Wildbienen-Parasiten

Wildbienen haben wie eigentlich alle Lebewesen ihre natürlichen Widersacher: einerseits "Räuber" bzw. Freßfeinde – Spinnen, andere Insekten (z. B. Wespen), Vögel, Reptilien und Säugetiere –, andererseits Parasiten bzw. Schmarotzer, die in oder an ihrer Wirtsart oder in deren Nestern vom Bienennachwuchs oder dessen Vorräten leben. Parasitismus ist im Tierreich und speziell Insektenreich weit verbreitet, und viele Bienenarten sind selbst (Brut-) Parasiten. Die Wechselwirkungen zwischen Wirt und Parasit sind komplex und faszinierend, wenn man auf eine moralisierende Betrachtung verzichtet.
    Die folgenden Tiergruppen (Ordnungen auf -era, Familien auf -idae endend) werden als Parasiten vorgestellt; klicken Sie auf die grünen Pfeile:

Schmalbauchwespe Gasteruption erythrostomum
  1. Pilze (Fungi) und Einzeller (Protozoa)
  2. Fadenwürmer (Nematoda)
  3. Spinnentiere / Milben (Acari) Milben Milben (Acari)
  4. "Ohrwürmer" (Dermaptera) Ohrwurm Gemeiner Ohrwurm (Forficula auricularia)
  5. Käfer (Coleoptera) Meloë proscarabaeus, M. violacea Ölkäfer: Meloë spec. &  Sitaris muralis · Sitaris Speckkäfer (Dermestidae)
  6. Fächerflügler (Strepsiptera) Strepsiptera Stylops melittae u. a.
  7. Schmetterlinge (Lepidoptera) Aphomia Aphomia sociella u. a.
  8. Zweiflügler (Diptera)Fliegen (Brachycera):
    1. Dickkopffliegen (Conopidae) Conops Conops flavipes & Sicus ferrugineus
    2. Schwebfliegen (Syrphidae): Detritivoren + Räuber
    3. Taufliegen (Drosophilidae) Cacoxenus Cacoxenus indagator
    4. Fleischfliegen (Sarcophagidae) Brachycoma devia Brachycoma devia · Miltogramma oestraceum Miltogramma oestraceum
    5. Blumenfliegen (Anthomyidae)
    6. Raupenfliegen (Tachinidae)
    7. Wollschweber (Bombyliidae) Anthrax Anthrax anthrax · Bombylius Bombylius major
  9. Hautflügler (Hymenoptera):
    1. Brackwespen (Braconidae)
    2. Echte Schlupfwespen (Ichneumonidae)
    3. Erzwespen (Chalcidoidea) Erzwespen: Melittobia acasta Eulophidae > Melittobia acasta · Erzwespen: Leucospis dorsigera Leucospidae > Leucospis dorsigera · Erzwespen: Torymidae > Monodontomerus obsoletus Torymidae > Monodontomerus obsoletus
    4. Goldwespen (Chrysididae) Chrysis ignita etc. Chrysis ignita u. a.
    5. Ameisenwespen (Mutillidae)
    6. Schmalbauchwespen (Gasteruptionidae) Gasteruption spec. Gasteruption spec.
    7. Keulenwespen (Sapygidae) Sapyga Sapyga clavicornis & Sapygina decemguttata
    8. Kuckucksbienen Bienengattungen & -arten diverse Gattungen, u. a. Hummelarten Kuckuckshummeln
  10. Säugetiere (Mammalia): Honigliebhaber wie der Bär und der Mensch

Parasitismus-Typen

Je nach Definition gibt es von Parasiten drei bis fünf Typen bzw. Untertypen:

