Wildbienen-Neuigkeiten

Die Nachrichten dieser Seite werden unsystematisch gesammelt. Wer auf weitere interessante Neuigkeiten für Wildbienenfreunde stößt, ist eingeladen, sie an diese Website weiterzuleiten!

24.  Ohne Zulassung kein "Gen-Honig" (06.09.2011)
Honig, der gentechnisch veränderten Pollen enthält, darf nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nur vertrieben werden, wenn er zuvor geprüft und zugelassen wurde. Das oberste EU-Gericht in Luxemburg gab damit dem Imker Karl-Heinz Bablok aus Augsburg recht, der auf Schadenersatz für Honig geklagt hatte, in dem Pollen von gentechnisch verändertem Mais entdeckt worden war – und dies, obwohl Mais ein Windblütler ist. Der Pollen stammte von der Sorte Monsanto 810, die als Tierfutter, aber nicht als Lebensmittel zugelassen ist. Die nur zufällige Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Material und dessen Menge im Honig spielen nach Auffassung des EuGH keine Rolle; die Richter widersprachen damit der EU-Kommission, welche geltend gemacht hatte, eine eigene Zulassung vor dem Inverkehrbringen sei nicht nötig, weil in dem belasteten Honig nur geringste Pollenmengen enthalten seien. Eine Schlappe ist das Urteil auch für den Freistaat Bayern, dem die Anbaufläche gehört, und für die Lobbyisten der Agrarindustrie, die für Herstellung und Vertrieb gentechnisch veränderter Organismen (GVO) streitet und u. a. das seit 2009 geltende Verbot des Genmais bekämpft. Ein hohes Risiko gehen jene Landwirte ein, die Genmais anbauen wollen und nun damit rechnen müssen, daß Imker in der Nachbarschaft Schadensersatz sowie Maßnahmen zum Schutz vor Verunreinigung verlangen. Außerdem wird künftig wohl manche Honigsorte aus deutschen Supermarktregalen verschwinden, da der meiste Honig nicht aus Deutschland stammt und, wenn ein Test der Zeitschrift Ökotest im Januar 2009 repräsentativ ist, fast die Hälfte der Import-Sorten vor allem aus Kanada und Südamerika (etwa Argentinien) Spuren von Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen aufweisen.

Wildbienen · Die anderen Bienen

23.  Neues Wildbienenbuch von Paul Westrich (06.06.2011)
Wildbienen · Die anderen Bienen lautet das Buch, das sich Bienenfreunde seit Jahren vom Autor der Wildbienen Baden-Württembergs gewünscht haben. Von den mehr als 550 heimischen Arten werden allein 92 in Fotografien gezeigt, und viele weitere, ungewöhnliche Aufnahmen dokumentieren, wie und mit welchen Materialien Wildbienen ihre Nester bauen und wie vielfältig ihre Beziehungen zur Pflanzenwelt sind. Die Texte erläutern, welche Wildbienen man im Garten, auf Balkon oder Terrasse mit Nisthilfen erfolgreich ansiedeln kann, wie man sie mit welchen Blütenpflanzen anlocken und fördern und welche spannenden Beobachtungen man dabei machen kann. Auf diese Weise kann jeder zur Erhaltung der Wildbienen beitragen, die für die Bestäubung unserer Wild- und Nutzpflanzen unersetzliche Dienste leisten.
    Der international renommierte Verfasser hat nach über 30jähriger Forschungstätigkeit ein populärwissenschaftliches Buch geschrieben und bebildert, das Laien in die Welt der Wildbienen einführt und sich für die Schule sehr empfiehlt. Es zeigt auf 168 Seiten 479 Farbabbildungen (Format: 21,5 x 21,3 cm) und erscheint für 19,80 € im Pfeil-Verlag. Beispielseiten lassen sich auf einer Nach außerhalb dieser Website Verlagseite anschauen.

