Wildbienen: Bienensterben

Wenn von "Bienensterben" die Rede ist, sind verschiedene Phänomene gemeint, und meist werden sogar Honigbienen und Wildbienen verwechselt. Die Medien berichten überwiegend über die Verluste unter den Honigbienenvölkern der Imker, erzeugen aber durch Begriffe wie "Bienenseuche", "Bienensterben", "Bienenvölker" etc. den Eindruck, vom Bienensterben seien alle Bienenarten betroffen oder es gebe überhaupt nur Honigbienen. Von der prekären Situation der Wildbienen ist in den seltensten Fällen explizit die Rede. Eine Lokalzeitung (Solinger Tageblatt) z. B. schrieb am 19.05.2008 über ein Imkerfest: "So erfuhren Interessenten, dass alle Bienenarten außer den Wildbienen Honig produzieren [...]." In Europa gibt es allerdings nur eine Honigbienenart, in Deutschland allein aber ca. 555 Wildbienenarten ...

1. Honigbienensterben

Daß Honigbienenvölker sterben, ist nicht neu, und seit Menschen imkern, gehören auch sie zu den Verursachern dieses Sterbens. Lange Zeit allerdings war die Imkerei naturverträglich und schadete der heimischen Honigbiene nicht, durch Menschen, Bären, Parasiten und ungünstige Witterung verursachte Verluste unter Honigbienenvölkern konnte die Natur schnell ausgleichen. Mittlerweile hat sich das dramatisch geändert:

2. Wildbienensterben

Es ist typisch für unsere Zeit, daß ein anderes Bienensterben kaum Erwähnung findet: das der Wildbienen. Schaut man sich die umfangreichen Artenlisten an, die schon die Taxonomen des 18. und 19. Jahrhunderts zusammengetragen haben, so findet man viele der damals gesammelten und beschriebenen Arten in heutigen Kartierungsberichten nicht mehr wieder, andere füllen die Roten Listen der bedrohten Tierarten. Der wilden Honigbiene, die vorsätzlich ausgerottet wurde, folgten schnell viele andere Wildbienen, die meisten von ihnen Solitärbienen, deren Weibchen jede für sich, also ohne Arbeiterinnen, für Nachwuchs sorgen. Noch auffälliger als bei der Artenzahl, die der Laie kaum beurteilen kann, ist der Schwund bei der Anzahl der Individuen: Wildbienen kamen in früheren Zeiten zu Abertausenden auf dem Land und in den Dörfern vor, sie gehörten einfach dazu; heutzutage geraten Zivilisationsmenschen schon in Panik, wenn ein paar Bienen im Rasen, im Sandkasten oder im Ikearegal nisten (siehe oben). Die Gründe für das Massensterben bzw. die Ausrottung der Wildbienen sind neben wirtschaftlichem Egoismus Dummheit, unreflektierte Angst und pervertierte "Ordnungsliebe".
    Von den Krankheiten der gezüchteten Honigbienen (Varroamilbe etc.) sind Wildbienen (Solitärbienen, Hummeln) zum Glück nicht betroffen; die urspüngliche Wildform der Honigbiene würde, wenn man sie wieder im deutschsprachigen Raum verbreitete, auch von Parasiten befallen werden, aber vermutlich besser mit diesen klarkommen, da sie robuster ist als die Zuchtform.


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