Wildbienen: Hummeln?
- Heute hat, wie ich glaube, eine Hummel zu uns verflogen. Sie war total schwarz und ca. 4 cm lang, siehe Foto. Kann mir jemand sagen, ob und was für eine Art Hummel das war?
- Ich sah heute ein Insekt auf die Blüte einer Zaunwicke fliegen und dann Nektar saugen. Zuerst dachte ich beim Fliegen, es sei ein großer Käfer. Es hatte die Größe einer Hornisse. Aber der Körper war blauschwarz und unbehaart. Das Hinterteil lief nicht spitz aus wie bei Bienen oder Wespen, sondern schloß breit und gerade ab. An den Hinterbeinen hatte es Blütenpollen. Die Flügel waren auch blauschwarz aber transparent. Kann mir jemand sagen, was das für ein Insekt ist?
- Ich hatte heute den abgebildeten Besucher im Garten und wüßte gerne, wie der Gast heißt. Er war 3–4 cm groß. Ich habe den Tip erhalten, es sei eine Holzbiene, habe aber gelesen, daß deren Hinterleib durchweg bei allen Arten kahl und blankpoliert ist. Meine Biene war behaart.
- Im Dach meines Hauses, genauer zwischen den Dachpfannen, befindet ein Hummelnest. Da ich nicht weiß, wie ich darauf reagieren soll, wäre es sehr schön, wenn Sie mir ein paar Tips geben könnten. Speziell interessiert mich die Frage, ob durch die neuen Untermieter Schaden entstehen kann.
Bei Anfragen zu "schwarzen Hummln" handelt es sich fast immer um die "Blaue" bzw. "Große Holzbiene", Xylocopa violacea. Sie ist allenfalls mit der noch selteneren Mörtelbiene Megachile parietina und der schwarzen Variante der Pelzbiene Anthophora plumipes zu verwechseln, die in Deutschland selten, in England aber normal ist. Es gibt jedoch Unterschiede:
- Holzbienen haben blauschwarz schillernde Flügel, Pelzbienen haben helle, durchscheinede Flügel, und Megachile parietina hat eher schwarzbraune als blauschwarze Flügel und außerdem eine schwarz gefärbte Bauchbürste.
- Holzbienen sammeln wie Pelzbienen ihren Pollen in Bürsten an Hinterschiene und -ferse, während Megachile parietina den Pollen in ihrer schwarz gefärbten Bauchbürste transportiert.
- Holzbienen nisten in mürbem Totholz (z. B. alten Balken), während Pelzbienen lehmige Hänge und Wände besiedeln und die große, schwarze Mörtelbiene große Mörtelnester mit bis zu 16 Brutzellen an Steinen und Felsen klebt.
Der Schreiber der letzten Anfrage könnte tatsächlich ein Hummelvolk gehabt haben. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit größer, daß die Insekten Wespen oder schwärmende Honigbienen waren, aber auch (besonders oberirdisch nistende) Hummeln finden schon einmal den Weg ganz nach oben in einen Hohlraum unter dem Dach. In Frage kommen einige der bekannten Arten: Ackerhummel (Bombus pascuorum), Baumhummel (Bombus hypnorum), Gartenhummel (Bombus hortorum), Steinhummel (Bombus lapidarius) und Wiesenhummel (Bombus pratorum). Schäden richten Hummeln nicht an, und eine Gefahr geht von ihnen auch nicht aus, solange es sich nicht ausgerechnet um die Baumhummel handelt: Da ihr meist in Baumhöhlen angelegtes Nest relativ leicht zu entdecken ist, reagieren die Arbeiterinnen von Bombus hypnorum oft durchaus aggressiv auf Störungen und stechen auch. Ob Hummeln, Honigbienen oder Insekten: Man sollte also sicherstellen, daß die Insekten nicht ins Innere des Dachbodens gelangen können, und für einige Wochen den besiedelten Hohlraum nach innen mit etwas Pappe oder einer Holzplatte abdichten.
Informationen über Holzbienen gibt es unter
Wildbienen: Artenportraits und über Hummeln unter
Hummeln.
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| Die Pelzbiene Anthophora plumipes, schwarze Variante, im Anflug auf Lungenkraut |
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Die Große Holzbiene, Xylocopa violacea, wird trotz bläulicher Flügel oft für eine Hummel gehalten · 63150
Heusenstamm, 27.08.2009 (ste) |