22.  Schädigen Rapsfelder die Wildflora? (06.04.2011)
Rapsfelder locken mit ihrem Blütenreichtum Hummeln und und andere Wildbienen so stark an, daß dadurch Wildpflanzen schlechter bestäubt werden – so die Ergebnisse einer großen Freilandstudie der Universitäten Würzburg und Göttingen sowie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig/Halle auf 67 Flächen in der Region um Göttingen. Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) z. B. produziert bereits 20 Prozent weniger Samen, wenn Rapsflächen lediglich 15 Prozent der umgebenden Landschaft ausmachen.
    Quelle: Andrea Holzschuh, Carsten F. Dormann, Teja Tscharntke, Ingolf Steffan-Dewenter (2011): "Expansion of mass-flowering crops leads to transient pollinator dilution and reduced wild plant pollination" in: Proceedings of the Royal Society B.
    Eine der Autorinnen, Andrea Holzschuh, wird diese Arbeit als Teilnehmerin des EU-Projekts STEP fortsetzen, in dem 20 Arbeitsgruppen aus 16 Ländern fünf Jahre lang die Auswirkungen des globalen Wandels auf Bienen und ihre Bestäubungsleistung untersuchen werden.

21.  UNO-Bericht beklagt das Bienensterben (10.03.2011)
Ein Bericht des UN Environment Programme (UNEP), Global Honey Bee Colony Disorders and other Threats to Insect Pollinators, macht mehr als ein Dutzend Faktoren für das weltweite Verschwinden von Honigbienenvölkern und Wildbienen verantwortlich, u. a. diese:

In einer Presseerklärung zum Bericht unter dem Titel Bees Under Bombardment: Report shows multiple factors behind pollinator losses betont das UNEP die Abhängigkeit des Menschen von den Dienstleistungen des Ökosystems und bezeichnet die Bienen als Frühwarnindikatoren für weitere Auswirkungen auf das tierische und pflanzliche Leben. Die Autoren der Studie fordern Anreize für Bauern und Landbesitzer, Bestäuber-freundliche Habitate anzulegen, auch in der Nähe von Feldern.

Insektizide und andere Chemikalien sollten mit mehr Sorgfalt ausgewählt und eingesetzt werden: Zwar könne ein domestiziertes Honigbienenvolk vor einem Chemieeinsatz umgesetzt werden, dieser bedrohe jedoch wildlebende Bestäuber. Die Industrialisierung der Landwirtschaft führe zur Abnahme wildlebender Bienen und anderer Bestäuber, während Honigbienenvölker im industriellen Maßstab gemanagt und mit Lkws von Farm zu Farm transportiert würden. Der Umgang der Menschheit mit ihren natürlichen Ressourcen werde unsere Zukunft im 21. Jahrhundert bestimmen. 70% der Feldfrüchte, die weltweit 90% der Nahrung ausmachen, würden von Bienen bestäubt.

Während der UN-Bericht auch die wildlebenden Arten berücksichtigt, sprechen Presse und Rundfunk in Deutschland fast nur von "Bienen", meinen aber 'Honigbienen'. SPIEGEL ONLINE etwa zitiert unter der Überschrift Bienensterben wird zum globalen Problem den UNEP-Bericht als "Global Bee Colony Disorders and other Threats to Insect Pollinators"; das honey im Titel des Berichts ist verschwunden ...

