbiene" (Osmia bicornis) durchdringen.
 
Pulvillus, Plural: Pulvillen
Blasenfuß, Haftkörper, Haftlappen: (paariges) Organ am Krallenglied (am distalen Ende des Tarsus), dessen Röhrenhaare an den Spitzen ein Haftsekret absondern. (Beinzeichnung Beinzeichnung)
 
Puparium
die erhärtete Haut der letzten Larve eines Insekts (falls es mehrere Larven gibt), Puppenhülle.
 
Puppe
Die dritte Phase der Hautflügler-Entwicklung: Ei–Larve/Ruhelarve–Puppe–Imago. Die Puppe zeigt bereits die Umrisse der flugfähigen Biene (Imago).
 
Pygidialplatte
kleine "Analplatte" an der Spitze des Hinterleibs (Abdomen).
 
Pygidium
'Steiß' (altgriech.): der letzte Körperabschnitt eines Insekts oder anderen Gliederfüßers bzw. seines Abdomens (genauer: des Metasomas) und Träger der Pygidialplatte. Es ist kein echtes Abdominalsegment (= Tergit, T), da es im Inneren anders aufgebaut ist als ein Tergit: Es enthält den After (Anus und bei Weibchen den Legebohrer (Ovipositor, O). In neuerer Literatur wird das Pygidium auch als Telson (T) bezeichnet.
 
Q
Quieszenz
'Ruhe': exogen (von außen) gesteuerte Dormanz (D), die etwa durch ungünstige Temperaturen oder allzu kurze Tageslängen unmittelbar ausgelöst und durch den Wegfall der ungünstigen Bedingungen sofort wieder aufgehoben wird. Das Gegenteil, nämlich die auch endogen (von innen, nämlich genetisch und hormonell) gesteuerte Dormanz wird auch als Diapause (D) bezeichnet.
 
R
Radialzelle
Flügelzelle am vorderen Flügelrand zwischen dem Pterostigma ('Flügelmal', P) und der Fügelspitze. Die Radialzelle wird vorn begrenzt vom Flügelrand und hinten von der Radialader. Im englischen Sprachraum ist die Bezeichnung marginal cell üblich. (Flügelzeichnung Flügelzeichnung)
 
Receptaculum seminis, auch: Spermatheca bzw. Spermathek
'Sperma-Behältnis', etwas ungenau auch 'Samenvorratsblase': Das Receptaculum seminis der weiblichen Biene enthält das Sperma des Männchens. Es ist normalerweise geschlossen und wird für die Ablage und gleichzeitige Befruchtung eines Eis geöffnet.
 
Refugialraum (auch: Refugium, Plural: Refugien bzw. lat.: Refugia)
Refugialräume sind 'Rückzugsgebiete' von Arten, die aus ursprünglich größeren Habitaten durch Umweltveränderungen (menschliche, klimatische etc. Einflüsse) verdrängt wurden.
 
remontant, remontierend
Französisch remontant = 'wieder aufsteigend', als botanischer Fachbegriff = 'remontierend', also 'später in der Saison noch einmal blühend'.
 
Ruderalfäche · Ruderalflora
Ruderalflächen sind durch frühere menschliche Nutzung geprägte meist stickstoffreiche Böden (von lat. rudera = 'eingestürztes Gemäuer, Steinschutt'). Die Ruderalflora bezeichnet die für Ruderalflächen typischen Pflanzengesellschaften.
 
Ruhelarve
auch: Vorpuppe (Praepupa, P). Die aus dem Ei geschlüpfte Larve frißt den Proviant ihrer Brutzelle und wächst bis zu einer Größe, in der sie sich verpupppen kann; dann unterbricht sie ihre Entwicklung und überwintert als Ruhelarve. Dieses Stadium kann bis zu 11 Monate dauern, bei Überliegern (U) sogar noch länger.
 
S
sacrophag, Substantiv: Sacrophagie
'fleischfressend': nur von Fleisch lebend. Gegenteil: hytophag bzw. Hytophagie ('pflanzenfressend').
 
safe site
'sichere Stelle': Die safe sites bepelzter Biene sind schmale Regionen besonders zwischen Mesosoma und Metasoma (Thorax und Abdomen), aber auch auf dem Scheitel und Abdomen und unter dem Thorax, die sie beim Putzen nicht erreichen (können) und die folglich Pollen "sicher" zur nächsten Blüte tragen, wo er der geschlechtlichen Vermehrung der Pflanze dient.
 
Saisondimorphismus
'unterschiedliche Gestalt in einer anderen Saison': das Phänomen, daß ein Organismus innerhalb eines Jahres in einer zweiten (oder auch weiteren) Generation und folglich in einer anderen Jahreszeit in Form und/oder Farbe von der der ersten Generation abweicht. Ein Beispiel für Saisondimorphismus ist das Landkärtchen (Araschnia levana), ein Edelflter, dessen unterschiedliche Erscheinungsformen durch die Tageslänge während der Raupenentwicklung gesteuert werden. Unter den Bienen ist bei der Zweifarbigen Sandbiene (Andrena bicolor) ein geringer Saisondimorphismus feststellbar: Die Weibchen der zweiten bzw. Sommergeneration zeigen eine etwas hellere Mesonotum-Behaarung und Scopa als die erste bzw. Frühlingsgeneration.
 
