Macropis Macropis europaea europaea · Macropis fulvipes fulvipes


Schenkelbienen: Macropis fulvipes Zu Vergrößerungen der Fotos

Artname: Macropis fulvipes (Fabricius 1804)
Synonym: deutsch: "Gelbbeinige Schenkelbiene", "Waldschenkelbiene", "Gelbbeinige Schenkelbiene", "Braunbeinige Schenkelbiene"
Merkmale: W.: 8–9 mm; Kopf & Thorax schwarz und schütter gelbbraun behaart, auf dem "Buckel" (Mesonotum) aber schwärzlich; 1. & 2. Tergit glänzend schwarz und fast kahl, 3. & 4. T. mit weißen Endbinden, auf dem 3. T. mittig unterbrochen. Scopae an den Hinterbeinen hellgelb, Basitarsi aber innen & meist auch außen rotbraun behaart; Tibiae und Basitarsi des mittleren Beinpaars ebenfalls rotbraun. M.: 8 mm; Kopf & Thorax schwarz mit gelbgrauer Behaarung, gelbe Gesichtszeichnung; 3.–5. Tergit mit weißlichen Endbinden, auf dem 3. T. mittig unterbrochen; Femora & Tibiae der Hinterbeine verdickt; Tibiae beim äußeren Sporn spitz verlängert.
Verbreitung: Europa bis Süd-Finnland, ohne Großbritannien; ganz Deutschland.
Lebensraum: Waldränder & -lichtungen, Waldauen, Parks & Gärten in Waldnähe, wenn es in der Nähe Gilbweiderich-Bestände (Lysimachia) gibt.
Fortpflanzung:  selbstgegrabene Nester in verschiedenen Bodenarten in senkrechten Lehmwänden ebenso wie in Uferböschungen und Wiesenhängen: Hauptgang mit bis zu drei Seitengängen. Die Brutzellen enthalten einen aus Pollen und Öl geformten Proviant und sind mit einer wachsähnlichen Substanz versiegelt. Die Bienen überwintern als Ruhelarven im Kokon.
Kuckuck: vermutlich die Schmuckbiene Epeoloides coecutiens
Nahrung,
Nestproviant:
zum Öl- und Pollensammeln streng spezialisiert (oligolektisch) auf die Gattung Lysimachia (Gilbweiderich); unspezialisiert auf Nektarquellen.
Flugzeit: 1 Generation im Jahr (univoltin): Juni–Anfang (M) bzw. Ende (W) August.
Schenkelbiene Macropis fulvipes
Macropis fulvipes Weibchen an Lysimachia punctata · Solingen-Vockert, 14.07.2008

Der Artname dieser Macropis-Art nennt den entscheidenden Unterschied zur "europäischen" Gattungsgenossin: Die lateinische Silbe fulv bedeutet 'rötlichgelb' oder 'blond', und pes ist 'Bein' oder 'Fuß' – man denke an das Pedal oder den Spruch per pedes. Um Macropis fulvipes im weiblichen Geschlecht von Macropis europaea zu unterscheiden, achte man also vor allem auf die Hinterbeine: Der rot-braune untere Teil der "Hosen", also die lange puschige Behaarung des "Fersengliedes" (des Basitarsus), hebt sich von der hellen Schienen-Behaarung (der Scopa der Tibia) farblich deutlich weniger scharf ab als bei Macropis europaea, wo der Basitarsus schwarz behaart ist. Außerdem ist das mittlere Beinpaar von M. fulvipes deutlich heller behaart als bei M. europaea. Die Drohnen der beiden Arten sind kaum unterscheidbar, bei genauer Betrachtung der Enden der Hinterschienen erkannt man, daß diese an der Basis des äußeren Sporns bei M. europaea stumpf, bei M. fulvipes aber spitz sind; der Sporn sitzt also bei M. fulvipes auf der spitz verlängerten Tibia.

