Wildbienen-Gärten & Parks
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| Beispiel eines bienenfreundlichen Steingartens · Nettetal, Anfang Juni 2005 |
Die Fläche aller Gärten in Deutschland ist mindestens viermal größer als die aller unserer Naturschutzgebiete. Dieser bekannte Vergleich macht das große Potential der kleinen grünen Inseln in Privatbesitz deutlich. Natürlich helfen auch die besten Biogärten nicht jenen Arten wie Fisch- und Seeadler, Elch und Wolf, die nur in großräumigen Habitaten überleben können; flugfähige Insekten aber lassen oft schon mit einem ökologisch ausgerichteten Garten oder Gartenverbund in ihrem Bestand lokal stabilisieren. Die Nutzung unserer Gärten für den Bienenschutz ist also ein wichtiger Beitrag zum Natur- und Artenschutz. Hier ein paar Prinzipien der Biogarten-Gestaltung:
- Auch wenn es dem menschlichen Ordnungssinn mißfällt: Pflanzliche Vielfalt gedeiht schlecht auf spiegelglatten Flächen, ein natürliches Bodenrelief hingegen schafft unterschiedliche Bodenfeuchte, Licht- und Windexposition, die die gewünschte Artenvielfalt begünstigen. Also sollte also man auf die Einebnung aller Hügel und Senken verzichten und einen Hang nur so weit terrassieren, wie es für die Nutzung des eigenen Grundstücks unbedingt notwendig ist. Stützmauern sollten Trockenmauern aus Bruchsteinen sein, und schon ein nur 20 cm hoher Abstich schafft eine Mini-Steilwand, die von Wildbienen besiedelt wird.
- Grundsätzlich sollte man nur standortgerechte Blütenpflanzen einsetzen, also solche, die an die Boden- und mikroklimatischen Verhältnisse am Ort angepaßt sind; das Päppeln standortfremder Pflanzen entspricht nicht dem Naturschutz und führt zu Enttäuschungen.
- Optimal sind Pflanzen dann an den Standort des Gartens angepaßt, wenn die Natur selbst für seine Begrünung sorgt. Dennoch spricht nichts dagegen, die Natur etwas zu bevormunden und von den geeigneten (!) Pflanzen solche auszuwählen und zu fördern, auf die sich bestimmte Bienenarten spezialisiert haben. Es sollte sich aber immer um die Wildform handeln, nicht um Zuchtformen.
- Natur ist dynamisch. Sich selbst überlassen, würde ein Biogarten von Jahr zu Jahr unerwünschte Veränderungen zeigen: Manche Arten würden die Oberhand gewinnen, um bald von anderen ersetzt zu werden; schließlich würden sich Sträucher und Bäume breitmachen. Diese natürliche Sukzession ist eigentlich unproblematisch, da sie Pflanzengesellschaften zwar an einer Stelle verschwinden, aber an anderer Stelle in der Natur neu entstehen läßt. Da diese Dynamik im Siedlungsbereich unterbrochen ist, versucht ein Biogärtner, eine bestimmte, für seine Wildbienen optimale Entwicklungsstufe auf Dauer "einzufrieren".
- Ein Biogarten ist keine Dauerausstellung für die Nachbarschaft, um Fleiß und Ordnungssinn des Gartenbesitzers zur Schau zu stellen; sein Ziel ist vielmehr der Naturschutz und in zweiter Linie auch, ein Vorbild zur Nachahmung zu sein. Seine Pflege beschränkt sich also auf das für die Pflanzenvielfalt Notwendige. Das heißt: Auf Harken, Um- und Ersetzen von Pflanzen und das Abschneiden von Blättern und Blüten sollte man verzichten, um nicht Boden- und Stengelnester zu zerstören. Schneidet man dicke markhaltige Stengel etwa von Königskerzen dennoch ab, sollte man sie einzeln senkrecht an einem Zaun anbinden und das obere Ende abschneiden, um vor allem Solitärbienen den Zugang zum Mark zu ermöglichen.