Saprobiont
'Faulstoff-Zersetzer': Saprobionten leben saprophag in sich zersetzender organischer Substanz.
 
saprophag, Substantiv: Saprophagie
'Faulstoff-fressend': saprophage Organismen leben von toter, sich zersetzender organischer Substanz und werden auch als Saprophagen oder Saprobionten (s. o.) bezeichnet.
 
Scapus
Der erste, basale Teil bzw. Schaft eines Insektenfühlers. Er setzt sich über das Pedicellus (P) in die Geißel (Flagellum, F) fort. (Kopfzeichnung: Antenne Kopfzeichnung)
 
Schluff
Feinkörnige Bodenart, bestehend aus Mineralkörnchen von 0,063–0,002 mm Durchmesser
 
Scopa, Plural: Scopae
Transportbürste, also eine Körbchen-ähnliche Haarstruktur, die dem Transport des Pollens dient. Besonders auffällig sind Scopae an den Hinterschienen (Metatibiae), wo der Pollen dicke farbige Polster bilden kann, die auch im Flug gut sichtbar sind. Sandbienen (Andrenae) können Pollen auch in den Haarlocken des Oberschenkels (des Metafemurs) transportieren und sogar in den Haaren des Mesosoma-Endes, nämlich am "Stutz" des Propodeums, das nicht mehr zum Thorax gehört. Die nichtparasitischen Weibchen der Familie Megachilidae (alternativ der Unterfamilie Megachilidae) transportieren den Pollen hingegen in ihrer Bauchbürste, also einer Scopa unter dem Hinterleib (Abdomen). Typische Gattungen sind die Harz- und Wollbienen (Anthidium), Blattschneiderbienen (Megachile) und Mauerbienen (Osmia) mit ihren jeweiligen Untergattungen.
 
Scutellum
'Schildchen': der zweite und kleinere Rückenschild auf dem Thorax nach dem Scutum; es folgt das Postscutellum. (Bienenkörper-Zeichnung Zeichnung)
 
Scutum
auch: Mesonotum; der erste, große Rückenschild auf dem Thorax. Es folgen das Scutellum und das Postscutellum. (Im Lateinischen meinte scutum den lederbezogenen Schild der römischen Soldaten.) (Bienenkörper-Zeichnung Zeichnung)
 
Segetalflora · Segetalfläche
Segetalpflanzen sind Ackerkrautgesellschaften, also jene Ackerwildkräuter, die aus dem Mittelmeerraum und südwestasiatischen Steppen stammen und seit der Jungsteinzeit in Mitteleuropa eingebürgert wurden. Die moderne intensive Landwirtschaft hat die Segetalflora stark zurückgedrängt; Segetalflächen, insbesondere Ackerrandstreifen, lassen sich nur noch durch spezielle Schutzprogramme erhalten.
 
Segment
ein Körperabschnitt der Gliedertiere (Articulata)
 
Sekundärbiotop
'Zweitlebensraum'; von Menschen geschaffener Lebensraum, den manche Tierarten als Ersatz für ihren natürlichen Lebensraum nutzen.
 
semisozial
'halbgesellig', auf niedrigerem Organisationsniveau in Gruppen lebend. Semisoziale Bienen haben ihre Selbständigkeit zwar abgelegt und praktizieren Arbeitsteilung, die eierlegende Königin und ihre arbeitenden Hilfsweibchen derselben Generation erreichen aber nicht das Organisationsniveau von Hummeln und Honigbienen.
 
Sexualdichromatismus
auf Farbunterschiede eingeschränkter Sexualdimorphismus zwischen männlichen und weiblichen Individuen einer Art
 
Sexualdimorphismus
morphologische Unterschiede (Größe, Form, Färbung) zwischen männlichen und weiblichen Individuen einer Art (speziell solche, die nicht die Sexualorgane betreffen)
 
solitär bzw. Solitär...
'einsam', 'einzeln', nicht sozial, also nicht dauerhaft in Paaren oder Gruppen lebend. Während z. B. die Honigbiene und die Hummeln in "Staaten" organisiert sind, leben die meisten Bienen einzeln, also solitär ('solo').
 
sozial
'gesellig', regelmäßig in Gruppen lebend. Dieser Begriff ist in der Ethologie neutral bzw. wertfrei gemeint, nicht wertend politisch. Hummeln und Honigbienen sind soziale Wildbienen, da sie in "Staaten" organisiert sind; aufgrund ihres Organisationsniveaus werden sie auch als eusozial bezeichnet. Die soziale Phase eines Bienenvolkes ist dann erreicht, wenn ein einzelnes Weibchen (die Königin) ihre ersten adulten Arbeiterinnen produziert hat.
 
