Wildbienen: Ernährung, Sammelverhalten
Nahrungstyp, Ernte & Transport von Nektar Nektar · Fettes Öl Öl · Pollen Pollen

Die meisten Bienen sammeln bekanntlich zwei Stoffe: Nektar und Pollen. Weniger bekannt ist, daß einige Arten ("Schenkelbienen") auch Öle (Lipide) sammeln, und andere, die sogenannten "Kuckucksbienen", überhaupt keinen Pollen sammeln, sondern dies ihren Wirten überlassen. Da Blüten sehr unterschiedlich aufgebaut sind, haben Bienen im Laufe ihrer Evolution in Anpassung an die Blüten unterschiedliche Körpermerkmale und Methoden entwickelt, den Pollen (und auch Öl) zunächst aktiv zu ernten, dann von einer Körperstelle zur anderen umzuladen und schließlich zum Nest transportieren. Neben der aktiven bzw. primären Pollenaufnahme gibt es auch die sekundäre: wenn nämlich Pollen beim Blütenbesuch einfach am Haarkleid des Blütenbesuchers hängenbleibt, der aus anderen Gründen (vor allem zur Nektargewinnung) die Blüte angeflogen hat.

1. Nektar

  1. Nahrungstyp
    Der Blütennektar ist das erste, das dem Laien als Grund für einen Blütenbesuch einfällt, schließlich kommt er aus den Blüten als Honig in die Wabe und schließlich ins Glas. Nektar und Honig sind allerdings nicht identisch, der Honig ist vielmehr das Produkt, das Honigbienen (Apis mellifera) im Stock durch Wasserentzug und Fermentierung aus dem Nektar herstellen und als Energiereserve in den Honigwaben lagern. Andere Bienenarten erzeugen vermutlich auf ähnliche Weise ähnliche chemische Stoffe, lagern sie aber nicht; Hummeln bewahren in ihren "Honigtöpfchen" nur Nektar auf. Ein dritter Stoff ist der zucker- und eiweißreiche Honigtau, der von Pflanzenläusen abgesondert und von Honigbienen (nicht Solitärbienen) aufgenommen wird. Neu ist vielen Honigfreunden, daß Nektar nicht nur in Blüten abgesondert wird, sondern auch an deren Hüllblättern oder Laubblättern mancher Blütenpflanzen und sogar an den Wedeln des Adlerfarns.
        Für eine Wildbiene ist Nektar allerdings vor allem Kraftstoff: Die wässerige Zuckerlösung liefert dem Bienenkörper vor allem Kohlenhydrate, also die sofort verfügbare Energie, die er für eine kräftezehrende Tätigkeit braucht: das Fliegen; andere Stoffe wie Proteine, Mineralien, Vitamine, Enzyme etc. spielen ein untergeordnete Rolle. In zweiter Linie wird Nektar auch für den Nachwuchs verwendet: Manche Bienen (Mauer- und Mörtelbienen) verflüssigen damit den Lehmmörtel zum Bau ihrer Brutzellen, andere fügen ihn in arttypischer Menge dem Pollenvorrat bei. So lassen sich die Nester zwei häufiger Mauerbienen, nämlich Osmia bicornis und O. cornuta, schon durch die größere Feuchtigkeit des Proviants von O. cornuta unterscheiden. Das Ei der bekannten Frühlingspelzbiene (Anthophora plumipes) "schwimmt" gar anfangs in einem kleinen Nektarsee auf dem Pollenvorrat.
  2. Ernte: Nektaraufnahme
    Aufgenommen wird der Nektar mittels ihres Saugrüssels (Proboscis), der unterschiedlich lang sein kann: Während die artenreichen Unterfamilien der Colletinae, Andreninae und Halictinae kurzrüsselig sind, zählen die Megachilinae und Apinae im allgemeinen zu den langrüsseligen Bienen. Bei den Hummeln, ebenfalls Apinae, lassen sich allerdings wiederum kurz- und langrüsselige Arten unterscheiden. Zum Vergleich: Während der Rüssel einer Maskenbiene (Hylaeus) nur gut 1 mm kurz ist und bei den Honigbienen nur 6,5 mm erreicht, ist er bei der kurzrüsseligen Erdhummel (Bombus terrestris, Arbeiterin & Königin) bis zu 9 bzw. 10 mm, bei der ähnlichen, aber langrüsseligen Gartenhummel (B. hortorum) bis 16 bzw. 21 mm lang und bei der erwähnten Frühlingspelzbiene ebenfalls bis 21 mm!
        Natürlich ist die Rüssellänge eine Anpassung an die Blütenform: Blüten mit weitem, offenem Kelch und solche mit kurzer Kronröhre werden von kurzrüsseligen Arten bevorzugt, Blüten mit langer Krohnröhre oder gänzlich verborgenem Nektar normalerweise von langrüsseligen Arten. Aber auch Bienen sind erfinderisch: Wenn die Rüssellänge nicht reicht, beißen einige Hummelarten (etwa unsere Erdhummel und Feldhummel) mit ihren bezahnten Mandibeln Löcher in die (zu engen) Blütenröhren, und Bombus wurfleini tut dies offenbar sogar an Blüten, die ihr ohne diesen Nektarraub zugänglich wären. Holzbienen (Xylocopa) stechen Krohnröhren mit ihrem starren Rüssel auf, um an den Nektar zu gelangen, und andere Bienen schlitzen sie seitlich auf oder bringen sie durch Hineinzwängen zum Platzen. Neben dem geschilderten primären kommt der sekundäre Nektarraub vor, den etwa Honigbienen betreiben: Da diese schwächere Mandibeln ohne Bezahnung haben, bedienen sie sich an Löchern, die andere Bienen verursacht haben.
  3. Ernährung & Transport
    Der meiste Nektar wird als aktuell notwendige Energiequelle verschluckt und verbraucht – ohne Energiezufuhr erstarren Bienen an kalten, regnerischen Tagen zunächst und verhungern, wenn die Schlechtwetterperiode zu lange dauert. In kühlen Frühjahren gehen auf diese Weise z. B. immer viele Hummelvölker zugrunde. Bienen sammeln den Nektar im Vorderdarm, der auch als "Kropf" oder "Honigblase" bezeichnet wird, und erbrechen ihn im Nest, wo Hummeln ihn in einem "Honigtöpfchen" als Nahrungsvorrat sammeln, während solitäre Arten damit artspezifisch den Pollen mehr oder weniger stark anfeuchten. Einige Arten, etwa Melitta nigricans, vermischen den Nektar schon im Flug mit dem Pollen, wodurch dieser dann oxydiert und seine Farbe ändert.