20.  Nach dem Dioxin-Skandal der Honigbienen-Skandal? (25.01.2011)
Bieneninstitute, Bundeslandwirtschaftsministerium, Agrarindustrie und Imkerverbände hatten vor Jahren ein mehrjähriges Monitoringprojekt beschlossen, das das Problem der Volksverluste domestizierter Honigbienen untersuchen sollte. Dieses Deutsche Bienenmonitoring (DEBIMO, Elke Genersch et al. (2010): "The German bee monitoring project: a long term study to understand periodically high winter losses of honey bee colonies." Apidologie 41–3 Einsatz gegen Gentechnik kriminalisiert?) benennt zwar keine eindeutige Ursache für das dramatische Honigbienensterben, die Varroa-Milbe (Varroa destructor) sei jedoch "der dominante Killer während des Winters", und "ein negativer Einfluss von Pestizidrückständen im Bienenbrot [...] konnte nicht bewiesen werden." Die Studie wird nun von den Umweltverbänden BUND und NABU kritisiert: 50% des Projekts würden von der Chemie-Industrie (BASF, Bayer und Syngenta) getragen, die Studie weise methodische Mängel auf, so seien 95% aller Bienenstöcke in den vier Untersuchungsjahren nicht ein einziges Mal auf Rückstände untersucht worden etc. Als mögliche Ursachen des Bienensterbens kommen demnach viele weitere Faktoren in Frage: Parasitenbefall, Infektionen, Umweltstreß, einseitige Ernährung durch Monokulturen sowie Pestizide (vor allem die seit etwa 2000 verstärkt eingesetzten hochwirksamen Pestizide aus der Klasse der Neonikotinoide). Auch die Tagespresse berichtet über das Projekt und seine Kritik, etwa die Neue Rheinische Zeitung unter dem Titel „Bienen, Hummeln, Vögel, Menschen sollen leben“ · Folgt dem Dioxin-Skandal ein Bienen-Skandal? (Druckfassung).

19.  Auch Bienen stören Raupen beim Fressen (23.12.2008)
Zwei Biologen der Universität Würzburg beschreiben im Fachblatt Current Biology eine neue Methode, Raupen in Gärten und auf Feldern Einhalt zu gebieten: Raupen werden von Faltenwespen parasitiert und besitzen deshalb feine Sinneshärchen, mit denen sie Luftbewegungen registrieren, die beim Anflug der Wespen entstehen. Die Raupen lassen sich sofort zu Boden fallen oder bleiben regungslos liegen. Solange sie sich nicht bewegen, werden sie von den Wespen nicht erkannt. In dieser Zeit fressen sie nicht: ihre Nahrungspflanzen bleiben verschont.
    Die Forscher haben nun in Laborversuchen mit Eulenfalterraupen an Paprika- und Sojapflanzen entdeckt, daß die Raupen nicht zwischen fliegenden Wespen und Bienen unterscheiden können: Honigbienen haben etwa die gleiche Körpergröße und Flügelschlagfrequenz wie Faltenwespen. In einem Käfig mit Honigbienen fraßen die Raupen streßbedingt bis zu zwei Drittel Prozent weniger Blattmasse als in einem Käfig ohne Honigbienen. Geplant ist nun ein Freilandversuch auf einem blütenreichen biologisch bewirtschafteten Gemüsefeld: Dort könnten die Bienen allein durch ihren Blütenbesuch den Schaden an Gemüsepflanzen ähnlich stark mindern wie im Labor – und mehr als in einer konventionellen Monokultur. (Quellen: Tautz, Jürgen und Michael Rostás: "Honeybee buzz attenuates plant damage by caterpillars" in: Current Biology 18 (24) pp. R1125–R1126; Meldungen)

18.  Neufassung der Roten Liste der Wildbienen (30.08.2008)
Dr. Paul Westrich, der Verfasser des Grundlagenwerkes Die Wildbienen Baden Württembergs, veröffentlicht in Heft 3 seiner Zeitschrift Eucera die neue "Rote Liste der Bienen Deutschlands (Hymenoptera, Apidae) (4. Fassung, Dezember 2007)".

