Wildbienen-Nisthilfen
- Wir haben im Garten Baumscheiben von einem kürzlich gefällten Baum und haben uns nun überlegt, daraus Nisthilfen zu basteln. Wie groß (breit und tief) müssen die Bohrlöcher sein, wo sollte man die Baumscheiben aufhängen etc. Für Tips aller Art sind wir dankbar!
- Ich habe von "Niststeinen für Bienen" gelesen. Sind die genauso brauchbar wie Nisthölzer (Baumscheiben etc.)?
- Ich habe im Frühjahr ein Wilbbienen-Hotel an unser Gartenhäuschen gehängt. Es wurde sehr gut angenommen. Heute habe ich nun festgestellt, daß ein hungriger Vogel (bei uns gibt es auch Spechte) fast alle Löcher aufgepickt hat. Ist nun alles hin, und wie kann ich das Bienenhotel vor solchen Angriffen schützen? Meine Kids sind ganz geknickt, da sie sehr fasziniert von den Bienen waren.
- An einem meiner bislang gut besuchten Holz-Nistblöcke haben Meisen viele Lehmdeckel aufgepickt. Sie kommen aber kaum an die gefüllten Brutzellen heran. Soll ich die Zellen mit irgendwas (z. B. Lehm) wieder verschließen, bevor ich ggf. Maschendraht anbringe?
- Im letzten Jahr hatten wir Bienen im Gartenhaus, jetzt haben wir einen hübschen Nistziegel, in dem inzwischen fast alle Löcher zugemauert sind. Leider kann ich nicht bestimmen, welche Art da nistet, würde es aber gerne unserer kleinen Tochter erklären.
- Viele Nistlöcher sind geöffnet, aber die Bienen füllen sie nicht wieder. Aktuell sind es nur noch ca. 6–10 Bienen, die fleißig arbeiten. Soeben habe ich an geöffneten Nistlöchern viele kleine Milben o. ä. an den Nistlöchern entdeckt. Macht dies den Bienen etwas aus?
- Wir haben eine Nisthilfe für Bienen aus verschieden großen Bambus-Röhrchen. Ein paar Bienen sind im Sommer eingezogen, und jetzt im Herbst habe ich das Bienenhaus für den Winter 'reingeholt und gereinigt, damit im nächsten Jahr wieder Bienen einziehen können. Die von Bienen bewohnten Röhrchen waren mit Erde verklebt. Beim Säubern ist da noch eine Biene mit rausgefallen, sie war in einer Art Kokon, und ich habe sie rausgeschält, weil ich sie für tot hielt. Dann hat sie aber doch noch ganz schwach ein Beinchen bewegt. Ich glaube, sie ist inzwischen gestorben. Was hat die Biene noch in dem Röhrchen gemacht? Bleiben die Tiere den Winter über darin?
- Als Nisthilfe habe ich gebohrte Baumscheiben. Wann kann ich die benutzten oder nicht geschlüpften Nestgänge wieder sauber ausbohren? Denn entweder schlüpfen gerade welche, oder es werden gleichzeitig schon wieder Nester verschlossen!
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| Nistziegel auf Siebdruckplatte |
Die zitierten Fragen werden immer wieder von Naturfreunden gestellt, die Wildbienen mit Nisthilfen in ihren Gärten, auf ihren Balkonen etc. ansiedeln wollen.
- Nisthölzer: Von den vielen Holzsorten kommen für Bienen-Nisthilfen nur Harthölzer in Frage, also Eiche, Esche, Buche und Obstbäume; Nadelhölzer sind im Vergleich recht weich und grundsätzlich ungeeignet, da deren grobfaseriges Weichholz glatte Innewände der Bohrlöcher verhindert und zudem durch Feuchtigkeit quillt und dann Larven und Kokons zerdrücken könnte. Baumstammstücke und Balken sind besser als Baumscheiben, da in diesen schneller und mehr Risse entstehen, die die Bohrlöcher unbrachbar machen. Vor dem Bohren müssen die Hölzer mehrere Monate lang trocknen, was zu einem Schwund des Holzes führt; Scheiben mit vielen Rissen sind anschließend auszusortieren. Geeignete Bohrer sind in erster Linie Holzbohrer, aber auch HSS-Bohrer, vor allem für Zwischengrößen (z. B. 3,5 mm). Die Bohrlöcher sollten Durchmesser von 2,5 bis 8 mm (oder 9 mm) aufweisen und mindestens zehnmal so lang wie breit sein; d. h. man bohrt einfach jeweils bis zum Bohrfutter der Bohrmaschine.
- "Niststeine": "Niststeine" werden zwar nicht ganz so gerne angenommen wie Nisthölzer, sind jedoch durchaus empfehlenswert, wenn es sich um Ziegel handelt, die speziell für Solitärbienen und -wespen mit verschiedenen Durchmessern gelocht und mit knapp 1000° Celsius gebrannt wurden.
- Hohle Stengel: Wer Nisthilfen mit hohlen Stengeln, Halmen etc. anbietet, sollte für verschiedene Innendurchmesser sorgen. Geeignet sind 12–20 cm lange Stücke z. B. von Brombeerranken, Holunderstecken, Königskerzenstengeln und Bambusröhren sowie Schilfhalme und speziell für Nisthilfen angebotene Pappröhrchen. Alle Stengel, Halme etc. müssen waagerecht gestapelt und am vorderen Ende offen, am hinteren Ende aber verschlossen sein; man drückt sie also gegen die Rückwand der Nisthilfe und plaziert dabei die Knoten von Grasarten (Bambus, Schilf) nach hinten. Eventuell vorhandenes Mark ist aus den Stengeln (z. B. mit einem Akkuschrauber) zu entfernen, markhaltige Stengel – etwa von Brombeeren oder Königskerzen – eignen sich nämlich als Nisthilfen nur, wenn sie senkrecht (und möglichst einzeln) angebracht werden.
