Wildbienen-Räuber: Faltenwespen (Vespidae)
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Die "Faltenwespen" heißen im deutschsparchigen Raum deshalb so, weil die in Deutschland vorkommenden Arten ihre Vorderflügel der Länge nach falten. Weitere Merkmale sind die nierenförmigen Augen, die hinteren spitzen Ecken des Pronotums (Halsrings) und die extrem lange Discoidalzelle, eine Zelle in der Mitte des Vorderflügels. Man unterscheidet vier Unterfamilien; nur die ersten beiden sind sozial, also staatenbildend:

1. Gallische Feldwespe (Polistes dominula)

Sieht viel gefährlicher aus, als sie ist: Die "Gallische Feldwespe" fällt Laien zunächst durch ihre langen Beine und den eher langsamen Flug auf – und dann durch ihre Friedfertigkeit gegenüber Menschen. Sie erscheint schon im April und nistet im Dachboden, unter Dachziegeln und in anderen Hohlräumen. Ihre Königinnen werden 13–18 mm groß, Arbeiterinnen 12–15 mm, Männchen 12–16 mm. Die Beine und Fühler sind überwiegend orange, der Clypeus der Weibchen ist gelb. Die Waben werden nicht größer als eine Hand und enthalten 50–150 Zellen. Die Wespe ernährt ihre Larven ausschließlich mit weichhäutigen Insekten (Schmetterlingsraupen, Fliegen) und Spinnen.
    Die Sozialstruktur der Feldwespen ist höchst bemerkenswert: Mehrere Weibchen bzw. Königinnen sind an der Nestgründung beteiligt, bilden aber schnell eine Hierachie aus, in der das Alpha-Weibchen die meisten Eier legt und sich von den untergeordneten füttern läßt. Diese polygyne Struktur zerfällt nach dem Schlupf der ersten Arbeiterinnen, nur das Alpha-Tier bleibt im Nest.
  Polistes dominulus

2. Hornisse (Vespa crabro)

Die Hornisse ist die größte der Echten Wespen: Eine Königin ist mit einer Länge 25–35 mm eine imposante Erscheinung, und auch die 18–25 mm langen Arbeiterinnen können ängstlichen Menschen Furcht einflößen. Dabei ist solche Angst unbegründet: Die durch ihre Größe und ihr rotbraunes Vorderteil leicht erkennbare Art fliegt so langsam und laut, daß man sie gut im Blick behalten kann, und lästig werden sie am Kaffeetisch nie. Selbst in der Nähe ihres Nests bleibt sie friedlich. Gefährlich wird sie anderen, kleineren Wespenarten: Ein Hornissennest im Garten ist eine Versicherung gegen eine "Wespenplage"!
    Der große Nahrungsbedarf eines Hornissenstaates zwingt die Arbeiterinnen natürlich, auch andere Beute zu machen. Dazu gehören neben Spinnen, Fliegen, Heuschrecken, Käfern, Libellen, Schmetterlingen und Raupen auch unachtsame Bienen.

Seit ca. 2005 breitet sich in Frankreich eine weitere Hornissenart aus, die in naher Zukunft wohl auch Deutschland erreichen wird: die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax). Orangegelb sind bei ihr nur der Clypeus und (fast völlig) der 4. Tergit, sonst ist sie überwiegend schwarz bis dunkelbraun und etwas kleiner als die Europäische Hornisse, außerdem gegenüber Menschen noch weniger aggressiv, und ihr Stich ist nicht schlimmer als der einer gewöhnlichen Wespe. Gegenüber Honigbienen ist sie jedoch gefährlicher: Japanische Honigbienen schließen eine Kundschafter-Hornisse blitzschnell in einer Kugel aus vielen Arbeiterinnen ein und vibrieren, bis sie an Überhitzung stirbt. Europäischen Zuchthonigbienen (und wohl auch wilden Honigbienen) fehlt diese Verteidgungsstrategie.

  Vespa crabro

3. Waldwespe (Dolichovespula sylvestris)

Diese staatenbildende Faltenwespe wird 15–19 mm groß (Arbeiterinnen: 13–15 mm, Männchen: 14–16 mm) und kommt auch im Siedlungsbereich vor. Sie fliegt von Anfang April bis Mitte September. Die grauen Nestkugeln werden an geschützten Stellen (auch an und in Gebäuden) aufgehängt und bis 25 cm groß und können bis zu 800 Tiere aufnehmen. Ihre Nester und Volksstärke sind also deutlich kleiner als bei der Deutschen und der Gemeinen Wespe (Vespula germanica und V. vulgaris), die meist unterirdisch nisten und im Sommer am Kaffeetisch lästig werden.
    Die Waldwespe hat einen Sozialparasiten: Dolichovespula omissa, die Waldkuckuckswespe, wächst in ihren Nestern auf, von ihr gibt es nur Weibchen und Männchen.
  Cerceris rybyensis

4. Deutsche Wespe (Vespula germanica)

Diese staatenbildende Faltenwespe wird 17–20 mm (Arbeiterinnen: 12–16 mm, Männchen: 13–17 mm) lang und ist vielen Menschen wohlbekannt: Sie ist eine der häufigsten Wespen und kommt wie eine zweite Art, die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris), im Sommer gerne an den Kaffeetisch, um von süßen Kuchen zu naschen. Da oft viele Wespen gleichzeitig kommen, können beide Arten sehr lästig werden.
    Die Nester der Deutschen Wespe werden meist unterirdisch (etwa in Nager- oder Maulwurfsbauten), manchmal aber auch oberirdisch in Zwischenräumen angelegt und können 1.000 bis zu 10.000 Tiere enthalten. Ein voll entwickeltes Nest kann einen Durchmesser von ca. 60 cm erreichen und hat mehrere Eingänge, die man oft nicht erkennt. Wird diese Wespe aus Versehen in Nestnähe gestört, reagiert sie nicht so aggressiv wie ihre Verwandte, die Gemeine Wespe.
  Vespula germanica

5. Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)

Diese staatenbildende Faltenwespe verdankt ihren deutschen Namen nicht ihrer "Gemeinheit" an unseren Kaffeetischen, wo sie – wie die Deutsche Wespe – im Hochsommer gerne für Aufregung sorgt, sondern ihrer Häufigkeit, die sich auch in ihrem wissenschaftlichen Namen ausdrückt. Die Königin ist 16–19 mm lang (Arbeiterinnen: 11–14 mm, Männchen: 13–17 mm) und anhand ihres Farbmusters von Vespula germanica gut zu unterscheiden. Sie gründet ab Ende April in (meist) unterirdischen Hohlräumen (etwa Tierbauten) ihr Nest. Das Baumaterial besteht aus Totholz, das die Tiere an abgestorbenen Stämmen, an Balken etc. abnagen (siehe Foto). Unter sehr günstigen Bedingungen kann die Gesamtzahl eines Volkes 12.000 Individuen (Eier, Larven, Puppen, Fluginsekten) übersteigen, in solchen Jahren ist vermehrt mit Belästigungen zu rechnen und in unmittelbarer Nähe des Nests auch mit Stichen.   Vespula vulgaris

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