Bauhinweise für Wildbienenstände
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Wildbienenstände bzw. -wände liegen im Trend, und dazu hat auch diese Website einen kleinen Teil beigetragen: Jedes Jahr fragen Botanische Gärten, Gartenämter, Vereine etc. nach Bauanleitungen, Tips und sogar Adressen von Auftragnehmern. Nun sind Größe und "Design" einer repräsentativen Nistwand nicht standardisiert, sondern nur von den örtlichen Gegebenheiten und Geschmack und Geldbeutel abhängig, so daß eine zentimetergenaue Bauanleitung hier deplaziert wäre; die folgenden Hinweise sind deshalb meist allgemein und konzentrieren sich auf den Bau einer langen Wildbienen-Nistwand, wie sie sich für öffentliche Gärten empfiehlt, ohne Alternativen auch für kleinere Wildbienenstände zu vernachlässigen:

1. Fundament und Anker

Wer viele Jahre lang Freude an einer Nistwand haben will, kommt um das Gießen eines Fundaments nicht herum: In den Boden eingegrabene oder geschlagene Pfähle tragen nur ein geringes Gewicht, würden bald schief stehen und faulen. Die Länge des Betonfundaments sollte der des Daches entsprechen, die Breite in etwa der doppelten Wandstärke (ca. 40 cm). Die Tiefe sollte zumindest im Bereich der Ankerpunkte ebenfalls 40 cm betragen. Zwischen den Ankerpunkten kann man neue oder schon benutzte Steine (Bauschutt) einmauern – sie helfen, Beton zu sparen.

Ein Betonfundament verhindert aufsteigende Nässe. Manche "Bauherren" stellen die Eichenbalken deshalb direkt in den frischgegossenenen Beton. Das Faulen wird so zwar verlangsamt, aber nicht unterbunden, da der Regen schließlich doch zwischen Beton und Holz seinen Weg findet. Sicherer sind schwere U- oder L-förmige Metallanker oder sogar Metallhülsen, die einen Pfosten allseitig umschließen: Sie werden in den feuchten Beton gedrückt und sorgfältig mit der Wasserwaage ausgerichtet. Je nach Konstruktion sind es zwei oder vier, ihre Abstände zueinander ergeben sich insbesondere aus der Breite der zentralen Wildbienenstand: Lehmwand Lehmwand. Für die Verschraubung sind dicke Edelstahl-Schloßschrauben und -muttern vorzuziehen.

Nistwand: Fundament   Nistwand: Anker
Fundament eines kleinen Bienenstandes. Die Steine helfen, Beton zu sparen.   Metallhülse für genormte Pfosten; für Balken und Rundhölzer gibt es Anker in U- und L-Form – manche sogar in Edelstahl!


2. Rahmen: Pfosten oder Baumstämme?

Für den Rahmen, insbesondere seine Außenelemente, sind zwei Entscheidungen zu fällen: Vierkant-Pfosten oder Baumstämme, und davon zwei oder vier? Für einen kleinen Wildbienenstand ohne Lehmwand können schon zwei mindestens 9 cm dicke Pfosten ausreichen, zwischen denen einige "Regalbretter" die gewünschten Nisthilfen aufnehmen. Hingegen sollte man lange Wildbienenwände mit einer auf dem Boden stehenden großen Lehmwand aus ca. 20 cm dicken Eichenstämmen (Stammabschnitten) errichten, die der Wand zudem ein natürlicheres, "uriges" Aussehen verleihen (siehe Foto). Ideal sind vier Stammabschnitte; der Abstand der beiden mittleren Rundhölzer zueinander sollte ca. doppelt so groß sein wie der Abstand zwischen den Innen- und Außenstämmen. Die senkrechten Rundhölzer bzw. Pfosten werden mit weiteren Hölzern stabilisiert und strukturiert: Während man zwischen (quadratischen) Pfosten weitere, gleichartige Pfostenstücke oder Holzbohlen schraubt, machen sich zwischen mächtigen Eichenstämmen dicke Eichenäste am besten. Die Eichenstämme bzw. Posten sind an ihren unteren und oberen Enden für die Aufnahme der Metallanker und des Daches vorzubereiten.