17.  Wiederzulassung von Clothianidin am 25.06.2008
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hebt das Ruhen der Zulassungen bienengefährlicher Rapsbehandlungsmittel auf. Die Bayer CropScience kann nun weiterhin das Nervengift Clothianidin vertreiben. Das BVL sagt lediglich zu, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Tests auf Bienengefährlichkeit einfließen zu lassen.
    Der Einfluß der Agrochemie-Lobby auf die Politik war in Baden-Württemberg groß genug, per Verordnung vorschreiben zu lassen, daß Mais-Saat zum Schutz gegen den Mais-Wurzelbohrer nur nach Behandlung mit Clothianidin ausgebracht werden durfte. Den gefährlichen Käfer könnte man jedoch auch und giftfrei durch Feldfruchtwechsel bekämpfen, indem man auf Flächen, auf denen gerade Mais geerntet wurde, anschließend eine andere Feldfrucht anbaut.
    Clothianidin ist deshalb problematisch, weil es nicht ausreichend an den Maiskörnern haftet und der Wind beim Ausbringen des Saatgutes mit pneumatischen Sähmaschinen im Frühjahr ein wenig Abrieb auf die Blüten der Umgebung wehte. Die katastrophalen Folgen wurden nur deshalb bemerkt, weil Honigbienen in großen Mengen starben und die Imker Alarm schlugen. Außer den Honigbienen starben aber am Clothianidin auch alle anderen Blütenbesucher, also alle lokal vorkommenden Wildbienen (von denen es allein in Deutschland ca. 555 Arten gibt) sowie auch Tausende von Schlupfwespen, Lehmwespen, Grabwespen, Wegwespen, Papierwespen, Hornissen, Raupenfliegen, Schmetterlingen und andere, die für ihre Eigenversorgung auf Nektar, also auf Blütenbesuche angewiesen sind. Clothianidin ist sehr ausdauernd, in kalifornischen Böden etwa waren nach ca. 3 Jahren noch ca. 70% des ursprünglich eingebrachten Nervengiftes vorhanden.

16.  Genmais-Urteil in Augsburg
Das Verwaltungsgericht Augsburg stellt am 30. Mai 2008 in einem Urteil fest, daß Honig, welcher Blütenpollen des gentechnisch veränderten Maises MON 810 enthält, nicht verkehrsfähig ist: Der Anbau stelle eine wesentliche Beeinträchtigung des klagenden Imkers dar, weil er solchen Honig nicht verkaufen dürfe, da der Genmais keine Zulassung als Lebensmittel habe.
    Der Imker erhält jedoch keinen Schutzanspruch gegen den Anbau, d. h. er kann den Anbauer nicht zwingen zu verhindern, daß seine Bienen gentechnisch veränderte Maispollen eintragen: Obwohl der Hobbyimker seine Bienen seit vielen Jahren stationär in einem Bienenhaus hält und technisch nicht auf Bienentransporte eingerichtet ist, sei ihm nach Abwägung der "Verhältnismäßigkeit" zuzumuten, die Völker während der Maisblüte an einem anderen Standort aufzustellen. Allerdings könne er zivilrechtliche Schadensersatzansprüche gegen den Anbauer geltend machen.

15.  Das BVL läßt die Zulassung von Giften ruhen
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) läßt im Mai 2008 die Zulassung folgender Gifte bis auf weiteres ruhen: Antark, Chinook, Cruiser 350 FS, Cruiser OSR, Elado, Faibel, Mesurol flüssig, Poncho, ACROBAT PLUS WG, Ridomil Gold MZ, STEWARD, Gramoxone Extra, Euparen M WG (auch vertrieben unter den Bezeichnungen Baymat WG und Bayer Garten Universal-Pilzfrei), Melody Multi, Monceren plus und Folicur EM. Näheres findet sich auf der BVL-Seite "Widerrufene und ruhende Zulassungen (letzte Änderung: 15. Mai 2008)".

14.  Neue Bienen-Zeitschrift: Eucera
Dr. Paul Westrich, der renommierte Autor des zweibändigen Grundlagenwerkes Die Wildbienen Baden-Württembergs, gründet im Januar 2006 eine neue Zeitschrift: Eucera · Beiträge zur Apidologie. Für die gedruckte Ausgabe ist die ISSN 1866-1513, für die zeitgleich publizierte Online-Ausgabe lautet die ISSN 1866-1521. Die nicht gewerbliche Zeitschrift soll in unregelmäßiger Folge in Form von Einzelheften erscheinen. "Aus Gründen einer besseren Lesbarkeit und Sprachrichtigkeit wird", wie Dr. Westrich schreibt, "die klassische (bewährte) Rechtschreibung verwendet."