  1. Echte Parasiten
    "Echte" Parasiten lassen sich in Endoparasiten und Ektoparasiten scheiden: Erstere leben im Körper des Wirts, letztere an bzw. auf ihm. Ein gesunder Wirt überlebt den Befall meist, geschwächte Tiere können daran zugrundegehen. Hinzu kommen noch die sogenannten Kommensalen und die Detritivoren bzw. Saprobionten, also die 'Tischgenosen' bzw. 'Mitesser' und die 'Abfallfresser' bzw. 'Faulstoff-Zersetzer', die sich nicht vom Wirt direkt ernähren, sondern von seinem Proviant und seinen Abfällen. Gefährlich werden diese meist harmlosen Organismen erst, wenn sie einer Larve zu viel Pollen wegfressen oder sich gar an der Larve selbst vergreifen.
  2. Parasitoide bzw. Raubparasiten
    Im Gegensatz zu "echten" Parasiten töten Parasitoide bzw. Raubparasiten ihre Wirte am Ende der Parasitierung: Zunächst schonen ihre Larven die lebenswichtigen Organe des Wirtsorganismus, um sich diese Nahrungsquelle möglichst lange zu erhalten (= parasitische Phase); schließlich aber töten und fressen sie den Wirt (räuberische Phase).
    • Wenn ein Parasitoid selbst von einem anderen Parasitoiden befallen wird, so nennt man letzteren Hyperparasitoid.
  3. Brutparasiten bzw. Brutschmarotzer
    Die jedermann bekannte Fortpflanzungsstrategie der Kuckucksvögel gibt es in erheblich größerem Umfang auch unter Insekten: Brutparasiten bzw. Brutschmarotzer oder Nestparasiten bzw. Nestschmarotzer lassen ihren Nachwuchs in den Nestern einer Wirtsart aufwachsen, statt eigene Nester zu bauen. Man spricht daher auch bei Insekten von "Kuckucken" (im allgemeinen Sinne); die Kuckucksarten unter den Bienen bezeichnet man auch als "Kuckucksbienen", jene unter den Wespen als "Kuckuckswespen".
    • Ein Kuckuck schmuggelt sein Ei in einem günstigen Moment in die Brutzelle eines geeigneten Wirts, wo die Larve schlüpft und das Wirtsei aussaugt oder die daraus schon geschlüpfte Wirtslarve als Konkurrenten tötet (und dennoch nicht als Räuber gilt). Anschließend lebt die Schmarotzerlarve bis zu ihrer Verpuppung vom Futtervorrat ihrer Wirtin; Brutparasiten sind also zugleich Futterparasiten bzw. Kleptoparasiten (vgl. Kleptomanie = 'Klausucht').
    • Etliche Arten parasitieren soziale Bienen und Wespen, indem sie ihre eigene Brut von diesen Wirten aktiv aufziehen lassen. Diese nennt man "Sozialparasiten". Typische Vertreter sind die Kuckuckshummeln, die man früher in einer eigenen Gattung (Psithyrus) zusammenfaßte, jetzt aber Bombus zuordnet.
Paras.typen ⇒
Tiergruppen ⇓
"Echte" Parasiten (Endo- &
Ektoparas. & Kommensalen)
Parasitoide =
Raubparasiten
Brutparasiten = Kleptopa-rasiten (& Sozialparasiten)
Mikro-organismen ♦ Pilze (Fungi)
♦ Einzeller (Protozoa)
   
Würmer ♦ Fadenwürmer (Nematoda)    
Spinnentiere
(Arachnida)
♦ Milben (Acari): Chaetodactylus, Parasitus, Scutacarus, Tyrophagus, Varroa spp.    
Ohrwürmer
(Dermaptera)
♦ Gemeiner Ohrwurm (Forficula auricularia)    
Käfer
(Coleoptera)
♦ Schimmelkäfer (Cryptophagidae)
♦ Diebskäfer (Ptinidae)
  ♦ Ölkäfer (Meloidae): Meloë, Lytta, Sitaris spp.
(♦ Buntkäfer (Cleridae): Trichodes spp.)
Fächerflügler
(Strepsiptera)
♦ Fächerflügler (Strepsiptera): Hylecthridae & Stylopiden    
Schmetterlinge
(Lepidoptera)
♦ Zünsler (Pyralidae): Wachs-motten Galleria mellonella, Achroida grisella & Aphomia sociella    
Fliegen
(Diptera)
♦ Schwebfliegen (Syrphidae): Volucella bombylans
♦ Taufliegen (Drosophilidae): Cacoxenus indagator
♦ Fleischfliegen (Sarcophagidae): Miltogramma, Metopia, Macronychia, Brachycoma spp.
♦ Blumenfliegen (Anthomyidae): Leucophora, Eustalomyia spp.
♦ Dickkopffliegen (Conopidae): Sicus ferrugineus, Physocephala rufipes, Conops, Tecophora, Dalmannia, Myopa, Zodion spp.
♦ Raupenfliegen (Tachinidae)
♦ Wollschweber (Bombyliidae): Anthrax anthrax, Bombylius spp.
 
Hautflügler (Hymenoptera) ♦ Brackwespen (Braconidae): Syntretus splendidus ♦ Echte Schlupfwespen (Ichneumonidae): Ephialtes, Perithous spp.
♦ Erzwespen (Chalcidoidea): Torylidae, Eurytomidae, Leucospididae, Eulophidae
♦ Goldwespen (Chrysididae): Chrysis + Chrysura spec.
♦ Ameisenwespen (Mutillidae): Mutilla spec.
♦ Schmalbauchwespen (Gasteruptionidae): Gasteruption spp.
♦ Keulenwespen (Sapygidae): Sapyga, Sapygina spp.
♦ Kuckucksbienen: Ammobates, Ammobatoides, Biastes, Coelioxys, Epeolus, Epeoloides, Melecta, Nomada, Parammobatodes & Pasites, Psithyrus, Sphecodes, Stelis, Thyreus spp.
Säugetiere
(Mammalia)
    ♦ Bären (Ursidae)
♦ der Mensch (Homo sapiens)

Die Fortpflanzungsstrategien der Parasiten sind recht unterschiedlich, manche erinnern an Prädatoren:

Als Prädatoren ('Räuber') gelten Antagonisten ('Widersacher') der gängigen Definition nach erst dann, wenn sie oder ihre Larven a) die Vollinsekten (Imagines) ihrer Opfer erbeuten oder b) in deren Nester einbrechen und deren Wirtseier bzw. -larven und deren Proviant erbeuten. Die Bienenkäfer (Trichodes spec.) sind ein Beispiel für Antagonisten, die man zunächst für Parasiten halten könnte, sich durch den gewaltsamen Einbruch in die Brutzellen ihrer Wirte dann aber als Prädatoren entpuppen.

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