- Eine Wildblumenwiese ist ein besonderes Biotop, denn es läßt sich oft nur schwer herstellen und noch schwerer erhalten, und das Arteninventar ist kaum steuerbar. Eine überdüngte Fettwiese sollte durch mehrmaliges Mähen und schließlich das Entfernen der Grasnarbe ausgemagert werden, bevor eine geeignete Wildblumenmischung ausgesät wird, wie Wildpflanzen-Gärtnereien sie anbieten. Wenn es dann im ersten Jahr gelingt, ein buntes Blütenmeer zu kreieren, ist der schöne Schein dennoch oft nur von kurzer Dauer: Weniger gut angepaßte Arten kümmern, andere verschwinden, wieder andere setzen sich durch, und schon im nächsten Jahr stellt sich ein – hoffentlich akzeptabler – standortüblicher Normalzustand ein. Um diesen zu erhalten, sind zwei Grundsätze zu beachten: Um das Wachstum und Blühen der verschiedenen Kräuter nicht zu stören, ist nur zwei- bis dreimal im Jahr und nicht zu tief über dem Boden zu mähen, und alles Mähgut ist zu entfernen, damit der Boden nicht gedüngt wird; der Nährstoffeintrag über die Luft ist ohnehin hoch genug.
Falls sich der Boden als zu nährstoffreich erweist und Gräser die Wildblumen verdrängen, hilft nur eine mit heimischen Jungpflanzen bestückte sog. Wildblumenmatte, die den nährstoffliebenden (nitrophilen) Unterwuchs erstickt.
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| Frühsommer mit Glockenblumen, Mohn etc. |
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Hochstauden sind auch Nistplätze |
Ein Wildbienen-Park
Von 1850 bis 1956 baute man am Eskesberg in Wuppertal in zwei Steinbrüchen den begehrten Kalkstein ab. Anschließend wurden die bis 30 Meter tiefen Gruben als Deponie genutzt und nahmen 2,5 Millionen Kubikmeter Hausmüll, Boden und Bauschutt auf. Nach der Stillegung der Deponie 1972 konnte man in den 1980er Jahren im Grundwasser aus den Deponie-Abfällen gelöste Schadstoffe nachweisen. Deshalb wurde die Deponie 2004 und 2005 mit Kunststoffbahnen abgedichtet (50.000 m²), um ein weiteres Auswaschen umweltschädlicher Stoffe zu verhindern.
Parallel dazu erklärte und entwickelte man das Gelände 2005 zu einem Naturschutzgebiet der besonderen Art: Zunächst wurde eine 1 Meter dicke, aber ungleichmäßig profilierte Schicht aus humus- und nährstoffarmen sowie kalk- und steinreichen Rohböden aufgetragen. Diese wurden durch lehmige und sandig-kiesige Böden und zwei Feuchtgebiete ergänzt und strukturiert. Schließlich wurde auf Teile der Rohböden Heumulch gestreut, bevor das Gebiet der natürlich Besiedlung überlassen wurde. Eigentlich tat man also das Gegenteil dessen, was Grünflächen-Architekten und private Gärtner sonst tun. Gerade deshalb aber entwickelt sich der Eskesberg seither zu einem Rückzugsraum für seltene Pflanzen und Tiere, die Naturschützer und Schulklassen 2008 mit einer großen Nistwand für holzbewohnende Bienen- und Wespenarten förderten.
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| Das neue Naturschutzgebiet vor der Siedlung Eskesberg in Wuppertal-Cronenberg · Mai 2008 |
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| Info-Tafel am Weg durch das NSG zur Siedlung |
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Rohbau einer Wildbienenwand am Siedlungsrand |
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| Steingarten mit Lavendel, Lichtnelke, Wollziest, Königskerze etc. und Nisthölzern |