13.  Großes Bienensterben in den USA
In manchen Regionen sterben im Frühjahr 2007 bis zu 80 Prozent der Honigbienenvölker. Forscher können die Ursache noch nicht eindeutig identifizieren und Verlauf und Ausbreitung des Sterbens nicht untersuchen, da die Honigbienen (die übrigens in Amerika nicht heimisch sind) außerhalb ihrer Stöcke sterben. Es gibt aber eine Reihe plausibler Vermutungen: die Dürre im Herbst 2006 im Süden der USA und als Folge eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, die riesigen Monokulturen und daher die einseitige Ernährung oder/und Vergiftung der Bienen mit Pestiziden, genmanipulierte Pflanzen bis hin zu elektromagnetischer Strahlung und ein Zusammenwirken, eine Akkumulation mehrerer Faktoren. Sicher scheinen die Folgen zu sein: große, teure Ernteausfälle.

12.  Dramatischer Rückgang der Bienenarten
Die Studie eines Forscherteams der Universität Leeds, die am 21. Juli 2006 im US-Magazin Science veröffentlicht wurde, belegt, daß die Zahl der Bienen und der von ihnen bestäubten Pflanzen in Teilen Europas stark abgenommen hat. Im ebenfalls betroffenen Großbritannien gingen die auf Insektenbestäubung angewiesenen Wildpflanzen um 70 Prozent zurück. Die Ursachen für das Bienensterben sind noch unklar.

11.  Imker, Gentechnik und Verfassungsschutz
Welche Folgen das Wahrnehmen des urdemokratischen Grundrechts auf freie Meinungsäußerung haben kann, erfuhr im Frühjahr 2006 der Präsident der Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes: Manfred Hederer engagiert sich vielerorts – auch innerhalb der CSU – gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen, den er für eine große Gefahr für die Natur, den Menschen und Imkerei betrachtet. Deshalb erhielt er Besuch vom Bayerischen Verfassungsschutz und mußte sich Fragen zu seiner staatsbürgerlichen Einstellung gefallen lassen. Wenn sich der Staatsschutz, eigentlich zuständig für politisch motivierte Kriminalität, hier einmischt, zeigt dies, daß die Bayerische Landesregierung durch den Einsatz für eine natürliche Umwelt Staat und Verfassung gefährdet sieht? Einsatz gegen Gentechnik kriminalisiert?

10.  Löcherbienen (Heriades truncorum) konkurrieren nicht mit Honigbienen um Pollen
Die Bienenforscher Andree Hamm, Sandra Haase und Dieter Wittmann vom Institut für Landwirtschaftliche Zoologie und Bienenkunde in Bonn haben am Beispiel der häufigen oligolektischen Löcherbiene Heriades truncorum in einem Naturschutzgebiet westlich der ehemaligen Bundeshauptstadt untersucht, ob Wildbienen mit der domestizierten Honigbiene (Apis mellifera carnica L.) um Pollen konkurrieren. Zu diesem Zwecke wurden an zwei Terminen je 30 Honigbienenvölker im NSG aufgestellt und die Menge des Korbblütler-Pollens mittels Pollenfallen bestimmt. Bei den Löcherbienenweibchen wurden die Pollenmengen (Rainfarn, Schmalblättriges und Jakobs-Greiskraut) und die Zahl der Brutzellen ermittelt. Beobachtet wurden auch die Besuchshäufigkeit, evtl. Störungen und die Dauer der Sammelflüge.
    Die Löcherbienenweibchen trugen im Durchschnitt 2.254.200 Pollen in eine Brutzelle ein; ein Honigbienenvolk schaffte täglich maximal ca. 45 Millionen, was für ca. 20 Brutzellen reicht. Die Sammelflüge der Wildbienenweibchen wurden aufgrund abnehmender Tracht länger, nicht jedoch durch das Aufstellen der Honigbienenvölker; diese hatten auch keinen signifikanten Einfluß auf die Tagesleistungen der Löcherbienen.

