Xylocopa  iris ·  valga ·  violacea


Holzbienen: Xylocopa valga

Artname: Xylocopa valga Gerstaecker 1872
Volksmund: deutsch: "Östliche Holzbiene" (die passendere Bezeichnung "Große Holzbiene" wird meist für X. violacea verwendet)
Merkmale: ca. 22–28 mm; Körper & Behaarung & Fühler schwarz, Flügel metallisch blauschwarz schimmernd. W.: Hinterschienen (hintere Tibiae) außen flächig mit vielen Zähnchen bestzt; im Feld kaum von X. violacea zu unterscheiden. M.: Fühlerglied 3 so lang wie das 4. & 5. Glied zusammen; Hinterschienen außen mit nur 1 Zähnchen; Kopulationsapparat etwas kleiner als bei X. violacea.
Verbreitung: Süd- & südliches Mitteleuropa, im deutschsprachigen Raum südliche Schweiz und das pannonisch beeinflußte Österreich, vereinzelt auch in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen.
Lebensraum: Warme trockene Landschaften, im Siedlungsbereich Parks & Gärten etc., sofern ausreichend Totholz zur Verfügung steht.
Fortpflanzung:  nistet in selbstgenagten Liniengängen in mürbem Totholz (Stämme & Äste, alte Pfähle, Balken etc.), evtl. auch in Wänden.
Kuckuck: keine Kuckucksbiene; als Brutparasit die (schwarz-gelb gestreifte) Keulenwespe Polochrum repandum Spinola 1806.
Nahrung: unspezialisiert (polylektisch)
Flugzeit: 1 Generation im Jahr (univoltin): Ende März–Mitte September
Rote Liste: bisher nicht Teil der deutschen Bienenfauna (nur in Österreich & Schweiz)
Holzbiene: Xylocopa valga, M - Foto gesucht!
Xylocopa valga ... · ...

Xylocopa valga ist die größte mitteleuropäische Holzbiene und deshalb der geeignete Kandidat für die deutsche Bezeichnung "Große Holzbiene", die allerdings auch für ihre Gattungsgenossin Xylocopa violacea, die "Blaue Holzbiene", verwendet wird. Abgesehen von einem Größenunterschied von bis zu 3 mm sehen sich die Weibchen beider Arten sehr ähnlich, während sich die Männchen auf Anhieb unterscheiden lassen, nämlich durch die gebogenen und orange gebänderten Fühlerenden der Xylocopa-violacea-Drohnen. Eine Holzbiene ohne dieses Merkmal kann also ein vaga-Weibchen oder -Männchen oder ein violacea-Weibchen sein, solange eine genauere Untersuchung speziell der Hinterschienen und Fühler nicht möglich ist. In Deutschland war eine Verwechslung lange ausgeschlossen, da Xylocopa valga hier gar nicht lebte und auf die südliche Schweiz und die wärmeren, also pannonisch beeinflußten östlichen und südlichen Regionen Österreichs beschränkt war. Seit einigen Jahren wird diese Art aber auch in Baden-Württemberg – dort vor allem am Kaiserstuhl – nachgewiesen, wo sie nun zusammen (syntop) mit Xylocopa violacea vorkommt.

Das Überleben auch dieser Holzbiene hängt von naturnahen Landschaften mit geeigneten Niststrukturen ab: Sie gräbt sich ihre Nistgänge in Totholz, also pilzbefallene mürbe Stämme & Äste, alte Pfähle, mürbe Balken etc. In dünnem Totholz ist nur ein Gang möglich, bei größeren Durchmessern können – ähnlich den Fingern einer Hand – mehrere vom Hauptgang parallel ausgehende Nebengänge bzw. Brutröhren gegraben werden, die oft in einer Ebene liegen. Die vom Hauptgang am weitesten entfernt liegenden Brutzellen wurden jeweils zuerst angelegt, die Wände zwischen den Brutzellen werden aus von den Zellenwänden abgenagten Spänen und Speichel geformt. Die Geburtsnester werden übrigens auch als Winterquartiere genutzt, ansonsten überwintern Holzbienen in Totholzgängen und sogar in Lößwänden und altem Gemäuer.
    Zum Nisten geeignetes Totholz ist rar geworden in unserer vom Menschen geprägten Landschaft; Holzbienen besiedeln daher, was sie finden, also in Siedlungen auch z. B. alte Lauben, Pergolen, Carports etc. – allerdings nur, wenn diese Konstruktionen der Witterung bzw. Feuchtigkeit ausgesetzt sind und nicht z. B. mit Lasuren gepflegt werden, so daß sich Holzpilze ansiedeln und die Festigkeit des Holzes verringern können; in gepflegtes, ausreichend hartes Holz kann auch eine Holzbiene nicht eindringen.

Holzbienen sind allerdings flexibel genug, zu Nistzwecken auch Gebäude zu nutzen: Ein Aufsatz in den Wissenschaftlichen Mitteilungen des Niederösterrischen Landesmuseums berichtet von einem Xylocopa-valga-Nest mit 11 Bienen in den unverputzten Wärmedämmplatten des Kellerfundaments eines Hauses in Karlstetten (Niederösterreich) Anfang August 2004. Die Autoren schreiben u. a.: "Bei den Wärmedämmplatten handelt es sich um die für die Kellerisolation heutzutage üblichen Platten aus extrudiertem Polystyrol-Hartschaumstoff („Styrodur“), die fester als die üblicherweise für die Fassade verwendeten Platten aus geschäumtem Polystyrol („Styropor“) sind. Die Plattenstärke beträgt 10 cm, wobei die Einnistung in der hausnahen Hälfte der Platte erfolgte. Die Platten waren wie bereits erwähnt unverputzt und seit drei Jahren am Haus befestigt. Von der Lage her war das Nest südöstlich und in einer Höhe von 2,2–2,5 m angelegt."
    Damit umweltbewußte Hauseigentümer nun nicht in Panik geraten, sei hinzugefügt: Da Holzbienen nur in mürbes, also weiches Holz eindringen können, können sie die verputzte, also harte Außenhaut einer isolierten Fassade nicht durchdringen – das kann nur der Specht, der im Zusammenhang mit Wärmedämmungen ja immer wieder von sich reden macht. Erst das lange Hinauszögern des Verputzens hat das Eindringen in die Dämmung des Kellerfundaments möglich gemacht. Aber selbst wenn Holzbienen es schaffen, vor dem Verputzen ein Nest in den Dämmplatten anzulegen, ist das keine Katastrophe: Die gegrabenen Hohlräume bieten eine ebenso gute Isolation wie das Dämmaterial selbst. Schade wäre nur, wenn das Verputzen vor dem Schlüpfen der Brut erfolgte: Dann kämen die Bienen u. U. nicht mehr aus dem Hartschaum heraus.

Xylocopa valga, M+W   Xylocopa valga, M
Xylocopa valga: Kopula · Murauen bei Radkersburg (Nähe Grenze zu Slowenien), April 2010 (neu)   Xylocopa valga · ...

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