Spezialist
(Pflanzen- oder) Tierart, deren Vorkommen durch ein enges Nahrungs- und/oder Habitatschema beschränkt ist. Gegenteil: Generalist.
 
Speziation
Artwerdung, Entstehung einer Pflanzen- oder Tierart.
 
Spezies
Pflanzen- oder Tierart, grob definiert: eine Fortpflanzungsgemeinschaft formgleicher Individuen.
 
Splitter
'Spalter, Teiler'; das englische Wort bezeichnet einen Taxonomen (T), der in der Klassifikation der Lebewesen tendentiell die Unterschiede zwischen Arten (A) betont und sie deshalb unterschiedlichen Gattungen (G) zuordnet, was die Anzahl der Gattungen erhöht. (A splitter tends to emphasise the differences between species and to put them into different genera, thus increasing the number of genera.) Gegenteil: Lumper (L).
 
St
Stamen, Plural: Stamina
Staubblatt bzw. Staubgefäß, also das Pollen-erzeugende Organ einer Blüte. Es besteht aus dem Staubfaden (Filament, F) und dem Staubbeutel (Anthere, A), der den Pollen enthält.
 
Steinriegel
Steinwälle, wie sie typischerweise in alten Weinbergen vorkommen: Größere Steine, die bei der Arbeit in Weinhängen zutage traten, wurden entlang der Parzellengrenzen talwärts aufgeschichtet. Die Steine haben einen positiven Effekt auf das Mikroklima: Sie heizen sich tagsüber auf und geben die gespeicherte Wärme nachts wieder ab, und sie halten kalte Winde von den Nutzflächen ab. Steinriegel sind auch geeignete Niststrukturen für sogenannte Freinister, also Bienen, die außen an Steinen etc. nisten. Mittlerweile wurden viele Steinriegel durch Flurbereinigungen und andere Eingriffe zerstört.
 
stenök, Substantiv: Stenökie
'eng, schmal' bezüglich der 'Umwelt': hinsichtlich eines Umweltfaktors oder mehrerer solcher Faktoren spezialisiert, gegenüber Umweltschwankungen wenig tolerant, Umwelt-Spezialist (zum Vergleich: Stenographie = 'Engschrift'). Es gibt verschiedene Beschränkungen bzw. Spezialisierungen bezüglich der Umwelt mit je eigenem Fachbegriff:
  • stenotherm (bez. der Umgebungstemperatur)
  • stenohalin (bez. des Salzgehaltes)
  • stenohygr (bez. der Bodenfeuchte)
  • stenohyd (bez. des Wassergehalts)
  • stenophag (bez. der Nahrungsressourcen)
  • stenoxygen (bez. des Sauerstoffgehaltes)
Die meisten Bienen sind mikroklimatisch stenök. Gegenteil: euryök bzw. Euryökie (E).
 
Sternit
Segment bzw. harter Panzerring auf der Unterseite des Hinterleibs (Abdomen) eines Insekts. Die Segmente auf der Oberseite des Abdomens werden hingegen als "Tergite" (T) bezeichnet.
 
Sternum, Plural: Sterna
Ein Sternum (von altgriechisch sternon = 'Brust') ist der unterseitige (ventrale) Teil eines Körpersegments bis zu den Pleuren an den Körperseiten. Der sklerotisierte (verhärtete) Teil ist der Sternit. Gegenteil: Tergum (T)
 
Stigma
Mal, Fleck: z. B. die kleine schmale dunkle Zelle am äußeren Flügelrand (= Pterostigma); auch: Öffnung des Tracheensystems der Gliederfüßer (Arthropoda).
 
Stipes
der "Stamm", ein Teil des Rüssels (Proboscis) bzw. Unterkiefers (Maxille): Beim Saugen ziehen Bienen ihre Zunge in ein enges Rohr zurück, das aus paarigen Unterlippentastern (Labialpalpi) und "Laden" (Galeae) besteht. Die Galea (G) sitzt auf dem schalenförmigen Stipes, der ebenfalls paarig ist und auf dem schalenförmigen Angelstück (Cardo) sitzt.
 
Stutz
Als Teil des Mittelsegments bzw. Propodeums (P) ist der Stutz die senkrechte Fläche zwischen dem schräg abfallenden "Mittelfeld" (M) und der Taille.
 
stylopisiert
von Fächerflüglern (Strepsiptera bzw. Stylopoidea) befallen: Die flügellosen Weibchen vieler Arten dieser Parasiten leben zeitlebens auf bzw. in ihrem Wirt und werden dort von den Männchen zur Paarung aufgesucht. Nur Kopf, Thorax und das erste Abdominalsegment ragen aus dem Abdomen des Wirts heraus. Dieser ist oft eine Sandbiene (Andrena spec.), die durch den Befall steril wird und Änderungen in Flugzeit, Verhalten und Morphologie zeigt.
 
subadult
noch nicht erwachsen, halbwüchsig
 
Subcosta
Die 2. Längsader im Insektenflügel
 
Subgenus, Plural: Subgenera, deutsch: Untergattung(en)
Untergruppe(n) einer Gattung, beides sind Begriff der Taxonomie (T). Die Hierarchie-Ebene (Taxon, T) der Untergattung ist in der biologischen Klassifikation nicht erforderlich, wird aber gerne zwischen Art (A) und Gattung (G) eingezogen, um näher miteinander verwandte Arten gegen andere abzugrenzen. Eine Untergattung umfaßt meist mehrere Arten, manchmal aber auch nur eine einzige Art.
 