- Standort: Mit einem Aufhänger versehen, sollten die Nisthilfen an einem trockenen, warmen und möglichst sonnigen und nicht zugigen Standort z. B. an eine Wand gedübelt werden. Zwar nehmen einige Bienen auch Nisthilfen etwa an der Westseite eines Hauses oder im Schatten an, südlich ausgerichtete Nisthilfen, die viele Stunden der Sonne ausgesetzt sind, werden aber bevorzugt besiedelt. In Bäume gehängte, also beschattete und im Wind baumelnde Nisthilfen werden in der Regel nicht besiedelt.
- Schutz: Meisen und Spechte ernähren ihren Nachwuchs u. a. mit proteinhaltigen Larven und Raupen, verschmähen also auch Bienenlarven nicht, wenn sie die Nistgänge erst einmal entdeckt haben. Während Spechte mit ihren mächtigen Schnäbeln eine ganze Nisthilfe aus Holz und sogar (zu weichem) Holzbeton ruinieren können, hacken Meisen an Holzblöcken und Nistziegeln oft nur die lehmigen Nestverschlüsse auf und gucken dann quasi "in die Röhre", weil Mauerbienen instinktiv die vorderste Zelle direkt hinter dem Deckel leer lassen. Wenn Meisen allerdings Niströhrchen ausräubern wollen, ziehen sie oft genug die ganze Röhrchen aus der Nisthilfe. Abhilfe dagegen schafft ein Stück Maschendraht, der grobmaschig genug ist, die Bienen beim Anflug nicht übermäßig zu behindern, aber engmaschig genug, einer Meise den Zugang zu verwehren; 10 oder 12 mm sind also zu eng.
- Bestimmung: Bienenarten lassen sich häufig nicht nur nach ihrem Äußeren bestimmen, sondern auch nach der Größe, Form und Farbe ihrer Nestverschlüsse in natürlichen Höhlungen und künstlichen Nisthilfen. Dafür gibt es zu den
Artenportraits eine Bestimmungsseite und zusätzlich ein
-Faltblatt zum Ausdrucken.
- Milben: Zu einem stärkeren Milbenbefall kommt es nur selten. Ein zu hoher Parasitendruck kann aber die Ursache einer abnehmenden Besiedlung sein. Wenn man eine von Milben stark befallene Nisthilfe für ein Jahr aus dem Verkehr zieht, können sich die Plagegeister nicht weiter vermehren. Wenn während oder nach dem Ausfliegen der letzten Bienen eine erneute Besiedlung unterbunden wird (siehe unten), ist sogar das Säubern einer Nisthilfe vertretbar. Dies ist gefahrlos natürlich erst ab dem Hochsommer möglich, wenn alle Bienenarten ausgeflogen sind.
- Reinigung? Die Autoren der letzten beiden Anfragen haben den Zweck von Nisthilfen überhaupt nicht verstanden: Nisthilfen sind nicht primär Wohn- oder Übernachtungsgelegenheiten, sondern sollen, wie das Wort sagt, Bienen zum Zwecke der Fortpflanzung Nistmöglichkeiten bieten, die es in der Natur immer seltener gibt. (Bezeichnungen wie "Bienenhotel" oder "Insektenhotel" sind daher irreführend.) Aus den Nisthilfen schlüpft erst im Frühjahr oder Sommer des nächsten Jahres der Nachwuchs, der die Arterhaltung sichert. Das "Säubern" von Nistgängen (Bohrungen, Röhrchen) vernichtet folglich den Bienennachwuchs und ist somit sogar ein Rechtsbruch, da das Bundesnaturschutzgesetz es verbietet, wildlebende Tiere der besonders geschützten Arten einschließlich ihrer Entwicklungsformen zu fangen, zu verletzen, zu töten.
Natürlich ist nicht jede Bienenbrut erfolgreich, aus unterschiedlichen Gründen sterben immer einige Larven ab, so daß im Laufe der Jahre immer mehr Nestverschlüsse ungeöffnet bleiben. Wer nun Grund hat zu vermuten, in einem Nistblock könnte kein Leben mehr sein, kann ihn im Frühling in eine Kiste mit einem ca. €-großen Loch stellen. Eventuell noch lebende Bienen schlüpfen dann und fliegen durch das Loch ins Freie. Wenn die Nistgänge der Nisthilfe vom Kistenloch abgewandt sind, werden sie z. B. von Mauerbienen, die die Kiste neugierig inspizieren, nicht entdeckt. Im Herbst dürfen die Nistgänge dann ausnahmsweise einmal gereinigt werden.
Das Säubern bzw. Ausbohren eines Nistganges ist in der kalten Jahreszeit auch dann angezeigt, wenn der Nistgang im Herbst offen ist und sich Nistmaterial (Lehm), Pollen etc. darin befinden: Vor allem die attraktive Mauerbiene Osmia cornuta nimmt Anstoß an hervorstehenden Fasern ebenso wie an Resten einer alten Bienenbrut, bevorzugt also frische Nistgänge bzw. Nisthilfen. Statt sich also jedes jahr eine neue Nisthilfe zu basteln oder zu kaufen, sollte man offene Nistgänge mit einem Pfeifenreiniger oder Akkuschrauber säubern.
Weitere Informationen über Bienen-Nisthilfen aller Art gibt es unter
Wildbienenschutz.