Wildbienenwand: Rahmen
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3. Rückwand mit Infotafeln

Beim Anschrauben der Baumstämme bzw. Balken auf die Anker wie auch beim Einsetzen und Verschrauben der Verbindungsäste bzw. -balken ist darauf zu achten, daß alle Elemente an ihren Rückseiten bündig sind, also an der Rückwand möglichst fugenlos anliegen. Die Rückwand kann aus gehobelten Naturholzbrettern bestehen, die nahtlos auf die Rückseite der künftigen Nistwand geschraubt und vielleicht sogar – natürlich umwelt- und bienenschonend – lasiert werden; die haltbarste Variante ist hingegen eine mindestens 12 mm starke Siebdruckplatte: eine wetterfest verleimte und schwarz kunststoffbeschichtete Sperrholzplatte, deren Schnittflächen man zusätzlich mit schwarzem Lack abdecken sollte. Siebdruckplatte hat allerdings zwei Nachteile: Sie ist nicht nur das beste, sondern auch das teuerste Material, und sie läßt sich unter Umständen nicht in einem Stück transportieren. Wenn sie in drei Teile zersägt werden muß, um in einem Fahrzeug verstaut werden zu können, müssen die Schnittlinien genau den unregelmäßigen Konturen der Baumstämme folgen.
    Wenn die Bienenwand nicht gerade dicht vor einer Mauer steht, kann und sollte man ihre Rückwand für Info-Zwecke nutzen, also für Foto- und Infotafeln Infotafeln, die man selbst erstellen oder in wetterfester Qualität auch herstellen lassen kann.

Wildbienenwand mit zwei Infotafeln   Wildbienenwand mit vielen Farbtafeln
Eine Rückwand aus gehobelten Naturholz-Brettern und Rahmenleisten und mit zwei Infotafeln   Rückwand aus drei Siebdruckplatten, die nicht auf, sondern zwischen die Stämme geschraubt wurden.


4. Dach und Dachdeckung

Der Dachtyp ist im Grunde unerheblich: Ein Satteldach "macht sich besser", aber nicht leichter und billiger; ein einfaches schwach geneigtes Flachdach ist leichter herzustellen, preiswerter und sogar zweckmäßiger, wenn man eine Begrünung beabsichtigt. Die Länge sollte der des Fundament entsprechen, die Breite (Tiefe) sollte bis zu einem Meter betragen und so verhindern, daß die Lehmwand bei einem üblichen Schauer oder Dauerregen naß wird; von Windböen gegen die Wand gepeitschter Regen ist allerdings auch mit einem noch breiteren Dach kaum zu verhindern. Je nach Größe und Belag (Erde, Ziegel) kann das Dach recht schwer werden, weshalb es stabil und sicher zu befestigen ist:

Wildbienenwand in Solingen: Dach
Einfache Dachkonstruktionen aus Brettern. Eine Folie darauf ermöglicht die Begrünung.
Wildbienenwand in Wuppertal Eskesberg: Dach

Es gibt viele Möglichkeiten, das Dach einer Nistwand zu decken:

Schilfdach   Dach aus "Strangfalzziegeln"
Schilf: ein Paradies für Löcher-, Scheren- & Maskenbienen   Solche "Strangfalzziegel" bieten Schutz und zugleich Niströhren für Mauerbienen


5. Lehmwand

Den größten Teil einer großen, symmetrisch konstruierten Vier-Balken-Nistwand nimmt die Lehmwand zwischen den mittleren Rundhölzern ein: Sie reicht in der Regel bis auf den Boden und ist das Nistsubstrat für Pelzbienen und Lehmwespen, auch Mauerbienen. Das Problem einer solch gut einen Meter hohen senkrechten Lehmwand ist ihre Stabilität: Der Lehm ist nicht gewachsen, also nicht so dicht verbunden wie in einer natürlichen, gewachsenen Lehmwand, aus der ja auch immer wieder Teile abbröckeln. Also sind Maßnahmen zu ihrer Stabilisierung nötig. Es gibt drei Methoden, eine formstabile Lehmwand aufzubauen:

  1. Fachwerk-Wand mit Weidengeflecht

    Die traditionelle Bauweise einer Lehmwand ist bekanntlich einer Fachwerkwand, deren Lehmfüllungen durch Weidengeflechte und gehäckseltes Stroh im Inneren und weißen Putz außen gestützt und stabilisiert werden. Auf Putz und Stroh müssen wir jedoch verzichten, da sie Bienen am Graben hindern. Für eine solche bienenfreundlich abgespeckte Fachwerkwand gilt noch mehr als für eine echte: Je höher sie sein soll, desto dicker muß sie sein; die Empfehlung einer Wandstärke von mindestens 15 cm (besser 20 cm) soll auch verhindern, daß Pelzbienen beim Graben an die Rückwand stoßen. Sorgfältig gebaut, kann eine weidenarmierte Fachwerkwand viele Jahre halten – ohne stabilisierendes Stroh und schützenden Putz und mit dem gewünschten Bienenbesatz aber hält eine Lehmwand natürlich deutlich weniger. Wie die Fotos zeigen, kann selbst ein in den Lehm eingearbeiteter Maschendraht den Zerfall nicht aufhalten. Also sind immer wieder Reparaturen nötig, die sich aber kaum ohne Gefährdung der Bienenbrut realisieren lassen.
        Wer sich trotz dieser Nachteile zum Bau einer Fachwerkwand entschließt, sollte ihre Gefache nicht zu groß planen und durch die typischen schwarzen Balken wenigstens ihr traditionelles äußeres Erscheinungsbild anstreben. Die richtige Bauzeit ist der Sommer des Vorjahres, da Lehm mehrere Wochen zum Trocknen braucht.