Submarginalzellen
Diese vor allem im angelsächsischen Sprachraum übliche Bezeichnung (submarginal cells) entspricht den Cubitalzellen (C) des Insektenflügels. Die submarginal cells liegen neben bzw. hinter der marginal cell (Marginalzelle bzw. Radialzelle, R), daher der Name.
 
submers
untergetaucht, unter Wasser
 
subsozial
'noch nicht sozial': In der subsozialen Phase der Entwicklung einen Bienenvolkes sorgt ein einziges Weibchen für ihre Brut (Eier, Larven). Erst mit dem Schlupf der Arbeiterinnen beginnt die soziale Phase.
 
Symbiont
Lebewesen, das Nutzen aus einer gegenseitigen Lebensgemeinschaft zieht, etwa eine Blütenpflanzen oder das sie bestäubende Insekt. Ein weiteres Beispiel ist eine Fliegenlarve in einem Hautflüglernest, die sich durch die Beseitigung möglicher Infektionsherde nützlich macht, andererseits selbst daraus Nutzen zieht durch die Gewinnung von Nährstoffen.
 
Symbiose
'Zusammenleben' von Lebewesen verschiedener Arten zum gegenseitigen Nutzen, z. B. zwischen Blütenpflanzen und den sie bestäubenden Insekten, Vögeln oder Fledertieren.
 
Sympatrie, Adjektiv: sympatrisch
'Gemeinsames Vaterland': gemeinsames Vorkommen von Arten oder Unterarten im selben geographischen Gebiet, so daß Kreuzungen möglich sind. Sympatrische Artbildung ist folglich unwahrscheinlich und selten, aber möglich durch sexuelle Selektion (die Bevorzugung von Partnern mit bestimmten Merkmalen) oder das Besetzen unterschiedlicher ökologischer Nischen im selben Lebensraum. Gegenteile: Allopatrie (A) und Parapatrie (P).
 
Synanthropie, Adjektiv: synanthrop
Selbständiges Vorkommem einer Art im Siedlungsbereich des Menschen, also ohne auf "Zuzug" von außen (aus der nicht besiedelten Umgebung) angewiesen zu sein. Synanthrope Arten werden auch als "Kulturfolger" bezeichnet.
 
Synökologisches Optimum
der bevorzugte Lebensbereich einer Art unter dem Einfluß eines bestimmten Umweltfaktors (Temperatur, Feuchte, Lichtintensität etc.) und zugleich der Konkurrenz durch andere Arten (Interspezifische Konkurrenz, I). Ohne interspezifische Konkurrenz spricht die Biologie vom autökologischen Optimum (A).
 
Syntopie
gemeinsames Vorkommen mehrerer Arten in einem Areal bzw. Biotop: Adjektiv: syntop
 
Syntypus siehe Typus
Syntypen bzw. Cotypen sind gleichrangige Typen in dem Fall, daß aus einer Typusserie kein Exemplar als Holotypus festgelegt wurde.
 
Systematik
'Einordnung in ein System': die wissenschaftliche Untersuchung der Arten, ihrer Unterschiede und Beziehungen untereinander.
 
T
Tarsus, Plural: Tarsi, Tarsen
Fuß, letztes von fünf Gliedern des Insektenbeines, das wiederum in fünf Glieder (Tarsomeren) unterteilbar ist. Das erste Fußglied ist das Fersenglied (Metatarsus), das letzte das Krallenglied (Prätarsus). (Beinzeichnung Beinzeichnung)
 
Taster
ein Teil der Mundwerkzeuge: die erste Maxille und das Labium
 
Taxon, Plural: Taxa
Hierarchie-Ebene(n) der Taxonomie; taxonomische Einheit(en), also Art, Gattung, Familie, Ordnung etc. Je nach ihrer tatsächlichen Verwandtschaft sind Taxa:
  • monophyletisch ('einstämmig'): Die Gruppe (das Taxon) hat eine gemeinsame Stammform und umfaßt alle Untergruppen, die von dieser Stammform abstammen, sowie die Stammform selbst, aber keine anderen Gruppen. (Ein Monophylum ist eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft.)
  • paraphyletisch ('gleichstämmig'): Die Gruppe hat zwar eine gemeinsame Stammform, enthält aber nicht alle Abkömmlinge dieser Stammform (nur eine Teilmenge eines denkbaren Monophylums). Ein bekanntes Beispiel: Die Tierklasse, die wir als Reptilien bezeichnen, ist paraphyletisch, weil die Krokodile näher mit den Vögeln verwandt sind als mit anderen Taxa der Reptilien. Diese wären monophyletisch, wenn wir die Vögel zu den Reptilien zählen würden.
  • polyphyletisch ('vielstämmig'): Das Taxon hat keine gemeinsame Stammform; z. B. bestehen die "Würmer" im klassischen, umfassenden Sinne aus verwandtschaftlich ganz unterschiedlichen Gruppen.