2. Fettes Öl

  1. Nahrung
      Macropis europaea W an Lysimachia vulgaris
      Macropis europaea Weibchen an Lysimachia vulgaris
    Daß einige Bienenarten auch fette (nicht-flüchtige) Öle bzw. Lipide an Blüten sammeln, ist eine relativ junge Erkenntnis. In Mitteleuropa geben nur einige Gilbweiderich-Arten Öl ab, das von Schenkelbienen (Macropis spec.) gesammelt wird; es sind der Gewöhnliche Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), der Pfennig-Gilbweiderich (L. nummularia) und der Punkt-Gilbweiderich (L. punctata).
  2. Ernte
    Das Öl wird an den Innenflanken des ersten und zweiten Beinpaares kapillarisch in spezielle Saugpolster aufgenommen, die die Schenkelbiene auf die Öldrüsen der Gilbweiderichsblüten drückt. Gleichzeitig wird auf der Abdomen-Unterseite auch Pollen von den Staubbeuteln (Antheren) aufgenommen.
  3. Transport
    Während des Fluges werden Öl und Pollen in die beiden großen Sammelbürsten (Scopae) der Hinterschienen (Tibiae) übertragen. Die beiden Blütenprodukte vermischen sich dort zu großen gelben Klumpen, die bei Macropis-Weibchen, die schon längere Zeit sammeln, oft als einzige aus den Gilbweiderichblüten herausragen.