Macropis fulvipes, W an Lysimachia punctata   Macropis fulvipes, W an Lysimachia punctata
Macropis fulvipes Weibchen mit dem geringen Kontrast von gelblicher Scopa und rot-braunem Basiarsus, ...   ... außerdem mit hellerer Behaarung des 2. Beins · Solingen-Vockert, 14.07.2008

Die weibliche Schenkelbiene Macropis fulvipes ist wie M. europaea auf Gilbweiderich (Lysimachia) spezialisiert. Allerdings sammelt sie nicht nur am Gewöhnlichen Gilbweiderich (L. vulgaris) Pollen und Blütenöl, sondern vor dessen Blütezeit schon am Pfennigkraut (L. nummularia) und auch am Punkt-Gilbweiderich (L. punctata), einem Neophyten, der in unseren Gärten häufig kultiviert wird und auch an trockenere Standorte angepaßt ist. Hier erscheint die Gelbbeinige Schenkelbiene im Juni schon 2–3 Wochen vor Macropis europaea. An Lysimachia-vulgaris-Standorten, an denen beide Macropis-Arten vorkommen, sammelt Macropis fulvipes also erst in der zweiten Hälfte ihrer Flugzeit. Dennoch scheint Macropis fulvipes, die an waldige, kühlere Biotope angepaßt ist, seltener zu sein und zerstreuter vorzukommen als M. europaea.
    Da die genannten Gilbweidericharten keinen Nektar liefern, fliegen die Weibchen und Männchen zur Energieversorgung viele verschiedene Blüten an, etwa (nach Westrich) den Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum), den Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Brombeeren etc.

Macropis fulvipes, W an Lysimachia punctata   Macropis fulvipes, W an Lysimachia punctata
Macropis fulvipes: sammelndes Weibchen an ...   Lysimachia punctata · Solingen-Vockert, 13.07.2008

Macropis fulvipes, W an Lysimachia punctata   Macropis fulvipes, W an Lysimachia punctata
Sammelndes fulvipes-Weibchen an Lysimachia punctata ·   Zu Vergrößerungen der Fotos · Garten in Solingen-Vockert, 13.07.2008

Macropis fulvipes, W an Lysimachia punctata   Macropis fulvipes, W an Lysimachia punctata
Lysimachia punctata mit Weibchen auf ...   ... einer abgestürtzten Blüte · Solingen-Vockert, 14.07.2008 · Zu Vergrößerungen der Fotos

Lange Zeit hatte der Autor am Punkt-Weiderich (Lysimachia punctata), der in unseren Gärten häufig kultiviert wird, nie eine Schenkelbiene gesehen. Die einzigen Bienen, die dort gelegentlich sammelten, waren Lasioglossum calceatum Lasioglossum calceatum und eine weitere, sehr kleine Furchenbiene. Erst im Juli 2008 konnte er in einem Garten ein sammelndes Weibchen beobachten und fotografieren. Es handelte sich, wie er an einem Waldrand in der kühleren Solinger Südstadt auch erwarten dufte, um die seltenere Macropis fulvipes, obwohl er zur ghkleichen Zeit nur wenige hundert Meter entfernt in einer Waldlichtung auch Macropis europaea fotografieren konnte. Das Weibchen sammelte während mehrerer Tage in einem ca. 4 m² großen Punkt-Gilbweiderich-Bestand und verschwand mit Pollenladungen jeweils sehr schnell in der krautigen Vegetation unter einem Zierjohannisbeerstrauch, wo offensichtlich ihr Nest war. Da im selben Garten und wohl auch in der umliegenden Gärten auch Pfennigkraut (Lysimachia nummularia) wächst, ist dessen Nutzung nicht auszuschließen, gesichtet werden konnte die Schenkelbiene dort aber nicht. Bestände des Gewöhnlichen Gilbweiderichs (Lysimachia vulgaris) sind erst weit unterhalb dieses Gartens in der Wuppernähe zu erwarten.


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