Taxonomie
Einordnung in ein biologisches System, biologische Klassifikation (K) von Tier- und Pflanzenarten aufgrund ihrer Verwandtschaft.
 
Tegula, Plural: Tegulae
'Dachziegel': beweglicher Anhang auf dem mittleren Thorax-Segment, Deckschuppe für die empfindliche Flügelbasis. Käfer haben keine Tegulae. (Bienenkörper-Zeichnung Zeichnung)
 
Teilsiedler
Tier, das an unterschiedlichen Orten nistet und Nahrung sammelt. Bienen sind typische Teilsiedler, da sie ihre artspezifischen Niststrukturen und Nahrungspflanzen meist nicht an denselben Orten finden, also zwischen Nest und Blüten hin- und herfliegen müssen.
 
Telson (das ~)
der letzte Körperabschnitt eines Gliederfüßlers (eines Insekts, einer Biene) bzw. des Abdomens (A, genauer: des Metasomas M) und Träger der "Pygidialplatte". Das Telson – auch Pygidium (P) genannt – ist eigentlich kein Körpersegment (= Tergit, T), da seine innere Struktur nicht der eines Tergits entspricht.
 
Tergit
Segment bzw. harter Panzerring auf dem Rücken des Hinterleibs (Abdomen) eines Insekts. Die harten Segmente auf der Unterseite des Abdomens werden hingegen als "Sternite" (S) bezeichnet. (Bienenkörper-Zeichnung Zeichnung)
 
Tergum, Plural: Terga
Ein Tergum ist der rückenseitige (dorsale) Teil eines Körpersegments bis zu den Pleuren (P). Der sklerotisierte (verhärtete) Teil ist der Tergit. Gegenteil: Sternum (S). (Bienenkörper-Zeichnung Zeichnung)
 
terricol
'erdbewohnend': terricole Lebewesen sind auf oder im Boden lebende Organismen.
 
thermophil
'wärmeliebend': Thermophile Lebewesen sind auf warme Biotope angewiesen.
 
Thorax
'Brustkasten', der mittlere Körperabschnitt von Gliederfüßern (Arthropoda), also von Insekten, Spinnen etc., zwischen Kopf und Abdomen (Bienenkörper-Zeichnung Zeichnung). Bei den Taillenwespen (Apocrita) – also den Hautflüglern (Hymenoptera) ohne Pflanzenwespen (Symphyta) – ist das Propodeum (P) am Ende des Bruststücks ist nicht mehr Teil des Thorax, sondern gehört bereits zum Abdomen. Thorax und Propodeum werden als Mesosoma (M) bezeichnet.
 
Tibia
Schiene, viertes von fünf Gliedern des Insektenbeines (Beinzeichnung Beinzeichnung)
 
Trachee
das röhrenförmiges Atemorgan der Insekten
 
Tracht
ursprünglich (im Althochdeutschen) das 'Tragen' oder 'Getragenwerden', hat die Tracht in der heutigen Umgangssprache verschiedene Bedeutungen: a) eine für bestimmte Kulturen oder geschichtliche Perioden typische Kleidung (Ordenstracht), b) einen bestimmten Haar- oder Bartschnitt (Haartracht), c) eine Traglast, d) eine Portion (Tracht Prügel).
    In der Imkersprache (die sich wie die Jägersprache bewußt von der Allgemeinsprache absetzt) bezeichnet die Tracht den Mehrwert eines Honigbienenvokes, also den Überschuß an Nektar bzw. Honig und Pollen, den das Volk einträgt, aber nicht verbraucht. Blütentracht ist der aus Blütennektar gewonnene Honig, Waldtracht der aus Honigtau (Ausscheidungen von Schild- und Rindenläusen) gewonnene Honig. Die Summe der Trachtpflanzen ist die Bienenweide. Als Trachtwert bezeichnen Imker die mit einer Trachtpflanze bzw. Bienenweide verbundene Gewinnerwartung, die auf einer fünfstufigen Skala von 0 bis 4 angegeben wird.
 
Tribus, Plural: Tribûs oder Triben
Im antiken Rom war eine tribus eine Abteilung der Bürgerschaft. In der Biologie ist sie eine mögliche, aber nicht notwendige Rangstufe (ein Taxon) zwischen Unterfamilie (Endung: -inae) und Gattung. Taxonomen verwenden dieses Taxon, um das System von Tier- oder Pflanzen-Arten stärker zu differenzieren; manche postulieren unterhalb einer Tribus sogar noch eine Subtribus. Der wissenschaftliche Name einer Tribus endet in der Zoologie auf -ini, in der Botanik jedoch auf -eae. Der Name einer zoologischen Subtribus endet auf -ina, einer botanischen auf -inae. (Das englisch Wort tribe bedeutet 'Stamm' wie auch 'Tribus'.)
 