9.  Neues Hummelbuch aus Großbritannien
Im Frühjahr 2005 ist ein neues, lesenswertes Buch erschienen: Mike Edwards & Martin Jenner (2005): Field Guide to Bumblebees of Great Britain and Ireland. Ocelli, Willingdon Village, Eastbourne. Bemerkenswert sind die guten, bestimmungstauglichen Fotos und die einfachen Bestimmungsschlüssel. Hummelfreunde, denen die englische Sprache nicht fremd ist, haben hier Gelegenheit, ihren Wortschatz um biologische Fachbegriffe zu erweitern. Der Originalpreis beträgt £ 8.99 + P&P, außerhalb Großbritanniens läßt sich das Büchlein bequem im Online-Versandhandel erwerben, bei amazon z. B. für 16,50 €.

8.  Kinderbuch über die Kinderstube der Insekten
Im Herbst 2004 ist ein interessantes Kinderbuch erschienen: Anne Möller (2004): Nester bauen, Höhlen knabbern · Wie Insekten für Ihre Kinder sorgen. Atlantis-Verlag, Stolberg. Der Blick in die Kinderstube etwa einer Schneckenhaus-Mauerbiene ist ungewöhnlich und schon deshalb empfehlenswert.

7.  Neue Hummelart in Österreich
Dr. Johann Neumayer aus A-5161 Elixhausen konnte 2002 zum ersten Mal ein Exemplar von Bombus haematurus Bombus haematurus KRIECHBAUMER, 1870 in Österreich nachweisen. Diese "Ungarische Hummel" kommt in Europa von Griechenland und der Türkei nord- und westwärts bis Serbien und Ungarn vor und ist offenbar von dort erst kürzlich in den deutschsprachigen Raum eingewandert.

6.  Bienenartenbestimmung mit dem Computer
Forscher der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn haben ein Computerprogramm namens ABIS entwickelt, das Bienenarten anhand ihrer Flügeläderung identifiziert. Dies funktioniert am einfachsten mit toten, aber auch mit lebenden Tieren: Ein Flügel der betäubten Biene wird zwischen zwei Glasplättchen geklemmt und unter einer Stereolupe mit einer Digitalkamera abgelichtet. Das Bild wird in den Computer überspielt, wo die neue Software die Aderstruktur erfaßt und mit den gespeicherten Referenzdaten vergleicht. Diese umfassen jeweils ca. 30 Bilder aller allein in Deutschland vorkommenden 550 Bienenarten. Nach einer Trainingsphase nennt das Programm nach wenigen Minuten mit einer Präzision von 98–99,8 Prozent den Artnamen.
    Der Aufwand ist nicht nur wissenschaftlich motiviert: Eine (für Bauvorhaben vorgeschriebene) Umweltverträglichkeitsprüfung oder die Kartierung eines Schutzgebietes erfordert meist auch die Erfassung der vorkommenden Bienenarten, und die Landwirtschaft ist manchmal auf Bienenarten angewiesen, die nur wenige Pflanzenarten bestäuben, welche ihrerseits auf diese Spezialisten angewiesen sind. Auf Bienen spezialisierte Taxonomen gibt es allerdings in Deutschland nicht genug; mit der Bienen-Software kann nun aber selbst der entomologische Laie eine Bienenart bestimmen. Der Agrarwissenschaftler Dr. Stefan Schröder, der das Konzept zusammen mit dem Informatiker Dr. Volker Steinhage (beide Universität Bonn) entwickelt hatte, erhielt dafür 2003 in Kopenhagen den Ebbe-Nielsen-Preis, der von der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) gestiftet wird. (Quellen: ABIS · Ebbe-Nielsen-Preis · Institut für Landwirtschaftliche Zoologie und Bienenkunde)