    Lahmwand mit Kaninchendraht   Lehmwand 2 Jahre später
    Der Maschendraht hat seine Funktion eingebüßt.   Zwei Jahre später hält er nur noch Lehmbrocken.
  2. Wand aus gebrannten und ungebrannten Ziegeln

    Die Stabilität einer gewachsenen Lehmwand läßt sich auch mit ungebrannten Lehmziegeln aus dem (ökologischen) Baustoffhandel erzielen. Die Ziegel werden sorgfältig mit der Wasserwaage ausgerichtet in feuchtem Lehm gesetzt; die Lehmfugen dürfen etwas breiter sein als üblich: Pelzbienen nisten vorzugsweise in den Fugen, aber natürlich auch in den Ziegeln, wenn man in diese kurze 8 mm breite Löcher vorbohrt. Um aufsteigende Bodenfeuchte zu verhindern, sollte man für die ersten beiden Lagen gebrannte Ziegel verwenden und in Beton mauern. Werden nur gebrannte Ziegel verwendet, sollten die Lehmfugen besonders breit sein.
        Anders als die anderen vorgestellten Lehmwände kann eine Ziegelwand notfalls schon an ein paar warmen Apriltagen errichtet werden mit der Aussicht, vielleicht schon wenige Tage später von Pelzbienen auf Nistplatzsuche entdeckt zu werden.

    Ungebrannte Lehmziegel, ungelocht   Ungebrannte Lehmziegel und Lehmputz mit Löchern
    Ungebrannte Lehmziegel (noch ungelocht); Pelzbienen graben vorrangig in den Fugen.   Unten gebrannte Ziegel als Saugsperre; oben ungebrannte Lehmziegel, auch mit Löchern.
  3. Wand aus Lehmcontainern

    Die stabilsten Lehmwände lassen sich erzielen, wenn der Lehm statt eines inneren Weiden-Skeletts ein äußeres Stützkorsett erhält, das die große Lehmfläche in kleinere Einheiten unterteilt. Geeignet sind stapelbare Container aus Beton, Eternit, gebranntem Ziegel und Holz:

    Pflanzsteine mit Lehmfüllung   Weinlagersteine bzw. -ziegel als Lehm- und Stengelcontainer
    Pflanzsteine – hier mit wellemnförmigem Außenprofil – als Lehmcontainer   Weinlagersteine bzw. -ziegel als Lehm- und Stengelcontainer (suk)

    Wildbienenhauswand mit Lehmfächern
    Dieses gro▀artige Wildbienenhaus weist zwei Besonderheiten auf: zwei verschiedene Lehmcontainer (selbstgegossene Betonkübel und Weinlagerziegel) und ein Dach aus preiswerten Lärchenbohlen (suk)

Lehm oder Ton läßt sich natürlich preiswert aus einer Baugrube in der Nähe gewinnen, wenn der Boden dort lehmig bzw. tonig und halbwegs steinfrei und der Bauherr einverstanden ist. Vor dem Befeuchten bzw. Anrühren des Lehms müssen alle Steine aussortiert werden. Beim Befüllen von Lehmcontainern ist zu beachten, daß Lehm beim Austrocknen umso mehr schwindet und umso härter wird, je nasser er verarbeitet wird. Als Folge des Schwundes löst sich der Lehm vom Rand, so daß man später nassen Lehm in die Lücken drücken muß. Vermeiden lassen sich die Lücken, wenn man mehrere Tage hintereinander den Lehm mit einem Hammer und einer dicken Holzplatte staucht. Die Besiedlung einer harten Lehmwand wird etwa Pelzbienen sehr erleichtert, wenn man eine Anzahl Löcher vorbohrt (Ø 8 mm, ca. 15 mm tief).
    Weniger hart wird "Lehm-Oberputz", der im Naturbaustoffhandel erhältlich ist. Dieses feinkörnige Material muß nur noch angerührt werden und schwindet durch Faserbeigaben kaum. Langjährige Erfahrungen stehen allerdings noch aus.