Trinomen
'dreiteiliger Name': Unterarten benennt man mit einem Trinomen, das aus einem Binomen (B) und einem dritten Wort (Unterart-Epitheton, beginnend mit einem Kleinbuchstaben) besteht.
 
Triungulinus
'Dreiklauer': die Primärlarve der Ölkäfer (Meloidae). Larven dieses ersten Stadiums sind auf Blüten zu beobachten, wo sie auf Bienen warten, um sich an diesen festzuklammern und in deren Nest transportieren zu lassen. Ähnliche Primärlarven anderer Insekten müssen nicht unbedingt genau drei Fußklauen besitzen und werden deshalb als Triungulinoide bezeichnet.
 
trivoltin
Trivoltine Arten bringen drei Generationen pro Jahr hervor: Die 1. Generation produziert die 2., diese dann die 3.; siehe Voltinismus (V).
 
Trochanter
Schenkelring, zweites von fünf Gliedern des Insektenbeines
 
Trophiestufen
Stufen der 'Nährstoffenreicherung' von Gewässern. Es gibt vier Trophiestufen:
  1. Oligotrophie: geringe Nährstoffanreicherung, daher geringe Produktion von Biomasse
  2. Mesotrophie: Übergangsstadium zwischen Oligotrophie und Eutrophie
  3. Eutrophie: hoher Nährstoff- bzw. Phosphorgehalt, daher hohe organische Produktion
  4. Hypertrophie bzw. Polytrophie: extremer Nährstoffgehalt, der Sauerstoff in den bodennahen Schichten wird im Sommer weitgehend aufgebraucht.

Tuberkel
kleiner, manchmal auffällig (gelb) gefärbter Höcker bzw. Knoten auf dem Thorax vor der Flügelbasis. Bekannt sind Tuberkel dem Fernseh-Zuschauer auch als knotige Strukturen auf der Körperoberfläche einiger Wale.
 
Tumulus
kleiner Erdhügel: Auswurfhalde, die beim Graben eines Nistgangs entsteht.
 
Tympanalorgan
ein Gehörorgan von Insekten
 
Typus
Der Typus ist die Grundlage für die Benennung eines Taxons (einer Art, Gattung etc.). Jeder Typus hat eine Ortsbezeichnung (meist eine Universität) und sammlungsspezifische Nummer, wodurch er der Forschung zugänglich wird. Man unterscheidet: 
  • Holotypus: das Exemplar, das der Erstbeschreibung einer biologischen Art oder eines übergeordneten Taxons zugrundelag. Alle dabei beschriebenen Merkmale sind die Merkmale dieses Exemplars, das deshalb auch Typusexemplar oder kurz Typus genannt wird. Gemäß dem internationalen Code für Zoologische Nomenklatur (International Commission of Zoological Nomenclature, kurz: ICZN) legt die Namensschöpfung der Erstbeschreibung den korrekten Namen des Typexemplars fest. Durch die Archivierung eines Holotypus lassen sich auch Merkmale untersuchen und vergleichen, die erst nach der (unvollständigen) Erstbeschreibung als wichtig erkannt wurden.
  • Paratypus: 'Nebentypus': Üblicherweise wird nur ein Exemplar eines Taxons archiviert und publiziert. Legt der Erstbeschreiber aber eine Typusserie an, um auch Variationen mancher Merkmale sichtbar zu machen, kann er eines der Exemplare als Holotypus festlegen; die weiteren Exemplare sind dann Paratypen.
  • Allotypus: inoffizielle (nicht vom ICZN anerkannte) Bezeichnung eines Belegexemplars des anderen Geschlechts des Holotpyus, offiziell nur ein Paratypus.
  • Syntypen, manchmal auch Cotypen, sind gleichrangige Typen in dem Fall, daß aus einer Typusserie kein Exemplar als Holotypus festgelegt wurde.
  • Lectotypus bzw. Lectotypen: Oberbegriff für den Hololectotypus und Paralectotypen.
  • Hololectotypus: aus einer Typusserie das Exemplar, das nicht bei der Publikation, sondern erst nachträglich als Holotypus festgelegt wurde.
  • Paralectotypen sind die weiteren Exemplare einer Typusserie in dem Fall, daß der Holotypus als Hololectotypus erst später festgelegt wurde.
  • Neotypus: der Holotpyus in dem Fall, daß ursprünglich gar kein Holotpyus festgelegt wurde oder der ursprüngliche Holotpyus verlorenging.