5.  Zur Geschlechterverteilung bei der Erdhummel
Bombus terrestris ist die von Hummelforschern seit langem bevorzugte Hummelart. Dennoch bzw. gerade deshalb gibt es immer wieder Neues zu entdecken, etwa zum Geschlechterverhältnis und Mutter-Tochter-Konflikt, der immer dann ausbricht, wenn die Arbeiterinnen beginnen, eigene Eier zu legen und die Königin zu verdrängen:
    Die Geschlechterverteilung hängt entscheidend von der Königin ab. Je länger diese im energiezehrenden Winterschlaf (Diapause) verweilt, desto größer sind tendenziell die Gruppen ihrer erst- und zweitgeborenen Arbeiterinnen und desto eher produziert sie haploide (unbefruchtete) Eier. Folglich zieht ihr Volk mehr Drohnen und weniger neue Königinnen auf. Nach einer kürzeren Diapause ist es umgekehrt. Die Geschlechterverteilung hängt entscheidend ab von der Zeitspanne zwischen dem ersten haploiden Ei der Königin und dem ersten (natürlich auch haploiden) Eier einer ihrer Arbeiterinnen, die damit in Konkurrenz zur Königin treten: Je länger der Zeitraum zwischen beiden Terminen ist, desto mehr neigt das Geschlechterverhältnis zugunsten der Drohnen.
    Mit der frühen Produktion von Söhnen begrenzt eine Königin zudem stark die Chancen ihrer Arbeiterinnen, über eigene Söhne ihre eigenen Erbanlagen weiterzugeben. Arbeiterinnen in solchen frühreifen Staaten entwickeln zwar nach Ablage haploider Königinneneier ihre Ovarien, um eigene haploide, also Drohnen-Eier zu legen, kommen aber dennoch genetisch kaum zum Zuge: Arbeiterinnen haben mit dem potentiellen Nachwuchs ihrer Söhne einen Verwandtschaftsgrad von 0,375, was nur anderthalb mal höher ist als die Verwandtschaft von 0,25 zu ihren Brüdern, also den Söhnen ihrer Mutter und Königin. Das Legen eigener Eier lohnt sich also für Arbeiterinnen nur dann, wenn der Fortpflanzungserfolg ihrer Söhne mindestens zwei Drittel des Pflegeerfolgs bei ihren Brüdern erreicht; dieser Gleichstand wird aber, wenn überhaupt, nur in einer sehr späten Phase der Volksentwicklung erreicht oder gar übertroffen. Andererseits würden Arbeiterinnen, die zu früh eigene Eier legen, gerade dadurch in eine negative Energiebilanz geraten und so den Erfolg ihrer Gene gefährden.
    (Quelle: Duchateaua, Marie José, Hayo H. W. Velthuisa & Jacobus J. Boomsmaa in Behavioral Ecology, vol. 15 No. 1: 71–82)

4.  Die Sammelareale der Ackerhummel und Dunklen Erdhummel
Der Schutz gefährdete Hummelarten setzt Kenntnisse über ihren jeweiligen Sammelradius und ihre Nestdichten voraus. Frühere Untersuchungen konzentrierten sich auf die weltweit verbreitete Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) in der Annahme, daß diese Art repräsentativ auch für andere sei. Eine neue Studie vergleicht die Dunkle Erdhummel mit der Ackerhummel (B. pascuorum) und zeigt, daß dem nicht so ist:
    Auf einer 10 km langen Strecke wurden Arbeiterinnen beider Arten gefangen und 8–9 sogenannte polymorphische Microsatelliten-Marker benutzt, um Schwestern, also Angehörige derselben Völker, zu identifizieren. Schätzungen der Nestdichten, die auf einer Kreisfläche von 50 m Radius in einer Agrarlandschaft beruhten, ergaben 13 Erdhummel-, aber 193 Ackerhummelvölker pro km2. Ackerhummeln sammelten in weniger als 312 m Entfernung vom Nest, während es bei Erdhummeln bis zu 625 m waren.
    Hummelarten können sich also in fundamentalen Aspekten ihrer Ökologie unterscheiden, was bei Schutzmaßnahmen für seltene Hummelarten und isolierte Pflanzenpopulationen ebenso zu berücksichtigen ist wie beim landwirtschaftliche Einsatz von Hummeln als Bestäuber und der Vorhersage des Genflusses genmanipulierter Pflanzen.
    (Quelle: Darvill, Ben, Mairi E. Knight & Dave Goulson: "Use of genetic markers to quantify bumblebee foraging range and nest density" in: Oikos, December 2004, vol. 107 (3), p. 471–478)