6. Nisthölzer & -ziegel

Ein Nistwand sollte nicht nur aus Lehm bestehen, sondern auch die Holz- und Stengelbewohner berücksichtigen. Die Wandfläche um eine große, zentrale Lehmwand herum kann mit den verfügbaren Nisthilfen durchaus nach ästhetischen Gesichtpunkten gestaltet werden. Zunächst setzt man probeweise die größten Baumscheiben und Pfostenstücke sowie Nistztiegel ein und dann die kleineren Elemente. Ist man mit seiner Komposition zufrieden, nimmt man jeweils ein Element heraus, bohrt an dieser Stelle mit dem Akkuschrauber ein Loch durch die Rückwand und bohrt ein zweites Mal von hinten durch das Loch in die Hartholz-Nisthilfe, bevor man sie (vorzugsweise mit einer Edelstahlschraube) von hinten anschraubt. Hilfreich dabei ist eine zweite Person, die währenddessen von vorn gegen das Nistelement drückt.
    Spezielle Bienenniststeine sind sehr witterungsbeständig und lassen sich ebenfalls von hinten andübeln, wenn man sie durch ein Loch in der Rückwand des Bienenstandes hindurch markiert und dann im Bohrständer an der markierten Stelle vorsichtig mit dem Steinbohrer ein Dübelloch bohrt. Da Nistziegel weniger tief sind als Baumscheiben, kann man sie allerdings auch auf ein Stück Holz kleben und dieses dann durch die Rückwand hindurch anschrauben.

Wildbienenwand: Baumscheiben als Nisthölzer   Wildbienenwand: Nisthölzer & -ziegel
Baumscheiben und hohle Stengel. Etliche der Löcher sind durch Risse leider unbrauchbar.   Nistziegel sind witterungsresistent; es gibt sie mit und ohne Schräge sowie ziegelrot und sandfarben.


7. Hohle Niststengel

Alle verbleibenden Lücken werden schließlich mit ca. 12 cm langen Stengeln ausgefüllt. Durch die Kombination von Massivholz und Ziegeln einerseits und dünnen und dicken Stengeln andererseits lassen sich – ähnlich einem Mosaik – interessante Muster realisieren. Geeignet sind hohle Stengel vor allem von Bambus, Brombeere, Holunder und Schilf und auch kommerzielle Pappniströhrchen unterschiedlichen Innendurchmessers. Mark läßt sich mit dem Akkubohrer vor oder nach dem Einsetzen der Stengel leicht aus diesen entfernen. (Lange markhaltige Stengel sollte man senkrecht oder schräg etwa an Zäunen festbinden; sie dienen jenen Arten als Nistplätze, die sich selbst in das Mark eingraben.)
    Wichtig ist, daß die Stengel nicht nur festklemmen, sondern zusätzlich an ihren hinteren Enden an die Rückwand geklebt und möglichst auch noch untereinander mit wasserfestem Weißleim verbunden sind, damit sie sich nicht von Vögeln oder Kindern leicht aus der Nistwand ziehen lassen. Wer die Stengel lieber einzeln oder in Gruppen fixieren will, kann sie in eine dicke Spachtelmasse oder in feuchten Lehm stecken; die Haltbarkeit solcher "Gestecke" ist allerdings begrenzt ...

Wildbienenwand: Niststengel, 1   Wildbienenwand: Niststengel, 2
Eng zwischen Baumscheiben eingeklemmt und geleimt lockern sich hohle Stengel nicht!   Hohle Stengel, locker in Lehm fixiert. Die großen Löcher sind schon von Mauerbienen besiedelt.



Extra: eine kleine Bauholzkunde

Rundholzentastete, entrindete oder rundgeschälte Baumstämme bzw. Stammabschnitte
 • Pflockan einem Ende zugespitztes, meist zylindrisches Stück Holz
 • Pfahldicker Pflock
Pfostenrundes oder eckiges Schnittholz; Vierkant-Pfosten mit quadratischem Querschnitt (ab 9x9 cm) werden als "Zaunpfosten" verkauft, sind aber auch anderweitig einsetzbar.
KantholzBauholz mit vier im rechten Winkel zueinander stehenden Flächen
 • BalkenKantholz, dessen längere Seite mindestens 20 cm mißt.
 • BohleSchnittholz mit mind. 40 mm Dicke und einer Breite von mind. der zwei- oder dreifachen Dicke
 • BrettBauschnittholz mit einer maximalen Dicke von 40 mm und eine Breite von mindestens 80 mm
 • Latteschmales "Brett" mit bis 40 mm Dicke, aber (im Gegensatz zum Brett) nur bis 80 mm Breite

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