U
Ubiquist
Ubiquitäres Lebewesen: anpassungsfähiges Lebewesen, das nicht an einige wenige Biotope gebunden ist.
 
ubiquitär
überall vorkommend (vom lateinischen ubique = 'überall')
 
Unguis, Plural: Ungues
'Klaue(n), Kralle(n)'
 
univoltin
Univoltine Bienen haben im Jahr nur eine Generation, d. h., ein Weibchen (eine Königin) produziert nur einmal im Jahr fortpflanzungsfähige Weibchen, die entweder im Larven-, im Puppen- oder im Imaginalstadium (d. h. als fertige Insekten) überwintern und erst im nächsten Jahr die nächste Generation hervorbringen. Gegenteil: Bivoltine (B) Arten bringen eine zweite Generation im Jahr hervor. Siehe auch Voltinismus (V).
 
Unterart
Die geographisch getrennte und erkennbare Variation einer Tier- oder Pflanzenart. Angehörige verschiedener Unterarten derselben Art sind als Artgenossen untereinander uneingeschränkt fortpflanzungsfähig. Sind Unterarten sehr lange von einander getrennt, bilden sich schließlich Arten heraus; kommen Unterarten nach einer Trennung (z. B. durch eine Eiszeit) wieder zusammen, können die Unterschiede der Unterarten wieder verschwinden. Unterarten haben jeweils drei statt zwei wissenschaftliche Namen.
 
Untergattung
Rang innerhalb einer Gattung bzw. Zwischenstufe zwischen Art und Gattung. Untergattungen werden nur dann postuliert, wenn sich unter den Arten einer Gattung deutlich unterschiedliche Gruppen ausmachen lassen.
 
urban
'städtisch': Urbane Lebewesen kommen im menschlichen Siedlungsbereich vor.
 
Überlieger
Biene (oder ein anderes Insekt) mit einer Diapause (D), die mehr als einen Winter umfaßt, so daß die Entwicklung vom Ei bis zur Imago (I) zwei oder mehr Jahre dauert. Ein biologischer Nutzen einer verlängerten Diapause ergibt sich etwa für oligolektische (O) Bienenarten, nämlich dann, wenn ihre (exklusiven) Pollenpflanzen in einem Jahr ganz ausfallen oder weniger zahlreich blühen und so den Fortpflanzungserfolg gefährden. Unter den Bienen sind bislang nur wenige fakultative oder obligate "Überlieger" bekannt, in der Gattung Osmia ('Mauerbienen') sind dies Osmia adunca, Osmia grandis, Osmia inermis, Osmia leaiana, Osmia niveata, Osmia parietina.
    Hinweis: In der deutschen Krankenhaus-Medizin bezeichnen "Überlieger" Patienten, die zum Jahreswechsel bis ins Folgejahr stationär bzw. teilstationär in Behandlung sind. In der Seemannssprache bedeutet Überliegen je nach Betonung das Schrägliegen eines Schiffs oder überlanges Liegen im Hafen.
 
V
Varroa destructor, Varroose
Als Varroose wird der Befall der Honigbiene durch die Varroa-Milbe bezeichnet. Varroa destructor ist eine ca. 1,6 mm kleine Milbe, die sich in der Bienenbrut entwickelt und im Winter an der erwachsenen Honigbiene festbeißt und Blut saugt. Sie wurde 1977 in Deutschland eingeschleppt, als Wissenschaftler des Bieneninstitutes Oberursel asiatische Honigbienen (Apis cerana) importierten. Diese sind viel weniger gefährdert: Sie können befallene Brutzellen erkennen und entfernen, ihre Arbeiterinnen und Königinnen entwickeln sich in den Brutzellen für die Milben zu schnell, und sie verlassen ihren Stock, falls der Parasitenbefall allzu stark wird.
 
ventral
Zum Bauch gehörig, bauchseitig; ähnlich: abdominal (A), Gegenteil: dorsal (D).
 
Ventralscopa
'Bauchbürste'; die auf jedem Sterniten des Metasomas (M) vorhandenen Sammelhaare.
 
Vertex
'Wendepunkt, Scheitel': oberer Kopfbereich zwischen und hinter den Augen.
 
Vestibulum
'Vorhalle, Vorhof, Flur': Leerzelle hinter dem Nestverschluß z. B. einer Mauerbiene. Leerzellen sind dazu geeignet, Predatoren und Parasiten von belegten Brutzellen abzulenken.
 
Voltinismus
Häufigkeit der jährlich produzierten Nachfolgegenerationen einer Art. Diese ist:
  • univoltin (alternativ: monovoltin), wenn eine Generation pro Jahr hervorgebracht wird;
  • bivoltin (B) mit zwei Generationen pro Jahr (die erste produziert die zweite);
  • trivoltin mit drei Generationen pro Jahr (die 1. produziert die 2., diese dann die 3.);
  • multivoltin mit zwei oder mehr Generationen pro Jahr (nicht bei allen Autoren);
  • polyvoltin bzw. plurivoltin mit unterbrechungslos aufeinanderfolgenden Generationen, wie dies in Gebieten ohne Jahreszeiten üblich ist;
  • semivoltin mit einer Generation über zwei (oder auch mehr) Jahre (je nach Autor);
  • merovoltin mit einer Generation über drei (oder auch mehr) Jahre (je nach Autor).