3.  Nicht fleißig, sondern genial
Jahrhundertelang galt die Honigbiene sprichwörtlich als Inbegriff tierischen Fleißes: "Bienenfleißig" sammelte sie Nektar und füllte die Beute des Imkers, und ihre exakt sechseckigen Brutzellen fanden allenthalben Bewunderung. Ihren Ruf verdankt sie allerdings nur der Tatsache, daß sie gezwungenermaßen für das leibliche Wohl des Menschen sammelt, und auch ihr Bild als Baumeisterin wurde 2004 relativiert:
    Bienenwaben bestehen aus Wachs, das die Bienen in speziellen Drüsen im Hinterleib produzieren. Mit ihren Fühlern steuern sie die Dicke der Zellwände, die nur 70 tausendstel Millimeter beträgt. Wie Forscher aus Südafrika und Würzburg herausfanden, formen sie jedoch nicht die bekannten sechseckigen Tönnchen, sondern nur weitgehend runde Zylinder. Dabei erwärmen sie das Wachs auf 40° Celsius, wodurch es zu fließen beginnt und automatisch die energetisch sparsamste Form annimmt: die des Sechsecks. Bienen nutzen also nur genial ein physikalisches Prinzip.
    Die Entstehung der sechseckigen Waben kann im Laborversuch leicht simuliert werden, wenn man Zylinder aus dünnem Wachs miteinander in Kontakt bringt und erwärmt. Und auch Lava erstarrt keineswegs zufällig in sechseckigen Säulen.
    (Quelle: Pirk, C.W.W. & H.R. Hepburn, S.E. Radloff et al.: "Honeybee combs: construction through a liquid equilibrium process?", Naturwissenschaften, online am 15.06.2004, DOI: 10.1007/s00114-004-0538-4; Runde Rohlinge und Bienenwärme ergeben perfekte Waben)

2.  Hummeltreue währt am längsten ...
Aus genetischer Sicht ist Promiskuität von Vorteil: Eine starke Durchmischung der Gene begünstigt die Genkombinationen, die eine optimale Anpassung einer Art an ihre Umwelt und damit ihr Überleben ermöglichen. Die Königinnen der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) jedoch werden von mehreren Begattungen krank: Sie schlafen schlecht und sterben füher als monogame Artgenossinnen, wie Forscher der Universität Kopenhagen durch künstliche Besamungen herausfanden. Als besonders schädlich erwies sich eine Mischung aus der Sperma von Brüdern. Den Grund vermuten die Biologen in einer Unverträglichkeit verschiedener Samenzellen. (Quelle: Proceedings of the Royal Society B Online, 19.01.2005)

1.  Die Steinhummel ist das "Insekt des Jahres" 2005
Das "Kuratorium Insekt des Jahres" des Deutschen Entomologischen Instituts hat die Steinhummel (Bombus lapidarius) zum "Insekt des Jahres 2005" gewäöhlt. Die Wahl fand zum ersten Mal gemeinsam mit der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft statt, der Bayerische Minister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Dr. Werner Schnappauf, ehrte die Hummel als Schirmherr. Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft machte die Wahl in einer Presse-Information bekannt.
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschafts-
und Landnutzungsforschung (ZALF) e.V.
Deutsches Entomologisches Institut
Eberswalder Straße 84
15374 Müncheberg
Fon: 033432/82200
Fax: 033432/82223
  Österreichische Entomologische Gesellschaft (ÖEG)
Univ.-Prof. Dr. Konrad Thaler
Institut für Zoologie u. Limnologie
Technikerstraße 25
A-6020 Innsbruck, Österreich
E-mail: konrad.thaler@uibk.ac.at
  Biologische Bundesanstalt
für Land- und Forstwirtschaft (BBA)
Messeweg 11–12
38104 Braunschweig
Fon: 0531/299-3207
Fax: 0531/299-3000

Zur Leitseite Zum Frameset "Wildbienen allgemein" Nach oben Leser-Post