3. Pollen

  1. Nahrungstyp
    Pollenstaub ist jedermann bekannt, an manchen Frühsommertagen bedeckt er gut sichtbar (Garten-) Möbel, Terrassen, Bürgersteige etc., und Allergiker haben ihre Not damit. Wer eine Blüte über den Handrücken oder das Hosenbein streicht, sieht oft gelben Pollen, dieser kann aber auch ganz anders gefärbt sein. Pollenkörner entstehen in ungeheuren Mengen in den Staubbeuteln (Antheren) und dienen der Übertragung der männlichen Erbinformation auf das weibliche Organ (den Stempel), der von unten nach oben aus dem Fruchtknoten mit seinen Samenanlagen, dem Griffel und der Narbe besteht, die die Pollenkörner aufnimmt. Ein Pollenkorn ist in zwei Hüllen eingebettet, die äußere ist äußerst hart und arttypisch strukturiert. Zusammen mit der Farbe lassen sich durch diese Struktur unter dem Rasterelektronenmikroskop die Pflanzenfamilie, -gattung und sogar -art und somit die Trachtpflanzen einer Bienenart bestimmen.
        Die Blüten mancher Pflanzen enthalten weibliche und männliche Organe, sie sind zwittrig bzw. hermaphrodit; besitzt eine Pflanze männliche und weibliche Blüten, nennt man sie einhäusig bzw. monözisch; trägt eine Pflanze nur Blüten eines Geschlechts, ist sie zweihäusig oder diözisch – Bienen suchen ihren Pollen dann natürlich nur an den männlichen Pflanzen, z. B. der Zaunrübe (Bryonia dioica). Da die Antheren der meisten Blütenpflanzen vormittags aufplatzen, sammeln viele Bienen schwerpunktmäßig bis zum Mittag; andere Pflanzen bieten jedoch den ganzen Tag über ihren Pollen an.
        Pollen ist ein hervorragender Protein-Lieferant, der auch Fette, Stärke und Mineralien enthält. Er ist deshalb der wichtigste Bestandteil des Larvenproviants: Ohne eine große Eiweißmenge ist das enorme Wachstum einer Larve vom Schlupf bis zur Verpuppung nicht möglich. Für die erwachsenen Bienen ist Pollen weniger wichtig, Weibchen benötigen ihn aber sicher zur Bildung ihrer Eier.
        Meist wird der Pollen trocken in die jeweilige Transportvorrichtung eingebettet und transportiert, einige Bienen, sog. Feuchtsammler, befeuchten ihn jedoch mit Nektar: einige Sandbienen (Andrena) und Schwebebienen (Melitturga), die Sägehornbienen (Melitta) und Langhornbienen (Eucera), manche Pelzbienen (z. B. Anthophora furcata), alle Hummeln (Bombus) und die Honigbiene. Schenkelbienen (Macropis) vermischen, wie gesagt, den Pollen statt dessen mit Öl.
  2. Ernte: Körpermerkmale & Technik
    Pollen kann mit verschiedenen Teilen des Bienenkörpers aufgenommen werden, nämlich mit ...
  3. Umbetten
    Dort, wo Bienen den Pollen sammeln, transportieren sie ihn nicht unbedingt, vielmehr betten sie den Pollen meist zunächst um in ihre artspezifische Transportvorrichtung. Dies tun sie so, wie sie sich auch sonst putzen, also je nach Gattung auf unterschiedliche Weise:
  4. Transport
    Für den Transport des Pollens zum Nest gibt es verschiedene Methoden bzw. Einrichtungen: das Körperinnere und unterschiedlich behaarte äußere Körperstellen. Kahle leicht vertiefte und von Haaren umstandene Stellen sind "Körbchen" bzw. Corbiculae, Haarbürsten auf Bauch und Hinterschiene (Tibia) sind "Sammelbürsten" bzw. Scopae.

Wie man sieht, sind die immer wieder zu lesenden Begriffe Mundsammler, Beinsammler und Bauchsammler nicht korrekt, da hierbei nicht wirklich das Sammeln des Pollens gemeint ist, sondern sein Transport. Eigentlich müßte man also von Kropftransporteuren, Beintransporteuren und Bauchtransporteuren sprechen und dazu sagen, daß nicht der Transport von Kröpfen, Beinen und Bäuchen gemeint ist, sondern von Pollen ...


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