Vorpuppe bzw. Praepupa (P)
Stadium der Entwicklungsruhe während der Diapause (D). Synonym: Ruhelarve (R); also eine Larve, die ihre Exkremente vollständig ausgeschieden hat und während der Diapause ruht. Die Überwinterung als Vorpupe bzw. Ruhelarve ist nur möglich, wenn dem Insekt nach der Winter- bzw. Diapause und vor der Flugzeit genügend warme Wochen zur Verfügung stehen, um die weitere Entwicklung – Puppe, Metamorphose (M) – zu vollenden.
 
W
Waldhonig
Honig aus "Honigtau" (H), also den zuckerhaltigen und ballaststoffreichen Ausscheidungen von Schild- und Rindenläusen auf Douglasien, Fichten, Kiefern und Tannen. Waldhonig ist hell- bis dunkelbraun und wird aufgrund seines kräftigen Geschmacks geschätzt – oft in Unkenntnis seiner Entstehung.
 
Weißfäule
Holzfäule durch den Befall durch Weißfäulepilze, vor allem Violetter Lederporling (Trichaptum abietinum), Schuppiger Porling (Polyporus squamosus), Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Gemeiner Spaltblättling (Schizophyllum commune), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Gemeiner Feuerschwamm (Phellinus igniarius) und Rauchgrauer Porling (Bjerkandera adusta). Anders als Braunfäulepilze bauen Weißfäulepilze vor allem das (braune) Lignin ab und verschonen die (helle) Cellulose. Weißfäule ist an der hellgrauen bis weißen Färbung des faserigen Totholzes erkennbar, das sich zwischen den Fingern nicht zu Pulver zerreiben läßt, sondern nur zu Spänen.
    Weißfäulepilze entwickelten sich vor ca. 300 Millionen Jahren und sind vermutlich die Ursache dafür, daß nach dem Karbon deutlich weniger Lignin bzw. Steinkohle abgelagert wurde als zuvor: Zu Kohle wurde ab dem Perm nur noch Pflanzenmaterial, das schneller unter Luftabschluß geriet, als es sich zersetzen konnte.
    Einige Bienenarten (etwa Anthophora furcata), die ihre Nistgänge in Totholz selbst graben, sind auf weißfaules Holz angewiesen; von Braunfäule (B) befallenes Holz verschmähen sie.
 
Wirt
Lebewesen, das einem anderen – etwa einem Brutparasiten (B) – als Nahrungsspender dient.
 
X
xerophil
'trockenheitliebend': Xerophile Lebewesen sind auf trockene Biotope angewiesen.
 
xerotherm
'trockenwarm': Xerotherme Lebensräume sind Steppen und Wüsten, xerotherme Lebewesen sind Pflanzen und Tiere, die an diese Biotope angepaßt sind.
 
Y
Z
Zeidlerei
Honig-'Schneiden': das gewerbsmäßige Sammeln von Honig durch Zeidler, einen Berufsstand des Mittelalters. Das Verb zeideln für 'Honig-Schneiden' leitet sich ab vom lateinischen excidere = 'herausschneiden'. Gemeint ist das Herausschneiden der Honigwabe aus einer Baumhöhle, die in der Regel in alten, dicken Bäumen (in ca. 6 m Höhe) künstlich hergestellt und mit einem Brett mit Flugloch verschlossen wurde. Aus der Zeidlerei entwickelte sich die Imkerei, die die ausgebeuteten Honigbienenvölker nicht mehr durch Entnahme der Waben vernichtete, sondern sie in Besitz nahm und in Beuten (B) – Klotzbeuten (K), (Honig-) Bienenkörben (B) und schließlich Holz- bzw. Magazin-Beuten – hielt bzw. hält.
 
Zönose
'Gemeinschaft, Gesellschaft': in der Biologie eine Gemeinschaft von Organismen. Bezogen auf einen Lebensraum (Biotop) spricht man meist von Biozönose (B).
 
zoophil, Substantiv: Zoophilie
'tierliebend' bzw. wirbeltierblütig. Der Begriff der Zoophilie ist doppeldeutig: Während er in der Anthropologie (Menschenkunde) die sexuelle Fixierung von Menschen auf Tiere bezeichnet, bedeutet er in der Botanik (Pflanzenkunde) die Bestäubung durch Tiere. Oft wird der Begriff nur mit Bezug auf Wirbeltiere verwendet, also Vögel, Fledermäuse etc.; häufiger ist allerdings die Bestäubung durch Insekten (Entomophilie, E). Die evolutionär ursprüngliche Form ist die Anemophilie (Windblütigkeit, A).
 
Zoozönose, ein Typ der Biozönose (B)
'Tiergemeinschaft': die für einen Standort spezifische Kombination von Tierarten mit ähnlichen oder gleichen Ansprüchen an ihren Standort.
 

Die vorstehenden Einträge erklären nicht nur Fachtermini, die auf dieser Website verwendet werden.

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